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Der Orden Bne Briss · 1931-09-01 · Nr. 8 - September · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1931
Issue
Nr. 8 - September
Date
1931-09-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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bieten Gelegenheit zur Entgegennahme von diinschen der Logen und zur Feststellung des Standes ihrer Arbeiten. Unser Grofilogenblatt ist nicht allein „ein Bindeglied der Logen mit der Groflloge, sondern!- r Brüderschaft mit «lern gesamten Ordens- M>en, das sich in unserer Logenzeitung wider- :>iegelt. Sie hat sich aus einem ursprünglichen .liiteilungsblatt zu einer inhaltrcichen Zeitschrift ntwickelt. Wie anders soll der Brüderschaft ne Kenntnis von allem, was den Orden bewegt. rinittelt werden, wie anders soll den Logen ■cistige Nahrung, Kenntnis der Zeitereignisse in :irer Auswirkung auf den Orden zugeleit« erden? Wie und wo sonst als auf den Tagungen ler Großloge, des Generalkomitees, der Logeii- Mtbände soll es zur Klarlegung unserer Zielt- und Aufgaben kommen, zur lebendigen Aus- .-prache zur Diskussion alles dessen, was die I »»gen und die Brüderschaft bewegt, zu fruchtbarer Kritik, zur Propagierung von Ideen des Fortschritts, von notwendigen Reformen? Die I agungenc sind das Echo, die Plattform für die («"Ui/ntheit; sie sind das Forum für alle gesetjm borischen Beratungen und Beschlüsse. Hier in ffen sich die Anschauungen, hier findet das Oidensleben seinen beredten Ausdruck. Tagtiuü-.-n erweisen die souveräne Willensmeinung der Brüderschaft, Sie sind notwendige Ventile für di - freimütige Aeußerung von oppositionellen Stimmungen und Verstimmungen. Unsere Ta- -. ngen aufheben wollen, heißt, an der Konsti- ’ion des Ordens rütteln- Sie bilden das Pleiin innerhalb unserer parlamentarischen, denmratischen Verfassung. Ohne sie wäre die Leimig des Ordens eine diktatorische. So sehr Führung bestimmt und entschlossen zu sein t und zeitweise auch den Mut zur l npopulu- 'dt aufbringen muß, so wollen doch die Logen ine Autokratie; sie ziehen die bewährte konditionelle'Form vor. Schwer lasten auf den Logen die finanziel- :i Anforderungen, die sich aus unabweisbaren >tWendigkeiten ergeben; sie sind umso drücket - i als infolge der ungünstigen Wirtsch'aftsvei iltnisse die finanzielle Leistungsfähigkeit dt! uderscliaft gesunken ist. Wenn auch der Zi hnitt bescheidener, die Gebefreudigkeit enge -renzt, die Beteiligung an allgemeinen Wob Iwtsaufgaben außerhalb der Logenkreise zi (kgeschraubt werden mußte, tlarf daruntc ils Kulturelle, da!s Ideelle, das Geistige niclJt dZmstark leitlen. Die uns beschwerenden matJ- Ilen Sorgen sind zeitliche Erscheinung« n der wandelbaren Wirtschaftskonjunktur. Die leen und Tendenzen des Ordens bedeuten fiir ns Ewigkeitswerte, auch sie wandelbar in der (»rm des Rituals und in ihrer konstruktiven assung, unwandelbar in ihren ethischen, hum i- ..ntären Zielen. Int Verlaufe ihrer tausendjiihii- -*‘H Geschichte haben die Juden viel gefahrdrohenderes. verhängnisvolleres zu überstehen -«habt; sie haben bei alledem ihre Synagogen und Lehrhäuser erhalten; sie werden auch ih :c Logentempel .bew ahren. Gottesdienst w ird hier zum Menschheitsdienst. Es ist ein billiges Schlagwort, der Orden müsse »neuen Wein iii die alten Schläuche fül-N lene, er müsse sich eine neue tragende, leitende Idee zu eigen machen! Der Orden nimmt fortdauernd Neues in sich auf. Er darf nicht nur von einer Idee getragen sein. Er hat auf alle Ideen, die Judentum- und Zeitgeist beschäftigen, zu reflektieren. Nur dann bleibt die Loge ewig neu. Eine Auflockerung unserer Organisation würde Auflösung bedeuten. W ir leiden nicht an einem organisatorischen Zuvjel, sondern eher an Mangel an geeigneter, zielsicherer, vorwürtstreibender organisatorischer Arbeit,-die aller Indolenz entgegenw irkt, alle schlummernden passiven geistigen Kräfte in ,,Bewegung bringt, das I.ogeninteressc weckt, neue gleichgesinnte, gleichstrebende Genossen für die Betätigung in unseren Reihen wirbt, und die Jugend in verstärktem Maße für dife Loge gewinnt. Das Jugendproblem steht im Vordergründe. Nichts ist bedenklicher als Resignation.-Frischer“ Antrieb kommt am ehesten vom Elan der Jugend. »Ueberaltern« in der Zusammensetzung unserer Brüderschaft kann nur vermieden werden, wenn immer frische Kräfte zustöincn, wenn wir jugendlichen Nachwuchs in die Logen bringen. Kein Sohn eines Bruders dürfte, als gewissermaßen in den Orden hineingeboren, in der Loge fehlen. Die Loge hatte sich von der Jugend zu sehr distanziert. Die Jugend schien fiir die Lögengemeinsehaft zu -jung; sie ist vorzeitig fiir Verantwortlichkeit gereift. Die ' Jugei|d der Kriegs- und Nachkriegszeit, der Inflation, der heutigen Wirtschaftskrise, ist eine andere als die, die wir früher kannten. Sie ist’ aktiviert, .sie nimmt frühzeitig Anteil am öffentlichen Leben. Im Anschluß an die Löge kann die in ihren Aussichten unsicher gewordene Jugend einen gewissen Ruhepunkt finden. Es ist erfreulich^ daß die junge Generation jüdisc-lver orientiert ist. nicht nur als sie es früher selbst war, sondern vielfach jüdischer als die ältere. Generation, Es ist gesagt worden, die Loge sei eine. Vereinigung gesetzter, saturierter Bourgeois. Das ist sie nie gewesen., Sie war stets eine Gemeinschaft geistig Strebender, am Guten Schaffender; sozial sich Betätigender. Aufwärtswpllencler. Vielleicht bringen die Aelteren in der Loge heute noch mehr Enthusiasmus, mehr gläubigen Idealismus, mehr Entsagungsfähigkeit, fast könnte man sagen mehr Romantik auf als -die skeptischen Jungen. Die Jugend findet in der Loge geistige, wirtschaftliche, gesellschaftliche Reserven vor, die Jugend ist fiir die Loge-.die Reserve ihrer Erneuerung, das Element der-Zukunft; Die Grofiloge ist Protektorin der .neutralen jüdischen Jugendvereine, an deren Begründung sie vor Jahrzehnten mitgewirkt hat. Es ist dringend geboten, daß die Logen mit «len jüdischen Jugendvereinen, aus denen sich unser Nachwuchs rekrutieren kann, engen Kontakt-halten und sie systematisch, tatkräftig fördern. Die Rad-ikali- 117 —

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