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Der Orden Bne Briss · 1931-12-01 · Nr. 11 - Dezember · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1931
Issue
Nr. 11 - Dezember
Date
1931-12-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Der von Friedrich Hegel, Heinrich von Treitschke und Friedrich Nietzsche inaugurierten Idee, daß der Krieg »erhaltene werden müsse, veil sonst die Menschheit ihr heroisches Ideal verlieren würde und einer Höherzüchtung nicht mehr fähig wäre, tritt Scheler jetzt mit aller Entschiedenheit und Energie entgegen. Ganz davon abgesehen, dal! man mit derselben Motivierung auch die Notwendigkeit von Räubern, die .uns ja huch Gelegenheit zur Jewährung unserer heroischen Tugenden geben, fort ern könne, sei es doch. mehr als zweifelhaft, ob der moderne Maschinenkrieg mit all seinen technischen Finessen überhaupt noch die Möglichkeit zur Entfaltung der sogenannten aktiven heldischen Tugenden biete. .Was aber noch viel ausschlaggebender ist: Wo steht denn geschrieben, daß der Kriegsheld ü »erhaupt das höchste Vorbild des Menschen sein muß? Ist der geräuschlose Heroismus des täglichen Lebens, der •'ich in der Bewältigung eines widrigen Daseins bewährt. nicht viel höhet cinzusehätzen? Das Genie des großen, kraftvollen Herzens stehe ohne Zweifel in der Wertordnung und in der Breite der. Wirkungsweise weit über dem kriegerischen Helden. Als ganz unsinnig wird der darwinistische Aufputz des Gesinnungsmilitarismus, der den Krieg als das notwendige Stahlbad der Völker : zwecks Höher Züchtung der menschlichen Art bezeichnet, verworfer. Energische Sozialpolitik . hinsichtlich der Wohnun fsverhältnisse und geregelter Arbeitszeit, gute Hygiene, Verbreitung eitgenetischer Gesinnung, Arbeitsdienstji ihr und Sport werden als vollwertiger . Ersatz für die allgemeine Dienstpflicht und als die beste biologische Kräftigung der \ölker anerkannt. Solch entschiedenes Abriicken \on jeglicher naturalistisch unterbauten Kriegsideologie will etwas bei einem Manne wie Max Scheler, der sich selbst in seinem Buch: .-Krieg und Aufbant (Verlag der Weißen Bücher, Leipzig 191») als Gesinnungsmilitaristen bezeichnete, besagen. . Gewichtiger sind die Einwendungen, die von den' Propagandisten des Krieges im. Namen das Kulturfortschrittes gemacht werden. Der Krieg, so sucht man von dieser Seite nachzuweistyi. hat.im Laufe der il getrennt, das Kriegs- Geschichte die Menschen mehr geeint Nicht nur das einzelne Volk wird' durch erlebnis in einer einzigartigen Wejse s usanunenge- 'fhweißt. Krieg und Gewalt haben erst die verschiede- ^jieu Stämme und Nationen zu immer ur ifassenderen Einheiten zusammeugebracht und damit d?n Raum für eine größte Kulturgemeinschaft gesell denke nur an das römische Imperium Verbreitung der antiken Kultur im Osten Griechenlands. Muß man von der Höhr 'chichtsphilosopliischen Warte aus den Kr iffen. Man xler an die und Westen solcher geeit nicht bejahen. als »einen Teil von jener Kraft. < ie stets das Böse will und stets das Gute schafft?- Scheler selbst hatte in seinen Kriegsbüchern ge lade den sittlichen Wert des Krieges für den einzelnen und für den Kulturfortschritt der Gesamtheit mit bestechenden Beispielen zu belegen versu 'ht. In seiner nachgelassenen Schrift hält er zwar tn der aufbauenden Kraft, die dem Krieg in der Vergangenheit bei der Bildung der Staaten zukam, fest, erklärt aber die Behauptung, nur der Krieg allein köi ne deshalb auch in aller Zukunft die Aufwärtsentwicklung der Menschheit dureh Zwang herbeiführen, für einen Fehlschluß! Was War, braucht nicht immer so zu bleiben. Die einmal entbundenen Anlagen des Men-* sehen zur Vergesellschaftung schwingen von sich aus weiter. Der Krieg als Geburtshelfer staatlichen und kulturellen Fortschritts mag seinen relativen Wert gehabt haben. Heute ist es anders geworden. »Die moderneren Volkskriege haben fast nur Kultur zerstört, bei Siegern und Besiegten, und die Kulturkräfte geschwächt«. Nur dort, wo wirkliche genossenschaftliche Einheitssehnsucht vorhanden ist, wo die Macht der Einheit die Menschen zusammentreibt, ist Staats- und Kulturgemeinschaft von Dauer. Die Einigungen, die nur auf »Blut und Eisen« gegründet sind, zerfallen früher oder später. An den gewaltigen Reichen der mongolischen Großfürsten und nicht zuletzt an dem Wrerk Napoleons kann die Wahrheit dieses Tatbestandes leicht nachgeprüft werden. . 'Die viel angewandte Ausrede, daß Krieg seih müsse, weil er in der »menschlichen Natur« begründet liege, lasse sich nicht aufrechterhalten. Die Entwicklungsgeschichte der Menschheit zeige vielmehr, daß der Herrschaftsstaat allmählich in einen Wohlfahrts- und Kulturstaat übergeht. Die Vergeistigung des. Machttriebes sei in der Welt nicht aufzuhalten. Der Weg gehe langsam, aber deutlich bemerkbar vom »Recht der Macht« zur »Macht des Rechts«. An Stelle von Herrschaft trete Führung. Damit sei dem Geistesprinzip der Völkerbefriedung eine dauerhafte Grundlage geschaffen. Die Tatsache, daß die Menschheit schon seit undenklichen Zeiten vom »Ewigen Frieden« träumt, Qhne diesen Gedanken bislang in die Wirklichkeit umgesetzt zu haben, sei an sich noch kein Gegenbeweis für die Durchführbarkeit dieser Idee. Es gibt ja eine Fülle von Forderungen, die man früher als unannehmbar bezeichnete, die sich dann allen Gewalten zum Trotz durchsetzten, z. B. die Aufhebung der Folter oder die Abschaffung der Sklaverei und Leibeigenschaft. Ist eben eine Idee in sich »gut«, so wirke sie fort und warte nur auf den gegebenen Zeitpunkt, um sich mit den tragenden Mächten der Welt zu verbinden, um sich zu realisieren." Die,Frage sei nur, ob Maßnahmen unsererseits ergriffen werden können,, um den Frieden innerhalb einer historisch absehbaren Zeit effektiv werden zu lassen? Scheler bespricht die typischen Hauptformen des heutigen Pazifismus und kommt zu einer durchgehenden Verneinung ihrer Wirkungsmüglichkeit in unserer Zeit. Von dem religiösen Pazifismus christlicher Prägung hält er nicht viel. Einmal, weil die' Anerkennung des Papstes als eines »politischen Weltenrichters i in unserer Zeit mehr als problematisch ist. Dann aber auch, weil die Einigung der evangelischen Religionsgemeinschaften, die ja seit der Konferenz von Stockholm sichtbarer? Form angenommen hut. der dogmatischen Streitigkeiten wegen noch lange auf sich warten lassen werde. . Als ganz abwegig bezeichnet er den okono: misch-liberalen Pazifismus der von der Vorstellung erfüllt ist, daß die menschliche Geschichte einem »Gleichgewicht der Interessent zustrebe. Der freie Handel allein, so glaubt man in diesen Kreisen, wird uns den Frieden bringen. Diese einseitig merkantilistische Einstellung vergißt nur, daß sehr oft ganz andere Ursachen, nämlich die Macht- und Herrschafts- und Prestige-Motive den Krieg herbeigeführt 174

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