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Der Orden Bne Briss · 1931-10-01 · Nr. 9 - Oktober · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1931
Issue
Nr. 9 - Oktober
Date
1931-10-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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coch gehört hatte. Ein ungeheures Gliicksgefühl durchströmte mich den ^ganzen Tag und mein Selbstgefühl erfuhr eine enorme Steigerung. Ich erkannte, daß ich fähig sei, produkt ve Arbeit zu leisten, unabhängig von andereh reue Wege zu gehen! .und ich beschloß, mich künf ig wissenschaftlicher Forschung zu widmen. Durch Zu-' fall kam mir damals Siegmund Ex lers Buch 'Erklärung psychischer Erscheinungen in die Hände, das. schwer verständlich, wie es ist, in erster Linie dazu beitrug, mein übersteigertes Selbstgefühl zur Norm zuriickzuführen. dessen Tendenz al>er für alle meine neurolog sehen Arbeiten maßgebend geblieben ist. Aul die Irrwege. die ich ging, bis ich wiederum durch Züfall bei der Ohrenheilkunde landete will ich nicht eingehen. Es ist keineswegs leicht, auch nicht für den fertigen Arzt, das Gebiet ausfindig zu machen, für dessen Bearbeitung er auf Grund seiner angeborenen Fähigkeiten und Mängel am geeignetsten ist. Auch dann, wenn < ieses Gebiet gefunden ist. muß man vom Glürk begünstigt sein, wenn die Beackerung Früctte tragen soll. Das Gebiet, auf welchem meine Arbeit durch Verleihung mehrfacher Auszeichnungen, zuletzt des Nobelpreises (1915), anerl annte Erfolge zeitigen sollte, war die Physiologie und Pathologie des Bogengangsäpparates des inneren Ohres.beim Menschen^ Ich fant -hier die sogenannte kalorische Reaktion, die es gestattet. durch Ausspritzung des Ohres mit kaltem oder heißem Wasser die Funktion jec es Bogengangsapparates für sich zii untersuchen Die Bedeutung dieses Fundes kann der Laie;ich durch eine Analogie klar machen. Es wäre natürlich unmöglich, den Einfluß der Erkrankungen des Auges auf das Sehvermögen zu studieren, wenn man .nicht jedes Auge für sich uitersuchen könnte. .Beim Auge - geschieht diese Isolierung einfach durch Verschluß des anderen Auges. Der Bogengangsapparat einer Seite aber läßt sich überhaupt nicht ausschalten, md nur die kalorische L ntersuchung ermöglicht c ie isolierte l ntersuchung. Erst tiach dem Auffir den dieser Reaktion war es möglich, die Physiologie und Pathologie des Bogengangsapparates beim Menschen auszubauen und die eitrigen Erkrankungen des inneren Ohres rechtzeitig zv diagnostizieren und operativ zu. beseitigen. twodurch es gelingt, die früher nicht seltene von Innenohr ausgehende eitrige Hirnhautentziindi ng zu vermeiden. I eber den M eg. den ich bei meiner Entdeckung gegangen bin. . habe i(h und andere* *) *) so oft berichtet, daß ich hier lieber darauf nicht eingehen möchte* Ich möchte hier nur noch eine weitere Entdeckung erwähnen, die, wenn auch reichlich spät und anfänglich von den Chirurgen scharf bekämpft, nun mehr und mehr allgemeine Anerkennung findet. Es ist die primäre Ausschneidujtg und Naht der Gehirnwtinden. die ich während des Krieges in der belagerten Festung Przemysl gefunden habe. Der Weg zu dieser Entdeckung scheint mir nicht uninteressant. Er ging über schwere Selbstvorwürfe, ganz ähnlich wie es eifern größeren Entdecker vor mir auf ähnlichem Gebiete, Ignaz Sommelweiß. gegangen ist. Als ich im August 1914 nach Przemysl kam. war die Frage der Behandlung der Gehirnschüsse noch ganz ungeklärt. Die einen waren der Meinung, man sollte die Wunde nur verbinden und der Natur selbst die Heilung überlassen, die anderen waren für einen frühzeitigen Eingriff und offene Nachbehandlung der Wunde. Nachdem ich mich überzeugt hatte, daß bei der ersten Methode eine Reihe von Fällen an Hirnabs^eß zugrunde gingen. beschloß ich. die zweite Methode anzuwenden. Ich konnte in der Tat eine gewisse Anzahl \on Hirnabszessen mit Eröffnung und Drainage heilen. Als ich aber gelegentlich eines Tortrages in Przemysl mein Opefationsmaterial zusammenstellte, bemerkte ich z l meiner schmerzlichen Leberraschung, daß ich in drei Fällen durch meinen Eingriff den Tod des Patienten verschuldet hatte. Ich hatte i durch Freilegung der Wunde und offene Nachbehandlung die vorher nicht infizierte Hirnwiunde zu einer infizierten gemacht, und der Patient war d«^ Infektion erlegen. Dies sprachen die von mir selbst verfaßten Krankengeschichten mit voller Deutlichkeit aus. und ich faßte mich unwillkürlich an den Kopf, daß ich dies nicht gleich beim ersten Fall bemerkt hatte. Als aber nun am 9. Dezember 1914 wieder i ein vor nur 6 Stunden durch Hirnschuß Verwundeter eingeliefert wurde, beschloß ich, den Fall ganz anders zu operieren. Ich legte die M unde frei, entfernte alle Knochensplitter au? dem Gehirn, wusch die Wunde sorgfältig aus und vernähte sie dann vollständig. Dieser sehr schwer \er- J) G. Holmgren: Der Nobelpreis des Jahres 1914 in Physiologie und Medizin, am 29. Oktober 1915 Robert Bäränv verliehen. Les Prix Nobel en 1914 — 1918. Stockholm, Imprimerie royale P. A. Xorstcdt & Süner p. 58 und p. 112. *) Nobelvortrag, gehalten am 11. September 1916 in Stockholm von Dr. Robert Bäränv, 14 S., ebenda. 136 —

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