Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1931
- Issue
- Nr. 9 - Oktober
- Date
- 1931-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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wesen, Freude mit mir zu teilen. Gelliejben ist mir eine Tochter, diö“ damals noch war; sie hat sich seitdem einem gelehrten Beruf, mathematischer Physik, gewidmet Der vqn Alfred Nobel geschaffen ■ Preis ist eine große Einrichtung. Sie gewährt träger zu freier Verfügung bedeutend' Ui ein Kind die ihm nach Belieben und je nach em Preise Mittel, mständen Experimentalarbeit in großem Mafista ) oder unabhängiges Leben ermöglichen — es sei denn, der Preis fiel der' Inflation zum Ojfer. Aber dem Segen der Stiftung stehen auch Bedenken und Nachteile gegenü!>er. . Der Wissenschaft ist alles Rekordwesen fremd. Es kommt mindestens zum Schein einer Differenzierung zwischen den mit dem Preise Ausgezeichneten und anderen \ertretern desselben Faches, und es entsteht der Schein einer Gleichstellung. der mit dem Preis Ausgezeichneten untereinander. ’ F.s ist aber gewiß, daß es Nobelpreisträger gibt, die für jede einzelne von zahlreichen verschiedenen Arlieiten den Preis verdienen würden. I ml nicht gu verkennen ist die Weite des- Abstands zwischen einzelnen, genialen Menschen, deren Leistungen die Entwicklung unseres Erkennens bestimmen. und anderen Preisträgern, denen tüchtige Leistunge 1 ~ geglückt sind, für die ebqn die Zeit herangereift war. \ iel wichtiger ist «las Erleben der Arbeit, hur den horscher ist. es etwas unbeschreiblich Schönes, in tiefe Ikätsel einzudri igen. unter »l eberwindung von Schwierigkeiten, wofür alles an bekannten Mitteln unzulänglich erscheint, so weit vorzudringen, daß sich die Schleier von «len Geheimnissen der Natur ein wen g weiter und weiter lüften lassen. Diese Empfindung von Glück beim Ringen um die Erkenntnis schwächt*'sich kaum mit zunehmendem Alter ab; erlebe ich doch heute in einer Arbeit ül>er F ermente der farblosen Blütkörper ähnliche Spannung und ähnliche Freude des Eindringens vie vor mehr als einem Menschenalter bei mein« n Anfängerarbeiten. Die Wissenschaft, die zu «laue rndem Fortschritt bqiträgt, ist darin der Kuns^t und sogar der Religion verwandt, daß siej mit ihren Errungenschaften der ganzen Menschheit dient. Immer habe ich es für das .Wichtigste gehalten und darin Beruhigung gefunden, nicht nutzlos leben zu müssen und nicht vtyn Schauplatz des Lebens abtreten zu sollen, ohijc zu den fortwirkenden Gütern der Menschheit beigetragen zu haben, wenn auch nur in dem bescheidenen Maße, das meiner Begabung und meinen Lebensumständen entspricht. j Ich bin Chemiker geworden, weiDmich von früher Jugend an die stofflichen Erscheinungen in der Natur stark anzogen. Meinen Beruf habe ich früh gewähjt, obwohl ich nicht jm mindesten frühreif war |md obwohl meine Schulnoteh in allen Fächern gleich -waren, und ich habe auch vor} Anfang an die AF>sicht glehegt, mein Leben wissenschaftlicher Arbeit zu widmen. I Mein eigentliches Fach ist «jirganische Chemie. Aber ich bin mit «1er Z«‘it immer mehr über die Grenzen dieses Gebietes hiuausgewandert, zu Problemen der Pflanzenphysiologie, namentlich 5511 Aufgabender physiologischen Chemie un«| auch der anorganischen Chemie. Meine Jugendarbeiten behandelten hauptsächlich «lie Konstitution ’■ und diq Synthese einiger Pflanzenbasen. nämlich dps Atropins un«l «les Kokains. Daran schlossen sich Lntersuclmngen an über synthetische Farbstoffe und über «las Wesen der farbgebenden Atomgruppen. Jene Arbeiten un«l gnderc waren vorbereitend für schwierigere und größere Aufgaben: Untersuchungen über Chlorophyll, das in den wesentlichen 'Zügen seiner Konstitution klargelegt wuwle, und über seine Funktion im Prozesse «les Aufbaus pflanzlicher Materie, Studien übt*r «len Blutfarbstoff, Untersuchungen über die Farbstoffe der Blütefl; und «ler Früchte. Meine letzte größere Arbeitsaufgabe betraf tfje Natur und Wirkungsweise «ler Fermente, namentlich derjenigen, die am Zucker-, Eiweiß- und Fettumsatz des Körpers Anteil haben. Sehr häufig .war es mir vergönnt, ohne irgendwelche Rücksicht auf Erfolg zu arbeiten, nur zur Freude. 138