Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1931
- Issue
- Nr. 8 - September
- Date
- 1931-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/6727475-6029203-6074853--2662-4869245- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
me, der Einstellung chichtung, der Bedes Antisemisierung der Jugend findet aini ehesten in dem Einfluß der Logen ein Gegengewicht. Erst im Zusammenhang iiit der Gesamtheit wächst die Loge pich fortwirkend und gestaltend aus. Das organische Ineinandergreifen aller Logen bedarf der Fundamente, aer unentbehrlichen organisatorischen.Mittel. Nifcht ein Abbau der Organisation kommt in Fragp, sondern eher ihr Aufbau und Ausbau, auch in der Richtung planmäßiger Anwendung ökonomischer Wege zur Steuerung der Wirtschaftsnet, gründlicher Erfassung der Wirtschaftsproble auf die unabwendbare Ums kämpfung und Ut'Rerwindung tismus. \ . Wir Logenbrüder haben trotz der Schwere der Zeit die Opfer, die die Ordeuszugehörigkeit \<m uns fordert, vom Gesich spunkte der Allgemeinheit, wenn auch unter de n-größten Anstrengungen, willig zu tragen. V’ir haben selbstlose Opferwilligkeit zu üben im Interesse der idealen Zwecke und Ziele unseres Lundes, nicht allein seiner schweren Gegenwart sauf gaben, sondern seiner wertvollen Zukunftsarlpeit. Wir Juden und wir Bne Briß sind unverbesserliche, zukunftsgläubige Optimisten. Wir wirken nicht nur für das Heute, sondern auch fi|r das Morgen und Uebermorgen. Nicht von einfer entfesselten maßlosen Kritik und einer hemmungslosen Opposition ist das Heil zu erwarten, sondern von einer sachlichen, behutsamen, umsichtigen Sicherung des Ordensbestandes, von der Verknüpfung unserer traditionellen Ueberlieferung mit den Realitäten unserer Zeit. j Fiskalische Motive allein ausschlaggebend sein. , Das Ordenslelnm — ist nieljt nur (ine Addition von Ziffern und Zahlen. \ Hinter der materiellen Aufwendung steht ihre Umsetzung in geistige Güter. Da» Geld'wandelt sich in Kultur. Der Logenbeitrag, den der Bruder zu entrichten hat. wird aufgewogen durch alles, was Orden und Logen bedeu;en, was sie an Wohltätigkeit. Bruderliebe und F intracht spenden; an geistigen Werten bieten, als Zusammenschluß der sonst truseinanderstrebenden Judenheit darstellcn. arf ethischer Erkenntnis und Selbsterziehung verbreiten lind an positiven sozialen, humanitären Schöpfungen und Leistu igen aufweisen. Der Logenbeitrag bildet nicht zuletzt eine Versicherungsprämie für die Erhaltung und Fortentwicklung des Judentums und unserer jüdischen Gemeinschaft. Er ist eine Münze der Solidarität. dürfen für uns nicht Leben -5auch das ein RechPnex^mpel, lichkeitsstandpunkt in den Vordergrund rückt, wer über ^lles Ideale hinweg nur Aktivität wünscht,* Wesen und Wirken des Ordens plastisch greifbar vor sich sehen will, der hat die Ordensidee nicht restlos in sich aufgenommen. Die Welt. der Ideale ist großenteils illusionär. Führt das Streben nach Vervollkommnung auch nicht gleich zur Vollkommenheit, — begeben wir uns nur auf den Weg zum Ideal, so haben wir es erreicht, auch wenn seine letzten Ziele unerreichbar bleiben. Wir suchen Ideal und Wirklichkeit zu überbrücken und anzunähern. So sehr wir zu den Sternen aufblicken, wir wollen den Boden nicht unter den Füßen verliefen. Man klagt darüber, daß angeblich die Bruderliebe ' nicht ganz in ihrem buchstäblichen, wortgetreuen Sinne das Verhältnis eines jeden Bruders zu jedem Bruder beherrscht. Eine Abstufung, je nach Geschmack. Bildung, Lebensstil und Auffassung hebt die brüderliche Gesinnung der Ordenszugehörigkeit zueinander, ihr freundschaftliches Empfinden, ihre Hilfsbereitschaft, ihr Gemeinschaftsgefühl keineswegs auf, ^uch wenn brüderliche Beziehungen, individuell in die Erscheinung treten, — und selbst dann nicht, wenn in der heutigen unendlich sorgen- ^ollen Zeit der Einzelne vielleicht allzu sehr mit sich selbst beschäftigt ist. Für den, der sich etwa hochmütig über einen Bruder erheben, in ihm nicht den Bruder erkennen und anerkennen wollte, wäre in der Loge kein Platz. Jede,Kritik ist dankenswert und nützlich, sie kann schöpferisch wirken, wie ein Wetterlcuchten blitzartig Mängel erhellen. Kritik hat vor allem Selbstkritik zu sein. Die Menschen, wenn sie kleinmütig werden, an innerer Geschlossenheit einbüßen, machen die Vorgänge der Umwelt für vieles verantwortlich, was ihre eigene Unzulänglichkeit verschuldet. -Kritiken sollen den Weg ins Frefe, nicht irt Enge und Engherzigkeit weisen- Die’Loge kann und darf sich nicht isolieren. Das Schicksal der Gesamtheit bestimmt auch unser Schicksal. Wer will leugnen, daß aucli die Logen dem Zeitwandel unterstehen, daß siq von ihm mitbetroffen werden? Mehr denn je ist es in solcher Zeit seelischer und materieller Not die Aufgabe der Logen, Sland zu halten, der Brüderschaft Rückhalt zu bieten, Katastrophenstimmungen »entgegenzuwirken. Die Logen bilden schützende Dämme in der Sturmflut unsere Zeit. gefaßt und zugeleirmale. Konstruktive, Auch Gedanken müseg tet werden- Nicht das Fcr das Ideelle ist das Entscheid?nde und Bewegende. Es scheint, daß, soweit uns?re Zeit vom Idealismus spricht, sie die Kraf^ nicht» aufzubringen vermag, ihn zur Tat werden zu lassen. Idealismus wird heute als etwas jjnwirkliches, Unzeitgemäßes, Unsachliches aufgefaßt. Und doch hat einzig und allein. Idealismus Großes vollbracht, aller Aufschwung, aller Fortschritt, alle Kultur sind von Idealismus getragen. Wer den Nütz¬ PeBsimistische Bedenken und Ausblicke sind als ein Niederschlag der allgemeinen Depression zu verstehen; von einem Ueberhandnehmen, von einem zerstörenden Umsichgreifen dieser Krisenstimmung auch im Orden haben wir unsere Logen soweit wie möglich freizuhalten. Es ist nicht gut und nicht gerechtfertigt, die;' Ordensfreudigkeit zu lähmen. . Es .ist besser, (uns in unserer Zuversicht zu befestigen, besser, statt uns unsicher zu machen, uns im Ordensbewußtsein vertrauensvoll zu stärken. 118