Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1931
- Issue
- Nr. 10 - November
- Date
- 1931-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Lacretelle. I Silbermaan; II L'e Silbermann. Editions du Capitol, {Paris, Der Fortsetzung von Lacretelle's | »Silberinunn i, der >Retour de Silbermann« hat Rumjon Fernandcz eine ausgezeichnete literarische und menschliche Würdigung des Verfassers vorausgeschickt, die in meisterhafter Diktion dessen Bild vor uiis entstehen läßt. Der Satz, der im Anfang diesjer Biographie steht, scheint mir in knappster Formu icrung Wesen und Ziel seines künstlerischen Schuffens herauszustellen. Er lautet in deutscher Wicderpibe: Zweifellos besteht die Kunst Lacretelle's in einer diskreten, .doch immer wirkenden Art, die Kenntnis des Menschen schlechthin zu vertiefen. So sind denn auch seine Romane und Erzählungen der harmonische Ausdruck psychologischer Beobachtungen und Erkenntnisse. Im Grunde seines Schaffens läßt er sich von dem Bedürfnis nach letzter Wuhrheit und dem Drange, sie zu erkennen bestimmend beeinflussen. Die beiden der .heutigen Untersuchungen zugrunde liegenden Werke »Silbermann und lc Retour de Silhermunne spielen durchaus in jüdischem Milieu und erhalten ihr besonderes Gepräge durch die Tatsache, i daß der evangelische Verfasser in die Tiefen jüdischen Erlebens und jüdischen Leidens einzudringen sich bemüht. Er' ist bestrebt, der in Mittelpunkt stehenden Person des Silbcrmqnn keiiieswegs solche (’harakterzüge heiziilcgcn, die unabänd jrlich und un- - triiglich uls spezifisch jüdische im Sinn zu einseitiger, rassenmüßiger Formulierung zu werten wären. Diese Loslösung von allzu starken und starre n Bezogen heilen erhöht den menschlichen und künst erischen Wert der Darstellung und bringt uns die Gestalt Silbermanns näher. - Die Handlung spielt in einem franz isischen Lycec (Ihr Hauptstadt. ^Tragisdh ist die Wirking von außen kommender Strömungen auf den jüd sehen Schüler Silberinunn, der trotz oder gerade wejen seiner genialen Begabung aus einem Lebenskreise ausgestoßen wird, dem er sich von innen her zutiefst verbunden fühlte.' Tragischer Konflikt! In den Strudel politischer Leidenschaften und des Husscs engstirniger, gefühlloser Menschen (dpn-gcstellt duVcli die Schülergruppe des Instituts A| Xavier , und len Blind der »Echten Franzosen«) hjncingcrisscn, ^eht innerlich ein jugendlicher Mcnsc^i zugrunde, der ein so feinsinniger Interpret, des heimischen Geisteslebens und. der heimischen Kunst und zugleich Träger einer ganz bestimmten Mission geworden war. Eine so stark iin Geistle verwurzelte, i om Ethos ihrer jüdisch-menschlichen Mission getragene und erfüllte Persönlichkeit ist einer wirksamen Abwehr der gegen ihn geführten antisemitischen Ue »ergriffe nicht fähig. Es kommt zu einer, psychologisch begreifli-- . dien, menschlich verständlichen Verkrnmpfung seines ■ ganzen inneren Lebens, idie'seiner reir. geistigen Abwehr manchmal unnatürliche Formen aufdrängt und ihn Einmal bis zur grenzenlosen Ueberl eblichkeit, fast bis zur Blasphemie schreiten läßt. Aber gerade dann, wenn er dadurch hellste! Empörung erweckt hat, »sah ich ihn an und erkannte, wie er unt?r dem Scfiein äußerer Ruhe innerlich triumphierte. Grblickte nach der Gruppe A. Xavier hin und der Stolz blähte seine Nüstern.« (Uebersetzung) S. .63). J mich mit Haß auf?« er dann' aus seinem Lcd nach Ameriku ausziir retour de Wie ist dieser arme Junge innerlich zerbrochen, der doch im Grunde' sich jals Träger." einer hohen Aufgabe fühlt«;, »Oh, ich leugne nicht meinen Ursprung, ...im Gegenteil: Jude und Franzose zu sein, ich glaube nicht, daß e:t günstigere Bedingungen gibt, um große Dinge zu vollbringen.' > ... Ich will bloß d|en Genius meiner Rasse modeln nuch dem Churakter diese: Lahdes. Ich will die Wurzeln meines Seins; in euren Boden setzen. Du sichst, ich benutze qieine Intelligenz, meine Zähigkeit, alle meine Gabtn, am jone geistige Erbschaft Frankreichs zu erfassDn und zu, durchdringen, die nicht für mich bestimmt' wgr, die aber eines Tages von mir vielleicht v^rmehr^ werden wird..... Es gibt keinen-Hintergedanken,! kein selbstsüchtiges Motiv in meinem Streben. Warum also will man mich nicht? W'arum nimmt man (Uebersetzung S. 4»/46). Als .bonskreis gedrängt wird un wandern sieh entschließt, spinnt'er solche Gedanken w eiter und kommt zü einci} Psychologie ..des Judenhasses, die doch, bei nllei Einseitigkeit, wertvolle Erkenntnisse erschließt. | In der Fortsetzung der : ^Retour de Silljcrmann kommt es zum tragischen Ende eines, dem das Leben hart mitgcspielt und den ^s aus seinem ihm' lvestimmten Wirkungskreis gtjrissen lmt. Sein Leben bei amerikanischen Verwandten, die ihn nicht verstehen und nicht verstehen können, die- Wiederverheiratung seiner Mutter mit einem Verwandten eines ehemaligen Mitschülers aus .der Gruppe A. Xavier, die I nniöglichkeit, auch nach der Rückkehr nach Frankreich-seinen intcllektjunlistisrhCn Bedürfnissen entsprechend zu wirken, und i nderes mehr führen das Ende herbei, das im letzten Sinn als tragisch zu bezeichnen ist. und gestalten ein Schicksal, das über seine Persönlichkeit |iinnus in manchem allgemeine, s\ mptomatische Züge'anfive: st.: » 4 Dr. Max Si lomon, Frankfurt a. M. »Von der Holbeinbibel zur Amsterdamer Haggadah«, lautet die Ueberschrfft eines sehr lehrreichen Aufsatzes, den Rubel Wischnitzer in deni soeben erschienenen Heft der »Monatsschrift fiir ■ Geschichte und Wissenschaft des Judentums, veröffentlicht. Sie zeigt, daß die L'ebereinstimpiuhgeii älterer Huggaduhbilder mit Holbeins Bildern; zur Bibel auf die Benutzung christlicher Mittelquejllen ziriickgehcn: insbesondere hat die Kunst M. Merlans au:' die Haggaduhillustration gewirkt. Sie veranschaulicht aber auch, wie die jüdischen Meister, welche die Haggadah geschmückt haben, die christlichen Vorlagen im Sinne ihrer Religion abzuändern vermochten. . Im gleichen Hefte gibt A. Tartakower eine höchst lehrreiche Uebersicht über das Jüdische Schulwesen in Polen, welche lebhaft veranschaulicht, |wie schwere Opfer die verschiedenen Richtungen des polnischen Judentums bringen, um die Jugend in ihrbm Sinac zu erziehen. Auch ein Aufsatz des Greifswalder Alttcstamentlers Schütz über Aii|grabungen in Palästina wird wJeite Kreise fesseln; e'rfreulichervyeise sind ihm, wie auch dem Aufsatz der Frau Wischni zer, Bildbeilagen hinzugefügt. I — 165 —