Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1932
- Issue
- Nr. 1 - Januar (1.1932)
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/6727475-6029206-6074861--2742-4869322- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ik, sein inneres Leben 'odukt sozusagen des Gunsten des Massenkt- und Willensinlialt wodurch der bestmög- Bücherschau. | I; Werfel „Realismjus und Innerlichkeit"*) Von Max Solomon-Frankfurt a. M.! Werfels tiefgründige und feinsinnige Ausführungen verdienen es, an dieser IStelle gewürdigt und einem auf Innerlichkeit begründeten! Kreis nähergebradht zu werden. : i Es ist bedauerlich, wenn W. an einer Stelle geg^n den Vorwurf der Utepisterei sich energisch zur Wehr zu setzen sich gezwungen sieht. Muß er das,iyrenp er nichts anderes als die Quellen unserer geistigen und seelischen Existenz in einer ihm passenden Form' aufzuzeigen sich bemüht? Ist unser Leben wirklich schon so stark in die engen Fesseln einer reinen Sachlichkeit eingespanntj daß jeder Versuch, die Krise der Zeit von innen her zu deuten, als Utopie und überspannte Ideologie angesehen werpen darf? Zwar ist, um mit Thomas M/mn zu reden (deutsche Ansprache) die „Zeit des rein ästhetischen Idealismus irorbei“. Aber darum! ist „die Kunst des Nutzlos-Schönen noch kein individuali* stischer Müßiggang“, und ein Dichten darf gehört werden, wenn er aus den Bezirken seines künstlerischen Schaffens heraustritt, um zu zeigen, was trotz jallem und über alles hinaus sich als das Ewig-Beständige jerweist: Der Mansch, seine Innerlichkeit, seine von innen i|m gesetzte Berufung. W. stellt fest: Wir leben im Zejtalter des radikalen Realismus, als dessen extreme Exponenten Rußland und Amerika auftreten. In Rußland erscheint der Mensch ..als das Produkt der ökonomischen Dynan ist völlig determiniert, ein Abfallsp wirtschaftlichen Chemismus . 1 ' Zu bewußtseins wird der individuelle Aff herabgeschraubt sein wie eine Lampe, liehe irdische Glückzustand gewährlei itet ist.“ Die Lebensauffassung des modernen Amerika lindet nach W. ihren treffenden Ausdruck in der Lehre des Dr. Watson, dem Behaviorismus, wonach der innere Mensch als reiner Hampelmann fungiert und das gesamte Dasein in einer extremen Versachlichung schematisiert erscheint.“ (Amerika-Rußland: •Identität scheinbar polarer Gegensätzlichkeit. Politisch hoch bedeutsames Problem.) W. kommt dann auf Grund von feinsinnigen Überlegungen zu dem Ergebnis, daß dieser sogedannte moderne Realismus in. keiner Weise mit dem identisch ist, was die Wissenschaft im allgemeinsten Kultursinn unter „Realismus“ versteht. Die wissenschaftliche Definition faßt ihn als „unmittelbares Verhältnis zu den Dinget des Lebens, die vorurteilsloseste Art der Beziehung zur I^atur ...-.“ Der extreme Realismus mit seiner konsequent du rchgeführten Versachlichung dürfte das gerade Gegenteil dessen sein, was nur irgendwie zur Natur in Beziehung ge letzt zu sein scheint. Nur andeutungsweise kann auf die Ursachen hingewiesen werden, aus denen nach Werfels Meinung diese exaktreale Lebenshaltung erwachsen sein dürfte. Einmal ist es eine psychologische oder besser meta physische Erscheinung: . Der luziferisch-prometheische Versuch „Das Jetzt und Hier Gott gegenüber autonom zu machend. (Mit anderen'Wor* ten: Tendenz, die Sachwerte und die materielle Existenz gegenüber dem IdeeH-Göttlichen zu verselbständigen.) Zweitens entspringt sie einer im Histörchen begründeten Erscheinung: den invertierten Minderwjertigkeitsgefühlen“ von Völkern und Klassen^ die über höherstehende obsiegen und ihre innere Überlegenheit mit besonders betonten Realitäten irgend welcher Art zu kompensieren versuchen. Von hier gesehen ist die französische Revolution die- Geburtsstunde der neuen Realgesinnung. ('Typ des aufstrebenden *) Werfel: Realismus und Innerlidrk :it. Paul Zsolnav Verlag. Bürgers [ohne Bindung an Werte’ de ‘ Vergangenheit] nsit dem neuen Ideal „der Arbeit“ jind dtlf^aus iht» abgeleite ten Tugenden!) Der Todfeind dieses radikalen Realismus ist und bleibt die menschliche Seele. („Ohne Innerlichkeit gibt es kein: äußere Welt, ohne Phantasie keine Realität.“). j!)er Mensch bleibt trotz alledem nas Maß aller Dinge. In jedem einzelnen lebt unversehrt ein Stück Menschlichkeit ( lach W. ist nur der musische Mensch berufen, aus dem Chi os und der Krise der Zeit hinauszuführen in ei le auf Me ischlichke it und Menschsein aufgebaute Zukunft) W. glaubt thit Inbrunst an die kommende .Revoluti« n des Geistes und der Seele. „Der technische For schritt ui d die kommende Arbeitsverkürzung sind die Po e, die dun Strom der neuen Revolution erzeug« n“ . (Ausschaltung des seelischen Elementes bei der Arbeit und Freiwerden der seelischen Kräfte in der Zleit des ’P ichtbeschäf iigtseins als schärfste Feinde deheutigen Wirts« haftsordnui |g). Die deutsche Kultur ist nach W.. berufen, menden Revolution Rolle zu spielen, du sie immer noch an Innerlichkeit auFzuweispn in der n der komdes Geistes und der Seele ei te führen den größte * Reichtum Lage ist. i [ Der Große Brockhau»< Handbuch des Wissens in zwanzig Bänden. Fiinfzehntje, völlig neübe'arbeite|te Aufl ige von Brockhaus' Kopversatior slexikon. Achter Band H—Hz. — F. A. Blockhaus,- Leipzig 193Ij. „Handbuch des Wisseais“ nennt sich heut gescheite 'was sich einst etwas feierllcli-umstä idlich im fru^dwörtolnden und leicht verschwommenen Stil der Groß räter „S onversationslexikon“ nannte] Die aufs Sachliche jgericb ete Bescheidenheit des Untertitels tut dem Eindruck der!1'er vollbrachten Leistung keinen Abbruch. Man eripnert sich, ert staunend und bekloipmen ' vor imutendei l ‘ Bemühen stand, den Wissens tu wälzen. Heut steht dieser. Erscheinung tiihler und kritischer gegenüber — aber das Enzyklopädist hi, Universelle des Unternehmens, ciese riesige Zusammenfassung von Kräften, Tatsachen, Ergebnissen nötigt hoch immer Ach ung daß man in jungen Jahr«] diesem fast gigantisch ag Ossa auf den Pelipn des, man, wie allen, sp auch und selbst Bewunderung ab. Daß unsere Altvorderen vor uns voraughatten Sinne „sachlicher? geworden sind, •lei des Titels. Solches mehr als ein b schlagewerk, das sation abkürzende und man so will, Tragische, aber auch ein zweites Aufg«bot vor zialisten. Man kann nur Stichpn das Großartige und Posi tive alles menschlichen’Geistesstr« bens. Auch hier; liegt ja eine „völlig umg« arbeite! e“ Auflage vor. -— Man kann sulche Handbücher natürlich nicht! in Zusammenhänge lesen. Nur der Polyhistor oder de]’ paive Dilettant vermöchte das. umfassend b e s ]i-r ec h|en herausgreifen, sich mit Befriedigung und Belehrung, i i die Sonder-Abschnitt«: verserken, die sich oft zu kleinen Abhandlungen auswuchsen. Man wird sich in diesem uotli :gen* den achten Band gediegener, aufschlußreicher Arbeit fr :uen. de wir —: trotz ajllem, was doph lim g iten beweist eben jeper 1 Pan- Handbu -h des Wissels“1 ist weit oßes „ Konversationslexikon“, ein P achdem phitten Alltagsverkehr, d< r |,,Koi iverrder Versorgung mit Gesprächsstoff dien:. : Km ppe, verdichtende Or entierung zumal au! abseitigen, weit au»:inandei liegenden Gebieten wird marn hem in manchen Lebens- und Geistes!« gen nötig und |nüttlich sein. Extrakte, Wesentlic ikeiten d;r Kenntnis uöd Erk “nntnis schließen sich hier eu einem Panorama menschlichen Welterlebens, Welterforsohens zus Immen. Und da i alle Erkenntnis nur vorläufig ist, muß dieses Bild immer wieder in entscheidenden Zügen a igeändert, dem jeweiligen Stande der Erkenntnis angepaßt üerden. Das ist das, Jvenn Man hann.sie auch-niphi gut — drzu gehörte ja wiederum Einzelkräften, Fachmännern, oben machen, Einzelnes Spe- 9