Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1932
- Issue
- Nr. 4 - Mai (5.1932)
- Date
- 1932-05-01
- Page
- Seite 46 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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rle Aus den frühen Frankfurter Tagen mag manches Vorurteil gegen die damalige Goethe sich festgesetzt haben. Jenes \ oru heraus er sich — in >eineni Gespräch mit am 23. Sept. 1812 — entsetzt hei dem Gedank ..eine Jüdin Oberhofmeisterin" werden. Aus Vorurteil lehnt er sich gegen den Gedanken df)r Einsegnung einer Mischehe auf. freilich auch Judenheit in I. aus dem F. v. Müller n. es könnte lern gleichen kirchlichen Die Verbundenheit mit der Bibel führt wunderung des bibelschöpfersche'n \ olks" w Dichter, der das Hohe’Lied geschaffen". Er stündlichen Studien, dem Zug der Juden dn nach und plant den Versuch einer Geschichte \ olkes. Den Tempel Salomonis zeichnet er an Forschungen nach. hn zur ..Bete ..für den iirt. irt unidie W iiste des jüdischen «P r< h Wie die Bibel, so bringt ihn auch die \ er rautheit mit seinem ..heiligen Spinoza", den er ..verehrend liebt", in Beziehung zum Judentum. Diesen seinen Spinota verteidigt er auch gegen Moses M e n d e I s s o.h n . der vom Standpunkt seiner Glauhensiiherzeuguiig. ein Spiuoz i-Gegner ist. Goethe »endet sich darum gegen Mendelssohn, den er aber auch in dieser Polemik ..einen unserer würdigsten Männer" nennt. Die Beziehungen zu Mendelssohn, den Goethe erst . hoch verehrte. und zu seinem Hause, litten sehr durch Mendelssohns Freundschaft mit Nikolai, den, Wertherl’arodi'ten (Werthers Freuden), dein Mann, den'Goethe am tiefsten hallte, und denFer in einem Vers wohl das Gröbste sagte, was je gedichtet und gedruckt worden ist. Immerhin, w ährten die freundlfchen Beziehungen for . Abraham Hand Seiner Mendelssohn besuchte Goethe in Weimar und war der eigentliche Stifter der Freundschaft zwischen Zelt'er — dem Lehrer seines Sohnes Felix is— und Goethe. Felix Mendelssohn besuchte Goethe, mit Zelter, mehrmals in Weimar, und Goethe hörte seinem Klavierspiel gern zu. ,.Du bist nieiu David", sagte öhm Goethe. ,.kointn oft. mich zu erheitern. Ich werde nicht, wie Saul den Speer nach Dir werfen." Goethe widmet ihm auch den bekannten Stammbuch-Vers: „Ein Talent, das jedem frommt . . ." Als Goethe mit dem Herzog Karl August nach Berlin reiste, da stand auf dem Programm für den kurzen Aufenthalt der Besuch bei Mendelssohn, Die Feindseligkeit seines Frankfurter Landsmannes Börne, der in Goethe den ..Fürstendiener", den Reaktionär sah und bekämpfte, hat Goethe geärgert, aber nicht verbittert. Als Leiter des Hoftheaters in Weimar hat 'Goethe niemals die Aufführung eines Stückes geduldet, in dem ein Jude verspottet wurde. ' Er schrieb: ,.Es ist schändlich, eine Nation, die so ausgezeichnete Talente in Kunst und Wissenschaft aufzitweisen hat. gleichsam an den Pranger zu stellen." » Als Kernsatz von Goethes t berzeugung darf man das W ort ansehen, das er in einer Äußerung über Lessings ...Nathan" schrieb: ..Möge das darin ausgesprochene göttliche D.u I d ii u g s g e f ii h I der Nation heilig und wert bleiben." I. L a n d a u. Goethe-Worte und Goethe ■ j . Erinnerungen ..Der Frohsinn ist, so wie im Leben, also auch in Kunst und W isseiischaft der beste Schutz- und H ilfs|iatron.“ An Döbereiner, lü. JUL 1812. „Nur bei verwiekeJten. mißlichen Fällen erkennt der Mon-ch.1 wa» in ihm steckt." An Kestnej- (1773i. 1 * ..Der Mensch, der Gewalt über sich selbst I at und behauptet. leistet das Schwerste und Größte." Mit S. ßoisserck-< 18I.>i. ..Der Zweck de» Lehens i»t das Leben selbs An Meyer, 8. II. 17%. ..K» i-t unglaublich, wieviel der Geist zur Er laltung des Körper» vermag . . . Der Geist muß nur d;m Körper nicht naehgehen." Mit Eckerinajin, 21. II. 1830. Goethe in Gesellschaft 'Goet|ie fühlt sich recht wohl bei mjr i nd kommt echt oft; fch habe einen eigenen Tisch mit Zeichenmaterialien für ihn in eine Ecke gestellt. Wenn er Lust hat, tuscht er aus dem Kopfe kleine I,andschaften, leicht -hingeworfeh, nur skizziert, aber lebend tuid wahr, wie .er seihst, lind alles, was er macht. Er ist, wenn er kommt, immer ein wenig stumm und auf eine Art immer verlegen. Ins er die Gesellschaft recht angesehen hat, um zu wissen, wer da ist. Er setzt sich dann immer dicht neben mich, etwas zurück, so daß er sich auf die Lehne ■von meinem Stuhl stützen kann; ich fange dann zuerst ein Gespräch an, dann wird er lebendig und Unbeschreiblich liebenswürdig. Er ist das vollkommenste Wesen, das ich kenne, auch im Äußeren; eine hohe, schöne Gestalt, die sich sehr gerade hält, sehr sorgfältig gekleidet, immer schwarz oder ganz dunkelblau, die Haare recht geschmackvoll frisiert . und gepudert, wie es seinem Alter ziemt, und ein gar prächtiges Gesicht mit zwei klaren lirauneii Augen, die mild und durchdringend zugleich sind. Wenn er spricht, verschönert er sich unglaublich; ich kann ihn dann nicht genug ansehen. Er spricht. von allem mit, erzählt initiier zwischendurch kleine Anekdoten, drückt niemand durch seine Größe. Er ist anspruchslos wie ein Kind; cd ist unmöglich, nicht Zutrauen zu ihm zu fassen, jvenn er mit einem spricht: und doch imponiert er alldn, ohne es zu wollen. j , Johanna S c h o p e n h a u e r, j 1806. 46