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Der Orden Bne Briss · 1931-06-01 · Nr. 6/7 - Juni/Juli · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1931
Issue
Nr. 6/7 - Juni/Juli
Date
1931-06-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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den großen Vorzug, daß sie jede Gelegenheit gibt. die Gedankeng n Gutwilligen tilge der verschiedenen jüdischen und nichtji disehen Richtungen kennenzulernen. Die ( urch I'echter angeregte Debatte leidet zunächst darunter, daß ihr Ausgangspunkt eine Spezialfrage (*»Kunst betrieb und Judenfrage ) gewesen ist. daß die Aussprache sich aber bald — wie auf das gesan meiden war zwischen Juden und Nichtjuden i erstreckt hat. Es kommt aber fo Eechter. und Pechei lietonen am ihre Objektivität; sie wollten n •amdc.i n "nur Tatsachen feststollen lür die Zukunft verhüten. Diesf zu bewahren, ist der Schriftleitu sehen Rundschau jedoch leider r Die. unseres Erachtens wirklich gerecht werdenden vorzüglichen kaum zu verte Verhältnis i Deutschland gendes hinzu: Anfang stark cht anklagen, ind Sch lim nies Objektivität tz der Deut» icht gelungen. Iieiden Seiten Ausführungen des Deutsch-Schweizers Eduard Iehrens begle tet die Schriftleitung mit einer scheu Anmerkung, in der es heißt: Wir... wollen heute nur-' 'Fechters den \ordergrund rücken: These daß schuld (vom Berichterstatter an dem Leberhandnehmen der Bewegung das ungehinderte Treiben einer klein einem Anti- \ntisemitisnen jüdischen Gruppe trägt, das Germanismus, der dem deutsche m 11s an Heftigkeit und Niedrigkeit durchaus die Waage hä|t. zum Ausdruck kommt , Statt einer Tatsachenfeststellung finden wir hier ein Werturteil, und zwar ein Werturteil, das einer kleinen Minderheit vorvjTrft. sie habe die iilHTwättigende Mehrheit, pi Möglichkeit eines solchen A erhalt bestritten werden. Psychologisch ist es jedenfalls nicht! -W ir glaube und Pechei l rsachc find Wirkur verwechseln. Wenn Blunck im \t äußerst kritiwiederum in die Hauptunterstrichen) ntisemitischen «voziert. Die ns kann nicht vahrscheinlich ni. daß Fechter litcinandijr rlauf der Aussprache den Patriotismus iler Juden derjenigen \ iilker liervoi-hebt. die man -in \ grausam wie Deutschland gedem die'sen| Patriotismus dein \ erhaltet Juden gogenüberstcllt. .So empfinden wir deutschen. Juden dies als ein»- schwi nichts gerechtfertigte’ Kränkung, nicht nötig, auf unsere Blutopfe Tsailles gleidh tätigt habe, und der deutschen i :re und durch W ir haben es für- Deutschland in der Kriegs- und Nachkriegszeit zu \eir weisen. Blunck verwechselt w andere anscheinend die Begriffe Patriotismus und Konservativismus. Jede den Dingen der Welt ist. wie ilo gehoben hat. unter den Juden ge ie so mancher ivschauung von länder hervorna:i so vertreten wie unter den Nichtjuden. Der hervorragendste konservative Politiker Englands, Lord Beaconsfield, vjmr ebenso wie der Theoretiker der preußischen Konservativen, Friedrich Julius Stahl, jüdischer Abstammung. Es ist aber nicht zu bestreiten, daß in Deutschland die (ihrer Tradition nach sozial empfindenden und eingestellten) Juden! sich vornehmlich in den. linksgerichteten Parteien politisch betätigt haben. Dies ist, \yie wir glauben, der größte Stein des Anstoßes! Sollte die »Schulde darah aber lediglich bei den Juden liegen, wobei wir nur nebenher erwähnen wollen, daß die deutschen Juden .vielfach in rechtsstehende Parteien nicht aufgenommen wurden? Im \ erlauf der Aussprache ist ja bereits darauf hingewipsen worden, daß der 'angebliche Antigermanismjis sich zum mindesten zu einem Teil gegen Einrichtungen wendet, die auch von einem zahlenmäßig weit überwiegenden Teile der nichtjüdischen deutschen Volksgenossen bekämpft werden.- Die Mahnung zum lakt und zur Zurückhaltung ist freilich immer berechtigt. Die Aussprache in de:r »Deutschen Rundschau« möge für uns deutsche Juden ein neuer Ansporn dafür sein, uns stets vor Augen zu halten, daß auch jeder Anscheiji der Verletzung! der Gefühle Andersdenkender vermieden werdet muß, daß jede unbedachte Aeußerung eines einzelnen deutschen Judjm unserer Gesamtheit zur Lasrt gelegt wird. Ein wirklicher Erfolg wird der Aussprache aber nur dann beschieden sein, wedn beide Teile zu der Erkenntnis kommen, daß man zunächst (Forderungen an sich selbst richten muß, statt fjie andere Seite aufzufordern, den ersten Schritt Zu tun- Wenn zur Zeit des »Juda verrecke« von einer Hauptschuld der jüdischen Gruppe gesprochen wird, so kann man dies nur mit . dem berühmten Streit des'Jagdhundes und des Kaninchens vergleichen, bpi dem der Berliner j Schusterjunge die Entscheidung über die Schuld mit den' Worten fällte: »Det Karnickel hat; anjefangen!« Beide Seiten müssen, sick. so Schwer es fällt, von Ressentiment freihalten. Wahre Toleranz herrscht nur, weijn die Zeiten endgültig vorüber sind, in denen von jüdischer Seite mit einem gewissen Recht darüber geklagt werden konnte: . Seit beinah’ zweitausend Jahren dulden wir uns brüderlich: Du, du duldest, daß ich atme! Daß du * rasest, dulde ich!« KNpr. Fritz G o 1 d s c h in i d t (Spinoza-Loge). 100

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