Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1931
- Issue
- Nr. 5 - Mai
- Date
- 1931-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Viersen auch aus den K 'starken Zuzüg hat zu erfassen ist. Die Partei politischen Leber nisten. Sie stützt $ichan kleinbürgerliche wiegende Mehrzah und ■ kulturellen Kreise hinaus. X der jüdischen Jugend der jedoch zahlenmäßig nicht sagen, quente ajber, die am rührigsten im wirkt, ist die der Zlo- :1er Hauptsache auf die Bevölkerung, also die über- , geht über in ihrer politischen Bedeui ung weit über diese kaj n ohne Uebertreibung daß das Ostjudeiitum ohne die konse- Durchführung des zionistischen Programms so atomisic'Tt wor len wäre, wie im heutigen Rußland, daß | aber;n Polen eine jüdische Gemeinschaftsarbeit ohne lie energische Führung der Zionisten nid4 zustande gekommen wärci. Die Idee' der nationalen Wiedergeburt, die Bejlebung der hebrü sehen Sprache durch die Einrichtung hebräischer Kindergärten, Schulen, Gymnasien verlic h dei nach den Greueln des Krieges ver; .weifelten Bevölkerung den seelischen Schwung, um auch den Kampf uih jüdische Interessen auf zu nehmen und nicht ih hoffnungslose Apa hie zu verfallen. Man muß die Begeisterung der jüdischen Massen miterlent haben, wenn* einer dieser zionistischen Führe|r Thdn oder 'fcrünlaum oder Sokolow zu ihne^i sprach, um sich eine \orst;llung von der zündenden Kraft der zioi istischc 11 Idee zu machen. So konnte schon der e ‘ste Wühlkampf von fast alle^i jüdischen Gruppen gemeinsam geführt werdep und der erste verfassunggebende Sejm 11 jüdischje Abgeordnete aufwe isen. Als aber die Regierung, um den. jüdischei t Einfljß zu schwächen, dile \\ ahlordnung verschlechterte, vereinigten sidi dile Juden mit den anderen MJnderheiten (Ukrainern, Weißrussen und Deutsdi samen Liste, so dali ment und 12 im Senat erobern konnten. Diesje 46 Abgeordneten, tog denen 32 Zionisten waren. \erband das Bewußtsein nalen Eigenart. langung des Rechtes zur sie 19. n) zu einer gement- 34 Mandate im Parlniner besonderen natid- Ihr Piogramm war die Ei|- freidn Entfaltung deir nationalen Kultur unter Wahrung des enfspredienden Ante ls an den für Kultur- und L nterriditszwecke bestimmten Postejn ,des allgemeinen Staatsbudgets W enn ich mid jetzt 1 gemeinen und politischen schaftlichen und kulturel adi Schilderung der all- Verhältnisse den wirten Zuständen zuwende, so steigen in meiner Eri inerung die Bjlder auf, die ich in 20 Jahjen meiner ärztlichen Tätigkeit in den Städten und Dor ern Kongreßpolens und Westgaliziens erlebt habe. Id» erinnere miejh einer nächtlidien Wanderung durch das Städtchen Zawiercie, wo ich mit dem dortigen Ats t und dem Feldscher (Heilgehilfen) anläßlich einer Scharlachepidemie von abends bis Lief in die Nacht hinein von Haus zu Haus ging, idi erinner; midi der zahllosen Fälle von Typhus in Sosnowice, B^dzin, Dqbrowa, Czeladz und besonders in der Nachkriegszeit der großen Volksseuche,. der Tuberkulose, die unter den Kindern furcitbarc Ernte hielt. Lebensverhältnisse, 4»e jeder äygienisdien Abhilfe trotzend, den Seudien den ] ruditbarsteu Boden bereiteten. Männer,jErauen,Finder, Greise und Säuglinge oft in einer lliditun i luftleeren Kammer, in einem Kellerlbch zusammengepfercht. Keine Kanalisation, keine W asserleitung, eine Talgkerze zur Beleuchtung, ein Bad gleidibedeutend einer Operation,| die nur auf ärztlidien Befehl vorgenommen wurde, das waren die äußeren Lebensbedingungen, unter denen Tausend^ von Familien vegetierien — aber das war sozusagen das normale Elend, an das man sich gewöhnt hattej Die 5jälirigen Knaben waren vom Morg'en bis zum Abend im Cheder, die Frauen hatten einen Kramladen, der Mann ging über Land mit Wapen auf dem Rücken oder er arbeitete als Lastträgei oder Kutscher oder Handwerker oder Schmi ggler, oder er lernte Talmud auf Grund eines Fanilienlegats und der Seide (ejer Großvater) bezahlte den Unterhalt. Dazu sorgte die private Wohltätigkeit dafür,‘daß niemand verhungere; in jeder, auch der kleinsten Gemeinde, fand sich ein „Bess Lechem", das die Aermsten mit Brot, eine „Gemilus Chassodim“, die mit kleinen Anleihen aushalf, ab und zu schickte eir Verwandter aus Amerika einige Dollars. Das wurde anders, als der junge polnische Staat an di; Ordnung der Finanzen ging. Die Aera Gr ibskis, des Finanzministers, brach wie eine Katastrophe über die Juden herein. Die Landbevölkerung, etwa 70 Prozent, war von der Steuer so gut wie befreit — die Bodensteuer ist minimal —, um so stärker mußte die Steuerschraube bei den Städtern angezogen werden, besonders bei den wehrlosen Juden. Der Jude hat einen Kramladen oder einen Lebensmittelhandel; Wr< rt 200, 300 Zloty; er hat 6 Kinder. »W'ie,« sagt der Komornik (der Gerichtsvollzieher), „du hst in der Lage, 6 Kinder zu ernähren, zu bekleiden, in die Schule zu schicken? Also kannst d i and» zahlen: Einkommen-, Umsatz-, Vermögen!teuer.“ Der Jude kann nicht zahlen, und schon wandert sein armseliger Kram unter den Hamm;r, für 100 Zloty sein Warenlager, für 25 Zloty seine