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Der Orden Bne Briss · 1932-10-01 · Festnummer zum Ordenstag ; Nr. 8 - Oktober (10.1932) · p. Seite 96

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1932
Issue
Festnummer zum Ordenstag ; Nr. 8 - Oktober (10.1932)
Date
1932-10-01
Page
Seite 96 (sequence 4)
Language
German
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rGroßpräsidenten Julius Fenchel „Julius Fenchel ist ein Mann der vornehm« u Sachlichkeit, der Gradlinigkcit, der Festigkeit gewesen. ie eine Zeit sich durch ihre Bauten Charakterisiert, sc kann ^an iin deutschen Geschehen die zwei letzten Zcitepoclien in ihrer Gegenüberstellung als die Zeit der Linie And der Ornamentik bezeichnen. Br. Fenchel ist ein Manp der Linie gewesen, der graden Form. Die Zurücksetzung der Juden in den Menschheitsbündeu seiner Zeit beantwortete er init der Gründung des Ordens Bne Briss in Deutschland, mit s der Mehrung jüdischer Herte. Sein Name dai f leuchtend über der neuen J-oge stehen.“ Mit diesen Worten zeichnete Bruder G 'oßpräsident Baeck bei der. Gründung der Julius Fenchel-Inge, Berlin, am 30. Januar 1927 das Bild des Mannes, der 1er Gründer des deutschen Distriktes unseres Ordens gewesen ist. Sein Name ist unvergänglich mit der Übertragung des Ordens U. O. B. B. nach Deutschland und dem erde i der ersten deutschen Logen verknüpft. Was Julius Fenchel auszeiclinete, das wir-das tiefe Empfinden für das Rechte und ein unerschütterliches Zielbewußtsein. Als sich gegen Ende des vorigen Jahrhunderts antisemitische Strömungen im Oddfellow Orden breit machten, war für unseren Bruder Fenchel kein Platz mehr darin; sein aufrechter_,Sinn ertrug die Verkleinerung des Rechts nicht. Seine Antwort war die Gründu lg der ersten rein, jüdischen Löge. Mit einem kleinen Häuflein von 26 Brüdern bahnte er sich seinen Weg. Schwierigkeiten erwuchsen ihm bei der Gründung — noch war qas Mißtrauen Amerikas rege —, Schwierigkeiten fand er in den ersten Jahren seines Ordensweges; seine Energie hajf alles überwinden. I Der Delegierte Amerikas vermißte bei «1er Gründung ..die Propheten“. Er dachte an Männer von dem Ansehen Berthold Auerbachs oder Eduard Laskers. Fenchels Weitblick und Tatkraft erwiesen sich als prophetisch. Er sicherte dem Orden eine feste, breite Grundlage und vertraute darauf, daß Kraft und Wirksamkeit auch die „Pro-! pheten“ anziehen werde. , [ Drei Jahre nach der Gründung der Deutschen Reichs- Loge gönnte die Großloge für Deutschland eröffnet werden (1885); der deutsche Distrikt vereinigte danjals 18 Logen. — Fenchel wurde der erste Großpräsident und blieb es bis zum Jahre 1887. _ . * Über ein Menschenalter hat Br. Fenche die Entwicklung des Ordens weiter verfolgt und, selbst tätig bis in sein hohes Greisenalter hinein an den Arbeiten teilgenommen. Hie oft konnte man den ewig Rüstigen bei Logensitzungen' seiner eigenen Loge (Berthold Auerbach-Loge), aber auch der anderen Berliner Logen erblicken, bis Altersschwäche ihn ans. Zimmer und Krankenlager fesselte. Aber auch da noch hat er auf Mitteilungei und Berichte aus den Logen gelauscht und bis zuletzt Anregungen gegeben. Er blieb der einfache, pflichttreue Mann, der er sein ganzes Lehen gewesen ist. Sein berechtigter Stolz ahergalt derTat, die seinen Namen mit demOrdeiJ verknüpft hat. Geb.: 7. 10. 1836, gest.: 25. 12. ]j919. Deutsche Reichs-Loge 1882—1883. Bertholil-Auerbach-Loge 1883 bis 1919. 1 . Louis Maretzki Von Maximilian Stein-Berlin Juhus Fenchel war der Gründer unseres Ordens in Deutschland, sein—Begründer war Dr. Louis Maijetzki. Er gab dem Bunde die geistige Architektur, diä ethische Grundlage, das soziale Programm, die konstruktive Fassung. Die glänzenden Erfolge seines nicht minder verdienstvollen Nachfolgers Berthold Timendorfer, die Ausbreitung und Entfaltung, die außerordentliche Steigerung der Leistungen des Ordens unter seinem Präsidium, hatten7 da i Wirken Maretzkis zur Voraussetzung. Maretzki teilte nicht den Ehrgeiz, unseren Bund Uber die eigenen Grenzen allgegenwärtig in die 'Erscheinung treten zu lassen, er bevorzugte Selbstkonzentratiojn, innere Mission. Dennoch stammen die Anlagen vieler, über die Loge hinausreichender Betätigungen noch von Mare,zki. Er hatte die Grenzen weit gesteckt. Unter ihm überwand der Orden den ursprünglichen „heiligen Egoismus“ einer Vereinigung zur gegenseitigen Unterstützung und rang sich zu der Selbstlosigkeit durch, die die altruistische Prägung bekam: „Nichts für uns, alles für die Gesamtheit“. Maretzki pflanzte dem Orden das entscheidende Prinzip der Neutralität ein. Jene überparteiliche Sphärej, in der die gegensätzlichen Anschauungen und Auffassungen zur brüderlichen Harmonie werden. ' Wie wenige verstand er es, sich selbst und dem Orden das Gleichgewicht zu halten. Das unveräußerliche Postulat der Einheit und Einigkeit unseres Distrikts ist zu allererst Maretzki zu danket}, der sie uoch im Sturm und Drang der -Aufbauzeit überzeugend zu vertreten und seitdem beharrlich zu sichern wußte) sie bilden den festen unverrückbaren Boden des Ordens.1 i Es gab Itaum ein Gebiet der Ordensbetätigung, lauf dem nicht Maretzki Initiator war. Er lenkte die Loigen zur sozialen Arbeit hin, ebnete den Frauen den Weg zur Loge und eröffnete ihnen eigene Arbeitsgebiete, leitete! die Institution unserer Krankenpflegerinnen, war Schöpfer der Arbeitsnachweise, Förderer der Ferienkolonien, er inspirierte ’ die Jugendbewegung, organisierte das ostjüdische Hilfswerk, trat für Beteiligung an allen interkonfessionellen humanitären Aufgaben ein, hielt Fühlung mit anderien jüdischen Verbänden, an deren Kongressen und Konferenzen er häufig in Vertretung der Großloge teilnahm. j Maretzki war der Historiker unseres Bundes« Die von 4ihm verfaßte Darstellung der Ordensentwicklnug ist sein eigenes Lebensbild. Kein Ereignis, an dem er nicht werktätig Anteil hatte, kein Vorkommnis von einiger jBedeutung, das er nicht mit weitschauenden Betrachtungen in Wort und Schrift würdigte. Während der Aera Maretzkis emanzipierte sielt unser Ordensdistrikt von jeder Abhängigkeit dem Mutterocden in Amerika gegenüber. Die Verschmelzung von Judentum und Deutschtum, die das Wirken unserer Logen durchzieht, entsprach der Maxime Maretzkis. Das Gebot der Vaterlandsliebe wurde‘TTeil des Logenrituals. Maretzki hielt auf,: Autorität, Disziplin erschien ihm Grundelement des Logenwesens. Wie der Begriff staatlicher Souveränität, djss Gefüge, die Norm der Gesellschaftsordnung ihm etwas jUnantastbares waren, so wandte Maretzki die. Forderung unbedingter Einordnung auch auf das Logenleben au. Er legte zum Schutze des Gedankeninhalts unseres Zeremonials auf Beobachtung der Symbole Wert. Nicht Vor- 9 6

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