Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1932
- Issue
- Nr. 2 - Februar/März (2.1932)
- Date
- 1932-02-01
- Page
- Seite 15 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Fälle trag die weite Verbreitung des Zwei- und Einkindersystems, das sich bei den | großstädtischen und in guter sozialer Lage lebenden -Westjuden schon früh durchsetzte*), zur Steigerung dfr Verzärtelung bei. Wir "betrachten zunächst diV Verzärtelung des indischen Kindes von ihrer emotionalen Seite. Jedes Kind braucht ein notwendiges Maß von Zärtlichkeit, mag sic sich nun äußern im Kuß, in der Umarmung, in einem liebevollen Streicheln oder auch nur in einem freund- ' I liehen Blick. Infolge der Treihjhauswärme, die in jüdischen Familien vielfach herrscht, ist der Kuß hei den , Juden die vorherrschende Äußerung der Zärtlichkeit. In der nichtjüdischen Familie sind solche Gefühlsäußerungen viel seltener. Die Eltern sind zurückhaltender und kühler dem Kind gegenüber. Das hängt sowohl vom Temperament als auch von der Struktur der Familie ah. Die leidenschaftlichere Zärtlichkeit jüdischer Eltern hat aber leicht eine gefährliche Wirkung. Es findet oft eine starke inzestuöse Bindung des Kindes an ein Eltemteil statt. Obwohl diese Frage noch einer gründlichen analytischen Untersuchung bedarf,j ist 'doch kaum zu bezweifeln, daß die Häufigkeit von Neurosen bei Juden eng mit dieser Übersteigerung der Zärtlichkeit zusammenhängt. Auch die Tatsache.] daß unter den Kindern überraschend viel Schwererziehbarc zu finden sind, muß schon in diesem Zusammenhang erwähnt werden. Außer im Übermaß der Zärtlichkeit tritt die Verzärtelung in mancherlei Äußerungen des praktischen Lehens zutage. Es ist bekannt, daß Juden viel schneller bereit sind, ärztliche Hilfe für| ihre, Kinder (wie auch für sich selber) in Anspruch zui nehmen als Nichtjuden. Diese Tatsache ist so auffallend, daß sie in Statistiken über Krankheiten hei Juden und Nichtiuden stets hervorgehoben wird. Man kann därin ein Zeichen höheren Verständnisses für sanitäre Kultpraufgaben erblicken. In Wirklichkeit ist das Verständnis hierfür hei den breiten Massen der Juden sehr gering, und es steht in keinem ‘ Verhältnis zu der Inanspruchnahme des Arztes bei kleinen und kleinsten Erkrankungen. Das gilt , aber auch * für die kultivierten Schichten! der jüdischen Bevölkerung, in denen der Hausarzt eine viel bedeutendere Rolle spielt als der Sportplatz. In der Schule wirkt sich diesd Art der Verzärtelung durch Häufung yon Versäumnissen des Schulbesuchs sowie dpreh Gesuche um Dispens von der Teilnahme an den Leibesübungen aus. Die Kinder freilich wehren sich oft gepug gegen die Verzärtelung, indem sie trotz elterlichen Verbots am Turnen, Schwimmen, Spiel und Sport tejlnehmen. In der übertriebenen Inanspruchnahme de* Arztes, in der Ängstlichkeit bei sportlichen Betätigungen der Kinder; in der Furcht vor ihrer Selbständigkeit auf der Straße wie überhaupt vor jeder Selbständigkeit; in dem dreifachen Wall von Ängstlichkeit, mit dem viele jüdische Kinder auf Schritt und Tritt umgeben jverden — in all’ diesem äußert sich der Bratrettungsinstinkt ihrer Eltern. m. Das Kind hat zwei Möglichkeiten des Verhaltens gegenüber den Angriffen auf seine Ur abhingigkeit. Oft genug begibt es sich in die Opposition. Das hängt von Einflüssen außerhäuslicher'Umgebung ab: Straße und Spielplatz, Schule, Klassengen leinschaf: und Bund. Die Opposition ist im Falle der Verzärtelung die günstigste und erwünschteste Haltung. AurCh sie wird des Kindes Aktivität erregt. Der Wunsch, es anderen glcichzutun, die Furcht, von ihnen als Schwächling und Feigling angesehen zu werden, erwecken und fördern in'solchen Kindern den Willen zu selbständigen! Tun. In vielen Fällen hat aber diV( Ven ärte nng'zu völliger Entmutigung geführt. Solche Kinder, lie keine Bewegung allein zu tun wagen. Tn ihrer Hand wird’ die Verzä rtelung zu einer Waffe, die sich gegen die Eltern kennt jeder richtet;. Man zur Genüge. iveiß, wie einzige *) „Die Gehurt lnt bei allen Konfessionen aheenommen, bei den beiden ehr-stlichen ohne wesentlirben' Unterschied, aber sehr viel stfirker bei den Juden.“ Zeitschrift def preußischen Statistik 1928). 7 , . i ■. so außerordentlich viel „schluckte Es« er“; gibt. 1 (das bedeutet fast .immer sehr Verzärtelte) Kinder die Mutter tyrannisieren. Solchen Kindern fehlt der Erfolg auf der „nützlichen Seite des Lehens“ (Alfred Adler), darum suchen sie ihn auf der unfiützli eher. Die Mutter, die immer um die Gesundheit des Kindes besorgt ist, wird dessen Willen dgdurcli gefügig gern icht, daß es krank wird, sobald es etw is erreicl len will.! Es hat einige Male erfahren, tjlaß Krankheit eine Situati on darstellt, in der es leicht ist, seiten]Will«in bei deij Eltern durchzusetzen. So benutzt es die Krankheit als Mittel seines Geltungsstrebens; Wir sind beute über (manche* Wechselbeziehungen zwischen Körpt rfuißctionVn und seelischem Apparat unterrichtet i|nd es braucht kaum zu. überraschen, wenn gesagt wiyd. daß ein' verzärteltes Kind sehr wohl imstande ist, f^icJh seine ztjr Errjeichung einer Absicht nötige erhöhte T enjiperat ur zu „bestellen“, überflüssig zu betonen, daß es sich d; bei; nicht um bewußte Ziele und um bewußt; Anwendung der Krankheit handelt. * Wir . haben im vorigen g( sehen; v ie das Kind die Schwächen der Eltern dazu benutzt, un seinen Geltungsdrang durchzusetzen. Oft lernen! wir eist durch das Verhalten des Kindes den Grad dejr Verzärtelung kennen, die stattgefunden hat, was w chtig is: ip Fällen, wo Eltern sich einer übeimäßigen Verzärtelung nicht bewußt sind.. Man mu£l allerdings einrn Blick für die außerordentliche Intelligenz haben, mit der die Kleinen und Kleinsten ihre Olfensive zur Durchführung ihres Geltungsstrebens führen, tun festzust«llen, an welcher •Stelle die Verzärtelung sich auswijrkte. Daß die Krankheitsangst der jüdischen Eltern—; ein Teil des Bratrettungsinstinktes — solch ein Punkt; geringsten j Widerstandes ist, an dem die kindliche Offensive erfolgreich beginnen kann, haben wir bereits erfahren. Eitie ähnlich gefährdete Stellung ist die Nahnnigsaufnahmeangst bei jüdischen Müttern. Man fjagt von jjuden, daß sie eine gute Küche besonders zu ^chätzen wüßten.; Wenn das zuträfe, sq wäre dämit ejr e Erklärung gefunden für die auffallende Tatsache, daß ejs bei jüdischen Kindern 15