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Der Orden Bne Briss · 1932-05-01 · Nr. 4 - Mai (5.1932) · p. Seite 45

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1932
Issue
Nr. 4 - Mai (5.1932)
Date
1932-05-01
Page
Seite 45 (sequence 5)
Language
German
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// Goethe und - -?f' — „Goethe als ...4 G< und Wie die bisherigen Nummern in diesem Jahrgang dartun, lassen wir im Goethejalir möglichst Goethe selbst zu uns sprechen. Außer dem zusammenfasa^nden Aufsatz der Januar- Nummer haben wlf nur noch Bruder Chefredakteur I. Landau gebeten, auf Grund der reichen Erfahrungen eines langen Lebens uns über Goethe einige; Ausführungen zugrhen zu lassen. Wir geben sie unseren Lesern zur Kenntnis. So fangen hunderte und abei^iunderte von gelehrten oder belehrenden Aufsätzen an, di* in den Zeitungen, den Jochen- und Monatsschriften aller Länder erscheinen. Nehmen doch alle Völker einen Mitbesitz an Goethe in Anspruch, wie er selbst sich den ganzen Kulturwelt zugehörig und verbunden fühlte- Alle Reiche und Provinzen des geistigen Schaffens wählen ihn zu den ihren. Da wird Goethe als Bühnenleiter gezeigt, dort wird er als Naturforscher vorgeführt,! als Staatsmann!}, als Philosoph, als Geologe. In seinem Verhältnis zum Glauben im Allgemeinen und zur Unsterblichkeit im Besonderen beleuchtet ihn der neueste Band der Schriften unserer Goethe-Gesellschaft. Und wie vielerlei Abhandlungen,! Vorträge, Studien, befassen sich mit seinem Verhältnis! zu Staat ünd Volk, zu Technik und Verkehr, zur Malerei und Tonkunst, zur Mathematik, Osteologie, Optik und, was nicht noch alles für Gebiete des Wissenil und der Forschung. Kennt doch die Ruhmeshalle der Großen und Grüßten in unserer Kulturgeschichte kaum eine andere Persönlichkeit von gleicher Mannigfaltigkeit der Interessen uni Schaffensgebiete. Da wäre es denn befremdlich^ wenn nicht auch das Kapitel „G oethe und die Jude n'V behandelt worden wäre. Es ist denn auch wirklich sehr viel, fast übertrieben viel, behandelt worden. Aber nicht immer ist dabei das Kennzeichnende, das Besondere im Verhalte!) Goethe’s zur Judenfrage hervorgetreten. j| Man hat es zumeist unternommen, die Aeußerungen Goethe's über das Judentum aus'seinen Werkelt herauszuklauben. Gewiß ein nützliches, ein verdienstliches Beginnen. Aber doch auch kein unbedenkliches, Romain Rolland, der, wie mit Beethoven, nun auch mit Goethe aus Kenntnis und Verständnis heraus sich befaßt hat, sagt in seiner neuen Goethe-Studie „Stirb und Werde“: „Män kann sich Goethe's bedienen, um eine These zu verteidigen. Man könnte aber ebenso gut die entgegengesetzte These mit ihm stützen. Goethe brachte die Schreibtischmenschen zu wahrer Bestürzung, welche glaubten, sie könnten ihn auf den Satz festlegen, den er gferade aufgestellt hatte. Er hielt sich aber an keine seiner Schlußfolgerungen gebunden. Er urteilte, widerrief sein Urteil mit aller Unbekümmertheit und durcheilte die ganze Stufenleiter der verschiedenen Gesichtspunkte.“ Es ist wahr, Goethe hat von dir Judenheit wie von einzelnen jüdischen Persönlichkeiten oft groß gedacht und mit hoher Anerkennung gesprochen,Aber zu Zeiten treffen wir ihn auch in anderer Laune. „Auch der Teufel kann sich auf die Schrift berufen“, sagt Shakespeare. Warum nicht der Antisemit auf die Schriften, auf Goethe’s Schriften? Wie sollte der Patriziersohn aus Frankfurt, der in jeder Phase seines zweiundachtzigjährigen Lebens irgendwie immer wieder mit den verschiedensten jüdischen Pronicht auch, jb nach Auffassung und Stimmung, in verseil iedener Art zu ‘ihnen Stellung genommen haben? e Bände weist die Jubiläumsausgabe auf. An 16QOO Briefe dieses korreschters sind erhalten und in fünfzig Vierzig stattlich von Goethe's Werke pondenzfreudigen Dj ein sehr heftiges Wart Besonders wunderlich, luf das „Jahrmarkliest Bauden der ' Weimarischen Sophienlusgabe veröffentlicht. Zahllos sind die Belichte über Gespräche mit Goethe. Wlie sollte er in all diesen Schrillten, zu all diesen verschiedenen Zeiten und Gelegenheiten nicht auch verschieden gelaunt oder gesinnt, gewesen sein? Wer aus einzelnen unfreundlichen Äußerungen über nie Juden auf Antisemitismus schließen wollte, de müßte! zunächst! unsere großen Propheten, die so oft in leidenschaftliche Klagen und Anklag-n, in Drohungen und düstere j Prophezeiungen ausbrachen, ’ür — Judenfeinde hallen! Oder gab ei je einen noch so zärtlichen Vater, der nicht gelegentlich gegen sein Kind gebraucht'hättq? wenn die Judenge gnerachaft sic voll Plundersweilem“ beruft. Wem;, }ler Obejrabiner ei ier orthodoxen Gemein le ein Es-t her ipiel schriebe, müßte er dem Haman au :h antisemitische Redentj^u den Mi nd legen. 1 '! . /| Aus einem norh so unfreundlichen Wort Goethes ist nicht auf grundsätz iche Feiridselikkt it'zu schließen, Wie wir andrerseits aus den yielen Freund|iclien Äußerungen keil eswegs das Recht horleiten, ihn als grundsätzlichen Judenfreund in Anspruth zu,rebmen! Goethes Verhältnis zu jüdischen Problemen ist ai s s e i h e r Zeit-, aus den d a ■ maligen Zustänc en in der Juden lieit, und aus wechselnden persönlichen Beziehungen zu ei klären. Vor-allem tus seinem Charakter. Die wesentlichste Besomlerhei Merkmal von Goet les Verhältnis daß er sich mit ihnen sein ganzje allen Phasen seines zu beschäftigen hat Den frühgeweckten, w i das charakteristische < jüdischen Fragen s L e b e n hindurch, reichbewegten: S:hicksals, immer wiep 2 1 ist, in Ier tißb.egiet-iiien Knaben schon reizt und lockt es, die Judengasne kennen zu lernen, in der, nitch abgesondert, der Segnungen der Emanzipation' und des Mitbesitzes am allgemeinen Kulturgut nach nicht teilhaft, |die Juden unter sich Bethaus zu sehen, lebten. Hier siudit er Gelegenheit, das einer Trauung! bfizu wohnen. Allzu anmutend können auf das 1 schönheitsdurstiges haben. Dennoch Aufnahme, die er zugeneigtes Intereise wenlet sich; „Judendeutsch“ zu herrschte. Bei diesem Bemühen j itößt er auf die Wahrnehmung, daß das JudendeütSch — er hat'es darin sc jon weit genug gebracht, um eine ganze Predigt itt'diesem Id om niederzuschreiben — mit hebräischen Elementen durchsetzt ist. Darum bittet er den Vater jim die Erlaubnis* hebräischen Unterricht cu nehmen. D^t Vater bringt ihn denn wegs gefallen.“ Er plagt Dichtung. Hier keimt gefaßte aber doch Epos. Gemüt, diese. Bilder kaum gew rkt geden it er düikbar der freündlic lien da gefunden, ji ein allen Sprachstudien das damals in der Judengasse noch rordes K ostergym lasiums, zu dem etwas erwöhnte Patrizierkind, auf nein auch dem Erlernen des auch zum Rektor wunderlichen, grün dgelehr :en Doktor Albrecht. Abend Abend pilgert nun Seine damalige Sti Klage des Schülers der junge Goeth« in das düstere Kloster, mmung hören- Wpr noch heraus aus |der im „Faust“: j „In diesen Müuern, diesen Hallen, will es mir keihes .sich, redlich mit dem frem len Wortschatz der Bibel, und die unbewohnten Vokalzeiclen machen ihm Schwj erigkeiten. Aber hier legt er doch len Grund zu seiner innigen Vertrautheit mit der Bibel, einer Verbundenheit, die entsteht der Plan ten, vielumstrittem für ihn durchs ganz; Leben begleitet. I ier zu der vor wetjii; Jahren wiederentdi ckn abfr offenbar doch echten Josep hauch sjclion der später ernstlich nicht aisgeführti; Plan z|i einem Mon< 45

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