Mannheim
Compact Memory

Der Orden Bne Briss · 1931-10-01 · Nr. 9 - Oktober · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1931
Issue
Nr. 9 - Oktober
Date
1931-10-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/6727475-6029203-6074854--2686-4869268
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Ich wurde im Jahre 1872 in Karlsruhe (Baden) als Sohn eines Kaufmanns, Enkel eines Arztes, geboren. Infolge Domizil veciisels meiner Litern kam ich elfjährig vom Gy nnasium meiner Vaterstadt in die Lateinschule, sröter aufs Realgymnasium in Nürnberg. Ich stidiirte in München bei Adolf von Baeyer und habilitierte mich 24jährig an der Universität Mü der Universität nit der ordentnchen. Etwa >0 Jahre lang wirktp ich als akademischer Lehrer. Ein Extraordinariat an München vertauschte ich 1905 liehen Professur an der Eidgenis£. (Technischen Hochschule Zürich, gerade rechtzeitig, als mir für meine Arbeitsgebiete und Mithoden die Räume und Mittel des Münchener I niversitütslahoratorimns viel zu eng wur IkiIh* ich sieben inhaltsreiche Ja stark vom l hterriclit beanspri nicht ohne Spannkraft für die der Forschung- Dann folgte ich Berlin, an das Chemische Institi \or gegründeten Kaiser Willi zur Förderung der \\ issenschafti an die l niversitüt. Ein Dutzend meiner. Assistenten und Mitarbeiter begleitete i$icl nach Dahlem. Lockende neu warm in An^rriff genommen, al> dei ausbracli. Dann standen meii e halb verödet. Die Felder trugen di "für die Farbstoffarbeiten: w ir tri gen purpurroter Astern und Dahlien statt ins Laboratorium. Eine fr< nzüi In Zürich gelebt, sehr und doch Hauptaufgaben ui Ruf nucli r kurz zii- Im- Liest-llschaft n und zugleich leU. ire cht eine t di von Zürich leitsgebiete W eltkrieg Laboratorien if - Kulturen Körbe voll schrift hat mich damals bei der Nobelpreis als Fabrikanten von Gi tgasen bezeichnet. Das war meine ’lätigk *it licht. Aber ich habe im Krieg Gelegenheit gehabt, am Gasschutz mitzuwirken; es war die Alufgu be, dit cht mische Einrichtung der Gasmasken zu schaffen. Mein hochbetagter Lehrer von Baeyer hatte bei seiner Emeritierung im Jahre W misch, mich zu seinem Nachfolger So übersiedelte ich nach München, a des Laboratoriums, in das ich 25 Ja als Student’eingetreten war. Ejs war veraltetes Laboratorium, das ganz richtungen bedurfte,. Den düsteren ki iegsjahren folgten die schweren Zeiten der Revolution und die sorgenreichen Jahre Iler Inflation. Larf ich, um diesen Lebensuntl Arbeitsabschnitt zu aus dem Vorwort meines Buches iihei einen kleinen Absatz, etwas gekirzt. in die Lazarette ische Zeit- Nachricht vom 1915 den ui machen. Direktor hre zuvor jetzt ein neuer Einschildern. Fermente allführen? »Die vorliegende Sammlung von Untersuchungen ... mag Art und Weise der Arbei) deutschen Hochschulinstitut veiansc n einem baulichen. das Zusammenwirken des Lehrers mit den1 Schülern, da$ Heranreifen der Schüler zur Selbständigkeit und zu führenden Leistungen. Kaum eine dieser experimentellen Arbeiten' ist von mir selbst ausge'fiihrt woirden. Sie müßten sonst schlechter sein,.denn ich hatte nicht leicht eine Stunde Zeit, um ruhig b|-i einer Arbeit zu bleiben. Die tastenden und "spröden Anfänge, unsere ersten Arbeiten.... entstanden zuin großen Teil in jener Zeit dtr Zerrüttung und des Umsturzes und der Inflation. Ein Laboratoriumsneubau war zur nämlichen Zeit zu errichten, das alte Institut umzubauen und neu einzurichten. In die akademischen Ferien waren Zwisehensemester eingelegt, nichtsdestoweniger ’ mußten <1 ie Experimentalvörlesuiigen doppelt gelesen werden, die Zahl der Examina und ,<Iie \ erwaltungstätigkeit war übergroß, die Sorge des Laboraturiumsvorstauds lim seinegroße Familiär von Studierenden —• wie viele haben gehungert? — war fast überwältigend. I .ml doch, wenn sich die großen Arbeitssäle nach 6 Uhr abends leerten, wie war <laiii| die Mulle iiml die Lebendigkeit der Zusammeriarbuit in den Privatlaborutorien köstlich, bis. zun^ späten Abend oder um die Mittemaehtsstunde. Wenn die in diesem Buche niedergelegte Arbeit unsere Kenntnis von den ,Fnzynien verbessert, so ist (lies nur der Zuverlässigkeit und der Hingabe meiner jungen Mitarbeiter, dein Idealismus/ unserer akademischen Jugend zu verdanken. Mein Leben, soweit es lebenswert war, kam im Jahre 1925 zuin Abschluß. Ich trat infolge von Gegensätzen, die in meiner Fakultät Bei der Behandlung für die Universität -wichtiger Berufungsf-ragen zutage trat eil. von, meiner Professur zurück. Es gab seitdem noch einige wissenschaftliche Nachlese und es war mir noch eine über die Erwartung hinausgehende Befriedigung Vorbehalten: meine Arbeitsgebiete konnten in die Hände selbständig gewordener .Schüler gelegtwerden, und diese haben in der 1erinent- und Eiweißforschung das Werk, mit großem Erfolg fortgeführt.. . Was ich an meiner Laufbahn bedauere, das ist. daß es mir nur sehr kurze Zeit - vergönnt war. eine eigene Schule zu bilden, Nachwuchs akademischer Lehrer und Forscher. Die Bedingungen dafür fand ich nämlich zum ersten Male einige Jahre nach dem Kriegsende, also nur in einer Zeitspanne von wenigen Jahren. Aber was mich an niejner Laufbahn freut, das ist. «laß doch meine eigenen Schüler meine Lebensarbeit fortsetzen, verbessern, übertreffen. { 139 -

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.