Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1931
- Issue
- Nr. 9 - Oktober
- Date
- 1931-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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inus aufzukläreu, wozu sich E h r 1 i c h der Anilinfarben bediente. Man bezeichnet deshalb die erste Periode von Ehrlich’* wissenschaftlicher Tätigkeit als die der farbeuanalytischen Studien. Er errichtete in dieser »Zeit das gewaltige Lehrgebäude der Histologie de^; Blutes, von dein einer der bekanntesten Blutforscher, Adolf I, a z a r u S, ein früherer Mitarbeiter E h r I i c h s. folgendes gesagt hat: »Wenp Ehrlich nichts weiter geleistet hätte, als die: moderne klinische Morphologie dos Blutes-zu schaffen, in solcher Vollendung, daß unzählbare (Arbeiten nach ihm nichts wesentlich Neues hiiizufügten, sondern I * I * nur die seimgcn bestätigten und ergänzten, würde ihm in der Geschichte der Medizin für immer ein hervorragender Platz gesichert seine. Eine zweite grundlegende Arbeit aus dieser Zeit. <fie heute noch eine unerschöpfliche Fundgrube von Ideen ist. ist die Arbeit: Das .Sauerstoffbedürfnis des Organismus«, in der er den Grundstein zu seiner später so berühmt gewordenen Seitenketlenthoorie legte, welcheihm sein Ix-ben lang bei der Durchforschung der Lebensvorgünge der Ariadnefaden war. Einewichtige Entdeckung von Ehrlich, die in diese Arbeitsperiode gehört, ist die der Färbung der Tuberkelbazillen, w elche mit nur unwesentlichen Abänderungen noch heute als die beste anzusehen ist. Schon einen Tag. nachdem Poliert Koch seine große Entdeckung des Tuberkelbazillus bekannt gegeben hatte, hat ihm Ehrlich seine Methode vorgelegt, und Robert Koch selbst hat anerkannt, daß erst dadurch seine Entdeckung für die Praxis einen besonderen Wert gewann. Denn durch «1 ie Verein-' lachimg des Tuberkelbazillen-Nachweises mit Hilfe einer Färbungsmethode ist die Diagnose der Tuberkulose außerordentlich erleichtert worden. Im Jahre I88> verheiratete sich Ehrlich mit Hedwig P i n k u s. der Tochter-eines bedeutenden schlesischen Industriellen. Die Ehe war überaus glücklich. Die Lebensgefährtin verstand cs stets, dem unermüdlichen Forscher die Hemmnisse des tägliche)» Lebens aus dem Wege zu' schaffen. Zwei Töchter entsprossen der Ehe; an diesen Kindern hing Ehrlich stets mit inniger Liebe. Im Jahre 1884 erhielt er den-Professor-Titel, w iewohl er nicht habilitiert war, eine Auszeichnung, die bis dahin für einen nicht dem-Lehrkörper angehöHgen Arzt noch niemals verliehen worden ist. Im Jahre 1887 habilitierte er sich als Privatdozent für innere Medizin an der Berliner Universität und verließ in diesem Jahre die Charite. Bei seinen Laboratoriumsversuchen -infizierte er sich mit Tubcrkelbazillcu und erkrankte an einer tuberkulösen Infektion der Lunge, die ihn zw-ang, nach Aegypten zu gehen. Paul Ehrlich kehrte geheilt zurück, wenn er auch seit' dieser Zeit anfällig geblieben ist. Es stand ihm trotz seiner" bedeutenden Leistungen kein Laboratorium zur Verfügung,,und es blieb ihm nichts übrig, als sich selbst eine Arbeitsstätte mit bescheidensten Mitteln einzlirichtcn. Dieses Laboratorium befand sich in einer Mietswohnung in der Steglitzer Straße in>Berlin. Hier führte er seine grundlegenden Arbeiten über -die .erworbene ‘Immunität gegen Pflanzengifte und übel1 die UebertragUng der Immunität von der Mutter auf das Kind aus. Diese Arbeiten eröffnen eine neue Aera der ImmunitätsforscInnig und gehören zu den klassischen Arbeiten dieses Arbeitsgebietes. . * V * Robert Koch hat im Jahre 1890 Ehrlich ziir Leitung einer klinischen TubeTkjulose-Station im Krankenhaus Moabit berufen und nahm ihn später in sein neu eröffuetes Institut für Infektionskrankheiten auf.' Hier arbeitete Paul Ehrlieh, ohne eine Anstellung im Institut zu haben. In demselben Jahre wurde er zum außerordentlichen Professor an der Universität Berlin ernannt. A 11 h o f f, der damalige Leiter des preußischen Hochschulwesens, erkannte die Genialität Fh'rlich’s und hatte in weitblickender Weise diesem Forscher eine eigene Arbeitsstätte ge-' schaffen. Unter seinem Einfluß wurde im Jahre 18% ein staatliches Institut für Serumforschung 127