Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1932
- Issue
- Nr. 5 - Juni (6.1932)
- Date
- 1932-06-01
- Page
- Seite 58 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/6727475-6029206-6074868--2795-4869371- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
heit den Fortschritt einer Anstalt. Solang i die U irt- schaftslage günstiger war, - haben unsere Glaubensgenossen, ihre altgewohnte Freigebigkeit den Stätten der jüdischen Wissenschaft nicht versagt, sie* haben dem Notschrei dieser drei Lehrinstitute ebenso v ie der 191,9 begründeten „Akademie für die Wissenschaf: des Judentums“ Gehör geschenkt. Aber als die Krii e. ausbrach, waren die wissenschaftlichen Anstalten die ersten, denen die Beiträge entzogen wurden, und heute sehen sie sich alle in ihrer Existenz aufs schwerste bedroht. Ihr Schicksal findet wenig .Teilnahme, denn wir leben in einer die Gesamtheit hart bedrückenden Zeit. I nzeachtet der schwierigen Lage werden noch immer durch die deutsche Judeifheit erhebliche Mittel für Zwecke aufgebracht, die weniger gut sind; wenn es jedoch um Erforschung und Lehre des Judentums geht, erklären die einzelnen ihre Förderung aln Sache der Gemeinden.die Gemeinden als eine Ehrenpf icht der einzelnen — und beide versagen. .Versagen! weil es auch heute noch an derjErkenntnis mangelt, die Zunz vermißte. Die „\S isscnschaft des Judentums ist nicht Luxus oder Sport einiger wel abgeschiedenen Grübler, sondern Die n’s t am 1 e .1 u d e n t u m. eine A n f g a h^e, d i e j.e <1 i a n g e li t. Sie hält das Judentum auf der 1 übe iIcf-KuI- / if n d i g e n e n Jude n Jugend und Loge Die Monatsschrift des Schwesterverba ids der U.O. B.B.-Logen. „Die Logenschwester“, bringt in ihrer Märznummer eine Jugendbeilage, in der sich Lo »ensöhne-und -töchter mit ihrer Stellung zur Loge und Logenidee auseinandersetzen. Die einzelnen Aufsätze »eben in gewissenhafter Selbstprüfung wertvolle Aufschlüsse über die Lebensauffassung,, besonders über die soziale Ein- : Stellung der jugendlichen Verfasser und Uber die Richtung. in der sich ihre Aktivität entfalten möchte. Bedauerlicherweise zeigen mehrere dieser Aufsätze, -daß die Jugend nicht etwa nur die äußeren Logenformen, die „unnötige Verbrämung nach außen und innen“ ablehnt, sondern teilweise auch .Wesen and Sinn der I.ogenarbeit gar nicht kennt. Fritz Keßler, München, z. B.. der die Ziele der Logenarbeit zün Teil bejaht, hält ihre Form, die Zusammenkunft nach Art der Logen, für „wahrhaft junge Menschen“ für unmöglich, denn er ist merkwürdigerweise der Ansicht, daß L< genzusammenkünfte nur entweder aus gesellschaftlicher Gründen oder *zum Zwecke sozialer Arbeit erfolgen, ohne vpm geistigen Leben innerhalb der Logen zu wissen. OFährend er es als eines der vornehmsten Ziele der Logen anerkennt, „die dem Judentum entgleitenden Massen jüdischen und allgemeinhumanen Gedanken wieder zv zuführen“, bestreitet er der Loge die Fähigkeit, diese Ideen in die Tat umzusetzen, da sie keine erzieherische Wirkung auf ihre Mitglieder auszirüben, also keine Gesinnungspflege zu treiben vermöchte. Auch die Form sozialer Logenarbeit scheint ihm demzufolge stv mpf - behäbiges Almosengeben, kein Wohltun aus sittlicher Verpflic^- tur, sorgt für einen regen geistigen Blutumlauf in seinen Adern, für stete Erneuerung der Säfte und Kräfte, von denen sein Leben ahhängt. Sie stattet seinereligiösen Führer und Erzieher mit dem Rüstzeug aus, dessen sie für ihre Aufgabe bedürfen, liefert ihnen den Stoff für Lehre und Unterricht und ergründet den Geist, der beide durchdringen soll. Sie erhellt die 1 ergangenheit der Juden, beleuchtet den Inhalt ihres Schrifttums; sie hebt damit .das Selbstbewußtsehl des Juden und das Ansehen des Judentums unter den Nichtjuden, sie schärft die Waffen für Abwehr und Verteidigung. Ihr Einfluß durchdringt das jüdische Leben, durch rpannigfache Kanäle fließt der Erfolg ihrer Arbeit dem Einzelnen zu. Wer aber ist sich der Quelle bewußt? Wer sorgt dafür, daß sie nicht versiegt, daß ihre Kraft erhalten bleibt? Anderwärts übernimmt der Staat diese Aufgabe. Uns Juden versagt er seine Mitwirkung, liier hat unsere Gleichberechtigung eine Lücke. Aber darum haben wir doch unser Geistesleben nip verkümmern lassen, es war stets Stolz und Streben, der Juden, die Lehre zu pflegen,, ihre Pflanzstätten zu stützen. Und heute in der Notzeit bedürfen wir ihrer Hilfe erst recht, sind doch, um-mit Goethe zu schließen, Vernunft und Wissenschaft Des Menschen allerhöchste Kraft! tung zu sein. Aus dieser mangelnden Kenntnis der Loge und ihrer Arbeit heraus hält er es für die Hauptaufgabe der Loge der Jugend gegenüber, die kämpfende Jugend, auch die Nichtlogenjugend, als -Trägerin des Werdenden — gegenüber der Loge als Ausdruck des Bestehenden —: in ihren Bestrebungen zu unterstützen. Hans Lamm, München, bedauert es demgegenüber^ offen, daß die Jugend zu wenig über das wahre Wesen der Logenarbeit unterrichtet ist und, äußert den lebhaften Wunsch nach Abbau äußerer "Logenformen und Vermittlung des geistigen Gehaltes an die Jugend, die auch gern bei der sozialen Arbeit ein eigenes Tätigkeitsfeld erhalten möchte. Diesen beiden Auffassungen entgegen, die die Diskrepanz zwischen den Wünschen der Jugend und den durch die Loge gebotenen Möglichkeiten -vorwiegend in der verschiedenen Form der Arbeit sehen, ist Betty Lewy, Stettin, der Ansicht, daß „zwischen dem Begriff der Loge und dem jugendlichen Wesen schlechthin“ grundlegende Unterschiede" bestehen, die eine fruchtbringende Heranziehung der Jugend zur Logenarbeit unmöglich machen. Das Logenideal des Strebens. nach Harmonie, des Dienstes an den großen Ideen sei für die heutige Jugend unvereinbar mit dem stark erdge^undenen und dynamischen Zeitcharakter, in dessen Dienst sich die strebende und ringende Jugend stelle. Die vier anderen Aufsätze setzen sich mit der Frage auseinander, ob die heutige jüdische Jugend „politisch“ sein soll, eine Frage, die durch die besondere Stellung 58