Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1931
- Issue
- Nr. 10 - November
- Date
- 1931-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Bedeutende Tote. Von Dr. Ludwig D a v i d s o h n-Berlin, In Frankfurt a. M. starb 46jät rig gunz plötzlich idung der ausgeakheim, der als geleistet hatte und an einer akuten Blinddarmenjtzii zeichnete Regisseur Br. Arthur S praktischer Theatermann Großes gleichzeitig ein bedeutender, , fleißiger - Gelehrter Uebersetzer, Kulturmittler, ptodu itiver Dramatiker, Romanschriftsteller, Lyriker, begeisterter Jude und , vor allem eine große, ethisch-hochstehende Persönlichkeit war. ...Einzigartige Synthese! ...Er entstammte sowohl väterlicherseits,w e mütterlicherseits alten Libauer Rabbinersfamilien, beherrschte Hebräisch. Jiddisch, Polnisch, Russisch wie seine deutsche Muttersprache und erregte schon vor dem“ Kriege mit seiner germanistischen Doktorarlieit über E. T. A. Hoffmami allgemeines Aufsehen. L nsere ersten Verleger. wie z. B. Georg Miiller-Münclen. brachten seine" wundervoll-zarten Romane »Marion, in Rot. und un- «lere Bücher, feinsinnige, gleichsam adlige Lebensdeutungen, die in aphoristisch-weltweiser Form von der Liebe und ihren ewigen Enttäuschungen auf ganz neue Art erzählten. Einige Bührenwerke Sakheims wie »Krise im Gottesländehen«, dtfs tiefernste Schauspiel - Pilger und Spieler« und d is jüdische Drama Der Zaddik« gingen über viele deutsche Bühnen. Der Dichter, der auch Grundlegendes-'über Dramaturgie veröffentlicht -hatte, wurde Regisseur an den Hamburger Kammerspielen. Dor leistete er so Bedeutendes. daß sich die "bekannt jsten Theaterleiter Deutschlands geradezu um ihn »rissen.. Max Reinhardt wollte ihn zu sich nach Berlin,holen. Auch die Münchener und öresdner Staatstleater machten ihm lockende Angebote.. Schließlich ging er an das Frankfurter Schauspielhaus, weil er dort wohl mit Recht mehr Muße für seine reiche literarische Tätigkeit zu finden hoffte. Sein jüdisches Schauspiel. Die Heiligung des Namens«, entstand zum größten Teil in Frankfurt a. M. Sakheim war ein idealer Regisseur, der vor allem die Jugend in Schauspielkunst ugd Literatur heranzog und zu Worte kommen .ließ. Seine Verehrung und Liebe f ir alles Geistige im Judentum hatte etwas Leidenschaftliches, geradezu Glühendes an sich; er war ein aisgezeichneter Kenner des gesamten, jüdischen Schrifttums, aus dem er $ein kenntnisreiches der Weltliteratur^, irdigt wurde, ist in auch formvollendet übersetzte. Buch. -Das jüdische Element in das auch in diesen Blättern gew seiner Art ein Meisterwerk. Mitten aus gesegnetem, bestem Schaffen heraus, auf der Höhe seines T.ebens hat der Tod diesen einzigartigen Mann ereilt. Seine W« rke werden bleiben. Seine Persönlichkeit wird nicht v ergessen werden! — In hohem Greisepalter. 91 jä der allgemein geachtete Nestor d lismus; Isidor Kastan. der schenleben politischer Hauptschrjf Tageblatts; gewesen war. Ein a des deutschen Liberalismus, ein? schem Wissen und großem Könige: hohen Graden. Ursprünglich rig. starb in Berlin ■s deutschen Journaläiiger als ein Mentleiter des - Berliner t frechter Vorkämpfer Mann von polyhis'torin. ein Publizist von zt. hat er nebenbei Ar t auch eine segensreiche Tätigkeit als Popularisator ” medizinischer und naturwissenschaftlicher i Probleme entfaltet. Aber seine Haupttätigkeit war qer politische Kampf. Bis um die Jahrhundertwende war er einer der besten Fechter für Recht und Fortschritt’, ein »braver Soldat im Befreiungskriege dei! Menschheit«, um ein Wort von Heine zu gebrauchen. Kastan hat neben wertvollen Büchern über Berliner Lokalgeschichte Studien zur jüdischen Landesgeschichte Schlesiens geschrieben und brachte zeitlebens allen jüdischen Dingen ein lebhaftes Interesse entgegen. Wertvolle Arbeit leistete;' er viele Jahre }iindurch-’ auch als Mitglied der Bibliothekskoinmission der Berliner Jüdischeh Gemeinde^ i t I» * ■ Kurz vor Vollendung seines fünfundsechzigsten 1 ebensjahres starb in Berlin der Dramatiker und Romanschriftsteller Georg Engel, dessen beste Bücher »len Zauber seiner pommerschen Ostseeheim it verkündeten.- Engel zählte zu den erfolgreichsten deutschen Autoren. Sein Ostseeroman »Hann Klüth« erschien in 115 Auflagen, sein Drama »Ueber den Wassern« ging vor Jahrzehnten über alle größeren deutschen Bühnen. Auch sein jüdisches Drama »Hadassa« übte ‘eine starke Wirkung aus. Mit'vielen seiner Bücher ragt Engel über das ^’iveau des bloßen L'nterhaltungsschriftsteller^ weit heraus; eine ganze Zahl seiner Romane allerdings ist wiederum nur Interhaltungsliteratur, wenn auch edelste, gehajtvojlste, anständigste! Schließlich mußte der Dichter, um zu leben, auch für den Tag schreiben... Die literarischen Moden .wechseln, Engels Dichterruhm wird in nicht zu ferner Zeit verblaßt sein. Ein unvergängliches Verdienst hat er sich jedoch als neidloser Förderer junger Talente, als Gründer des »Verbandes deutscher Erzähle^« als Organisator schriftstellerischer deutscher Standesqrganisationen erworben. Seine selbstlose Arbeit für seine Kollegen wird ihm einen dauernden Ehrenplatz im Gedenken vieler sichern. Ein gerader, tüchtiger Mensch, ein »jüdischer . Altruist« in des Wortes schönster Bedeutung ist mit ihm dahingegangen... . * In der letzten Oktoberwoche kam aus-Wien die Trauerbotschaft,. daß_kurZjVor Erreichung seines siebzigsten Geburtstages der große jüdische Dichter. Arthur Schnitzler, gestorben ist. Einer der wenigen jüdischen Autoren unsrer Zeit, die der Weltliteratur angehören, dessen Bücher in viele Sprachen übersetzt, dessen Bühnenstücke ,ih den ersten Theatern aller fünf Erdteile gespielt worden sind. Aber Schnitzler zählt zu den wenigen Dichtern der Gegenwart, über die nicht mehr gesprochen zu werden braucht, weil ihr Wesen, WTert und Werk bereits so tief in das Kulturbewußtsein der Allgemeinheit eingedrungen ist, (laß ihr Schaffen längst ein fester Bestandteil des geistigen deutschen Kunstbesitzes geworden ist. 156 —