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Der Orden Bne Briss · 1931-12-01 · Nr. 11 - Dezember · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1931
Issue
Nr. 11 - Dezember
Date
1931-12-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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haben. Wäre nur das Kjundenverhältnis der Staaten untereinander maßgebend, so hätte der letzte Krieg zwischen Deutschland unid England nicht ausbrechcu können. Viel ernster zu nehmen seien, die Bestrebungen des Rcchtspazifismus. Er verlangt systematische Wöltabrüstung zu Wasserj und zu Lund und Beilegung zwischenstaatlicher Konflikte durch den Spruch eines obersten übernationalen [Gerichtshofes. Seiner ganzen Einstellung nach kafru Scheler an den Erfolg .dieses auch von Kant vorgeschlagenen Weges zur Pazifizierung der Welt nijeht glauben. Es sei eine Utopie aufklärerischer Schwärmer zu meinen, daß eine Idee, etwa die des rleinen Rechtsgedankens, von sich aus die Macht habe, die Menschen zu sich zu bekehren. Nur in Verbrüderung mit der Dämonie des menschlichen Trieblebenf könnten Ideen wirksum werden. Die Leitsätze einjes Wilson allein würden bestimmt die Welt nicht für; den Frieden gewinnen. Der Genfer Völkerbund sei erjst recht zur Ohninucht verurteilt. Einmal, weil in jihm noch lange nifcht alle Völker vereinigt sind, abpr vor allem auch, weil er über durchaus unzureichende Machtmittel verfüge, um seinem Richterspruch I Anerkennung und Achtung unter den Staaten zu verschaffen. Von des Gcdankejns Blässe angekränkelt sei auch der K u 1 t U r p a z i f i s m u s. Er will durch Zusammenschluß der ^Geistigender Welte, durch Aufklärung über die wahren Ursachen des Krieges dem Friedensgedanken dienen. So wichtig diese Arbeit ist, ans Ziel werde sie kaum führen. Denn nicht intellektuelles1 Wissen bewege unser Leben und Händeln, sondern der gewaltige Trieb des I ebens und Werteinsicht. I Die Bewältigung gemeinsamer Aufgaben bringe uns weiter als das ewige Reden über die uns abgetragenen Pflichten. Bleiben zwei Arten des Pazifismus, die sich auszuschließen scheinen. Da ist auf'der einen Süfeite der i hi p e r i a 1 i s t i - sehe W e 11 r e i c h spaz: fismus. Er wird vor allein von der »großbürgerlichen• Internationale der Welt propagiert. Die kapitalistisch orientierten Siegerstaaten wissen, daß sie be| einem neuen Krieg mehr zu verlieren als zu gewinnen haben. Sie sind deshalb' nicht abgeneigt, einem Stüat, der an sich schon ein sehr großes und gesichertes Reich besitzt, alle Macht zu übertragen, um das »Gleichgewicht der Welte in Ordnung zu halten. Solchfc Weltreichsbildüngen sind ja in der Geschichte des öfteren zustande gekommen: Alexander, Rom, Napoleon. In unserer Zeit käme vor allem für diese Aufgabe England in Frage. Aber genaue Nachprüfung müss^ zugeben, daß heute auch seine Macht, so hoch inaln sie jm einzelnen einschätzen mag, bei'weiten! nicht aüsreiche, um die Welt in Schach zu halten. Dem Imperialismus, gegenüber steht der sozialistische Pazifismus. Die Stellungnahme des »Marxismus* zum Krieg«ist nicht einheitlich. Sozialisten haben in den verschiedensten Volksvertretungen für den letzten Krieg gsstimmt. Andere Teile des Proletariats sind, überzeugte Anhänger des entschiedensten Friedensstandpunktes. Der Kommunismus russischer Prägung ist zwar für den Krieg, nicht für den Nationalkrieg, sondern lediglich für den Weltrevolutionskrieg. Diefce militante Spielart des Marxismus darf aber Jiber die Tatsache nicht hinwegtäuschen, daß der Sozialismus ah sich pazifis isch'ist: Er hofft den »Ewigen Fried;n« durch Sozia isierUng der Staaten nach Durchführung der-. Wehrt volution herbeiführen zu künden. Ob zwar der Fr ede auf einem »Meer von Bluts erreicht werden könne;?sei eine mehr als fragliche Angelegenheit. Am relativ günstigsten beurteilt Scheler tien heroischen Pazifismus. Gemeint ist die lial ung der Kriegsdienstverweigerer, die »us.chrlithenGewis.sensbedenken sich zum Prinzip, des »Nichtwiderstehens gegen Gewalt* entschlossen haben. Das hat. mit Drückebergerei nichts! zu tun. Hier wird vielmehr nach dem ethisch hochstehenden Satz gehandelt: »Ich kann nicht, denn ich siqII nicht*. Entgegen 'dm pazifistischen Methoden, die mehr oder weniger rlle vom Standpunkt einer Interessen-Ideologie, diktiert sind, ist hier alles auf die ihnerlic ikoit der Ucbcf::eugung gestellt. Ernsthaft zu;nehme i wäre diese Bewegung aber wohl nur dann, Wenn sie diesen ihren Grundsatz des Xichtwiderstenens nicht nur auf dei“<Krieg, .sondern auf alle Gebiete des Lebens übertragen würde. Möglich ist das nur auf der Grundlage>ler buddhistischen Wgltboirachteng. Die..«Gefahr, daß Buddha von Europa akzeptiert wird, sei-aber sehr gering, die praktische Bedeutung des' Feldzuges der .Nichtgewalt gegen den Krieg daher auch vorläufig recht minimal. Es ist nur konsequent, w -nu Scheler auf Grund dieser eingehenden und wie inan wohl sagei muß, geistreichen Analyse der heu;igen Weltlage;:u dem Ergebnis kommt, daß nach seiner Meinung kein Mittel vorhanden ist. um (|en Weltfrieden in absehbarer Zeit herhei/uführen. Er betont aber ansdriickli?h. dal! er mit dieser Feststellung nie! t den Krieg empfohlen haben will. Er bezeichhet es als die erste Forderung der Stunde, daß die Jugend resolut mit allen romantischen Ideologien bricht und sich restlos Mir die Stabilisierung des Friedens in der W5I1 einset; t. Mit anderen Worten: Ausl dem früheren' Gesir nungsni i 1 i t a r i s.t e n ist ein überzeugter Ge?ii nungsp azifist geworden.-der, im' Hinblick rauf die'vielen' heute noch in der. Welt verbundenen politischen Pulverfässer den Instj-umeital militarismi s d. h. den Krieg als realpolitifcches Instrument zum /.«istrag noch nicht Es ist Scheler von Streitigkeiten unter den. Völker! glaubt ausschalten zu dürfen.. Und hier setzt unsdre' Kri ik ein. -I unbedingt zuzustimmenj wenn er nur an einen Frieden glaubt, sofern er aus einem Neubrut h der menschlichen Seele erwächst. Damit sollent ie Bestrebungen der pazifistischen Organisationen nicht gering geachtet werden. Aber alle Fri^denspaLte, die nur aus Xützlichkeits-, und nteressejigriindcn Zustandekommen. sind lediglich Scheinbüqdnisse, lie bei der nächsten »besten* Gelegenheit zusammen!) oclien. Xur der Mensch, der in sich salbst den] Friede » trägt und ihn in dem kleinstein Krei l, dem et1 zugelü rt, betätigt. kann verantwortungsbewußter Träger das ewigen Friedensreiches auf Erden werden. Der \ enscliheitsfriede läßt sich nickt machen, qr muß wachsen, -von innen,* her sich ientfaltan und] die Welt sich erobern. Weil dem ‘aber io ist, bedeutet die Friedensforderung ein viel positiveres sittlicles Erziehungsideal, als dies M«x Scheler wjahr haben will. 175 —

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