Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1931
- Issue
- Nr. 5 - Mai
- Date
- 1931-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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produktiv sein will, muß Rhythmus unterwerfen Menschen zurückzuziehe: zurückkehren. Nur die geistige Schaffen! wer geht, wird nicht Zu sich Notwendigkeit des Ein sich einem eigenartige^ er hat sich von deß und er muß zu ihnen Einsamkeit gestattet das immer zu den anderen leibst kommen. Solchei) »amseins und Einsam* bleibens widerspricht' die Forderung der Ge*, meinsamkeit nur scheinbar: wer immer auf Menschen wirken will, braucht sie, muß ihre Sprache sprechen, kann ihrer Teilnahme nicht entraten. Es gibt auf diesen Wegen allerlei Gefahren: manchem wird die Gemeinsamkeit zur Fessel und manchem die Einern! eit zum Verhängnis!. Manche können den Weg n die Stille nicht finden und manche nicht mehr len Rückweg von dort zu den Menschen. Manche werden vom Geräusch der Umwelt so betäubt, d iß sie die eigene innere Stimme nitht mehr hörer können, und manche hören nur mehr 'diese 1 nd sind der Welt abhanden gekommen. Zwischen dieseh beiden Polen df'r Einsamkeit und- Gemeinsamkeit schwankt das Leben jedes freien, produktiven Geistes: er darf nicht nur für die anderen leben — etwes treibt ihn in die Einsamkeit zurück. Er. darf nicht nur sich selbst leben — etwas, treibt ihn ru den anderen zurück. Früh schon hat-uhs die Psychoanalyse ein ausgezeichnetes Beispiel der Wirkung eines solchen Rhythmus verstehen gelernt: beim Dichter. Der Dichter, der sifh enttäuscht von der Realität zurückzieht, sucht den Rückweg zu den Menschen gerade mit Hilfe feines Werkes. Dieses Werk aber erfüllt-nicht nur die heimlichen Wünsche seines Schöpfers, ponderi — unähnlich dem W irken Jehovahs -Lauch die seiner Geschöpfe, ja aller Personen, die s ch mit diesen identifizieren können. Anders das Werk des Forschers: was er aus seiner Einsamkeit itach Hc use bringt, beschwichtigt zunächst nicht die Begierden, befriedigt nicht die Bedürfnisse dier vie en, weist nicht jene rasche und vielfältige Wunscherfüllung auf, die der Kunst eigen, ist. Es befriedigt freilich das Kausalbedürfnis, aber dieses ist bei den Menschen nicht sehr stark ausgebildc t. Während heftige und ungestüme W ünsche in allen leben, ist-Verstand stets nur bei wenige 1 'gewesen. Bringt so der Forscher nicht häufig lie Genugtuung, ✓alte W ünsche zu erfüllen, _ so macht sich mancher Forscher noch unbeliebt, indem er den Wert solcher W ünsche in Zweifel siönen zerstört. Indem er zieht, alte, liebe Illuunbefangen seine Ergebnisse mitteilt, hat^r~crft nicht Bedacht darauf genommen,-daß so vielen seiner Zeitgenostejweifie , Taube auf dem Dache nocbimmerjiefeei ist als ein Spatz in der Hand.1, Wer aber so wenig Aditung vor der Tatsache «zeigt, daß die Anschauungen der Menschen meistens mir ihren W’ünschen übereinstimmen, muß auf Ablehnung und auf erbitterte Verhöhnung gefaßt sein. Man versichert uns nun oft, daß aller Glück in der Masse beschlossen ist. Es ist gewiß nicht wahr. Auch die Einsamkeit hat ihre großen Glücksmöglichkeiten. („I,aß dies Herz alleine haben -seine Wronne seine Pein.“) Dennoch drängt auch dieses Glück zur Mitteilung. Wrie stark muß dieser Drang bei manchen gewesen sfein, wenn sie des Unwillens, des Hohnes nicht ajhtfetei, wie übermächtig muß die Stimme des eigenen Innern geklungen haben, wenn sie solange [keines Echos bedurfte! I Hier scheint mir eine Einsicht zu winken, die tiefer führt als die Nietzsches, daß alU Lust Ewigkeit will. Mag sich das Kind und der WTilde sowie derjenige, der infolge seelischer Erkrankung in jene frühen Entwicklung! stufen zurückgekehrt ist, noch mit einsamen A ergnügungen genug sein lassen, in späteren Entwicklungsphasen gilt doch der Satz: alle Lust will Gemeinsamkeit. ft . \ II. Der 75. Geburtstag, Freuds ist, sollte man meinen, gewiß eine geeignete 'Gelegenheit für uns, seine Schüler, die wir uns als'Avant gnrde einer neuen Wissenschaft fühlen, in der iArbeit eine Weile innezuhalten und uns zu bes nnen, was uns der Mann und was uns sein Werk bedeutet. In der Arbeit innezuhalten, uns zu besinnen? Nein, solche Unterbrechung ist nicit gerechtfertigt, solche Besinnung überflüssig, ca gerade unsere Arbeit jeden Tag und jede Stunde von ihm ihren Sinn erhält. Die Kulturwelt aber, die sich besinnen müßte, hat auch noch nicht entfernt erkannt, was sie der Leistung dieses E nzigartigen verdankt. | „O Freunde,“ singt nach dem brause nden Prestq der IX. Symphonie jene ptimme, „o Freunde, nicht diese Töne!“ Auch wir wollen angenehmere . anstimmen und freudenvollere, denn wir wollen heute unsere Glückwünsch i mit denen so vieler anderer vereinigen!- WräLrend wir noch nach einer „artigen“ Form für sie suchen, müssen wrir daran denken, daß auch solche Glückwünsche — , psychoanalytisch gesprochen — einen Ausdruck jenes primi iven 80