Mannheim
Compact Memory

Der Orden Bne Briss · 1931-05-01 · Nr. 5 - Mai · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1931
Issue
Nr. 5 - Mai
Date
1931-05-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/6727475-6029203-6074849--2619-4869204
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nähmaschine. $o wurden durch diese „Exter-!iiinations«-(Vernichtungs-)Politik Tausende von jüdischen Familien uni die letzjte Existenzmöglichkeit gebracht* und so kam es zu der unglücklichen vierten A 1 i j a, der Massönauswanderung jiidisdier Kleinbürger nach Palästina, der Flucht vor dem Hungertode. Lodzpr Fabrikanten brachen ihre Fabriken ab, ärmere Familien verkauften ihren Iptzten Schmuck^ ihre silbernen f euchter, und begannen ihre Wanderung, von l’alästina-Amt zp Palästina-Amt. 35 000' Juden »ind in den letzten 10 Jahren nach Palästina gelängen, aber nidit alle konnten dort ihre Heim- -tätte finden, etwa 7—8000 mjußten die Rückwanderung antretenv Ip Polen hatten sich die Verhältnisse inzwischen nicht gebessert. Dafür mir wenige Beispiele: In Wijna wurden 1925 noch 6000 Gewerbescheine voi^ Juden gekauft, 1926 nur 4922, heute nur nodi [500. Hierbei ist zu‘berücksichtigen, daß zur Zeit von der erwerbstätigen jüdischen Bevölkerung n3%,in Kopgreßpoleh. 74% in Galizien und ß4% in denj Ostgebieten im Mittel- und Kleinhandel, im peld- »in*l Versidierungswesen tätig f>ind. Wie viele der ausweglosen Not seelisch erliegen, das kann man aus zwei Erscheinungen schließen, der Zunahme der Selbstmorde und j der, Taufe. In \\ .-.■•schau sind im Jahre 1928: j 981 Juden freiwillig aus dem Leben gegangen, zahlenmäßig nicht zu erfassen sind die UebprgetretenenL die durch die Taufte versuchen, eine Besdiüftigu ag zu finden, Aerzte, Juristen, - V;rwaltungs- und Militürbeamte. . I \\ie steht nurj der Staat dieser Verelendung 1 hier Millionenbfcvölkerung gegenüber? Die W ijtschaftspolitik! des polnischen Staates war von vornherein darauf gerichtet, das polnische Element au? Kosten der njationalen Minderheiten zu stärken] Rücksichtslos wurden dlaher i der Einführung der Staatspionopole, bei! der ntziehung von Tabak- und Spirituskonzessioüon Zehntausende von jüdischen Arbeitern und Angestellten auf die Straße; gesetzt, wurde weiterhin durdi die Protektion der polnischen Öerufsgenossepschaften, Heranziehung zu sfaathehen* Aufträgen, durch Kreditgewährung und Meuererleichterung der jüdische Konkurrent ■nisgeschaltet. Die rigoröse Durchführung: des Numerus clausus, der Tauselide von jüdischen Studierenden ins Ausland trcijbt, ohne die Auss‘(hl, nadi Absolvierung der Studien in Polen; ine Existenz zu finden, istj bekannt. Aber die judenfeindliche Praxis ddr Regierung geht weiter. Obwohl in den Städten mit größer jüdischer Bevölkerung traditionell der Posten;se u des II. Bürgermeisters von einem Juden besetzt wird, in Warschau, Krakau, Lemberg, Bpdzin u. a., hat die Regierung boten, in ihr Budget Porten für jüdische"soziale J«u d i Zwecke einzustellen, jüdischen Gemeinden Schulen mit hebräische^ ■gangssprache, für sozi Palästina gestrichen. diesen Gemeinden versic hat jetzt sogar e Posten für jüdische oder jiddischer Umile Fürsorge oder für Ip dem 3-Milliardep-Etat lächerliche Betrag von igiösen Bedürfnisse der der Regierung ist der 120 000 Zloty für die re Juden eingesetzt. In den letzten Jahren ist die Regierung dazu überge gangen, Weitere Positionen des jüdischen Mit elstandes zu vernichten, einerseits durdi ein Industritegesetz, das zwangstechnisdic Maßnahmen in den Betrieben anordnet, Mechanisierung der Bäckereien, Standardisierung, gewerbehygienische Vorschriften, Prüfungen durch diristliche Meister und andererseits durch den „Etatismis“, d. h. die Einführung einer Art von StaatsrSos ialismus. die den Staat zum Großindustrielle!!, znin Großkaufmann, zum Großunternehmer macht; der* steuerfrei jede Konkurrenz aus dom Felde schlagen kann. Man wird hier einwenden können, daß diese Entwicklung durch die moderne Industrialisierung gegeben, aus staatlicher? sich ebenso £cgcn die individuellen Interessen der nichtjüdischcn Bevö ist'aber nidit so. Während die christlichen, echtotwendigkeit geboren. kerung. wendet. Dem durch Staats- und * * ähig erhalten Werden. polnisdien LTnternehmer Kommunalkrecjite lebens während die verarntfe duistliche Bevölkerung in den 'neuen Staatsbetrieben Unterkunft findet, ist dem Juden audi diegfr Ausweg von der Pauperisicrung zur Proletarisierung versperrt. 'Die Anstellung einiger, weniger - Straßenbahner in Warschau oder einiger Verarbeiter in industriellen Betrieben in Lodz od;r Wilna spielen keine Rolle. Allerdings ifet di; Einordnung in das Wirtschaftsleben auch ers hwert durch das Festhalten an der Sabbat-Ruhe und an der. jiddischen' Sprache. — , ' * . Nach dieser Schilderet(g, bei der ich mich bemüht habe, ohne Uebertrcibung und ohne Sentimentalität die durch die geschichtliche und wirtschaftliche Entwicklung b‘dingte Lage der polnischen Judenheit darZustc llen, gehe ich nun dazu über, die Kräfte zu schildern, die das polnische Judentum vor der Vernichtung bewahrt haben, und deren Entwicklung u is auch mit’ der Hoffnung auf eine bessere Lukunft erfüllen darf. Wir haben gesehen, daß d e Regierung nicht gc 77 —

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.