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Der Orden Bne Briss · 1931-04-01 · Nr. 4 - April · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1931
Issue
Nr. 4 - April
Date
1931-04-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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Lieb«, so viel Gefühlswärme, so viel lebendigem Gestaltungsvermögen die Schicksalswege ihrer Familie nachzeichnen können, wie Heinridi Kurtzig es tut. Ja, mehr als das: Seine Chronik verliert si<h nicht in Seitenwegen, — die Schicksale dieser weitverzweigten Familie gruppieren sich um die liebenswerte Gestalt des Familienobethauptes, Aron Kurtzig, der als junger Mensch aus seiner Heimat, einem schlesischen Grenzstädtchen, nach Kujawien kam, dem Land, in dem noch •die Wölfe heulten«, dort eine neue Industrie begründete und mit ungehemmter Kraft trotz wiederholter Schicksalsschlage alle Schwierigkeiten des Existenzkampfes siegreich überwand. Wir hören die interessante Geschichte seiner Vorfahren, die, wie der Verfasser selbst sagt, den «Charakter einer Fabel« an sich trägt, — erfahren von dem aufopferungsvollen Wirken Dr. Kühlbrands, dessen verchrungswürdige Gestalt dem Leser unvergeßlich bleibt,-von dem jüdischen Talmudlehrer, der nach England ging, dort zum Christentum übertrat und später als Bischof in Jerusalem das Bistum der evangelischen Landeskiiche Preußens errichtete, — — von dem jungen Abenteurer, der sich in Amerika ohne Sprach« keentnisse, ohne Geld und Verbindungen als Hausieiei durchschlug, dann unter amerikanischen Flaggen gegen die Rebellen kämpfte und schließlich sich als Rechtsanwalt in stirer neuen Heimat nicderließ, — — von der feinsinnigen Dichterin, die die" Verehrung des sehr originellen Schrift stellcrs Bogumil Goltz genoß sowie_ von dem großen Kreis junger Künstler, die der immer rege Unternehmungsgeist des Verfassers in die kleine, weltentlegene Stadt zog. «Unvergeßliche Bilder« nennt Heinrich Kurtzig die Erinnerungen aus seiner Jugendzeit, — aber auch unvergeßlich ur uns, denen sich in diesen Schilderungen echt jüdisches Denken und Empfinden in seiner ganzen Poesie und Schön- „eit offenbart. > | W. L. * «• | Friedrich Hertz: Hans Günther a I-s Rassen- 'forscher. <2., verbess. Auflage), Berlin 1930, Philo Verlag G. m. b. H. t 1 Franz Oppenheimer: Rassenproblem«. Philo Verlag G.m.b.H./Berlin 1930. »Das gemeine Volk haßte in den Juden immer nur die ~ Geldbesitzer/ es war immer das aufgehäufte Metall, welches die Blitze seines Zornes auf die Juden herabzog. Der jedes- «eilige Zeitgeist lieh nun immer jenem Hasse seine Parole. Im Mittelalter . . . schlug man die Juden tot und plünderte ihre Häuser: »weil sie Christus gekreuzigt« — ganz mit derselben Logik, wie auf St. Domingo einige schwarze Christen -ur Zeit der Massaker mit einem Bilde des gekreuzigten Heilands herumliefen und fanaticch schrieen: »Les blancs ■ ont tu^, tuons tous les blancs!« (Heine »Shakespeares Mädchen und Frauen«). Der jetzige Zeitgeist leiht seinem Hasse die Parole des Rasserdünkels. Gegen den Widerspruch der philosophischen Fakultät ist in Jena der »wissenschaftliche« Gewährsmann der Nationalsozialisten Hans Günther zum Professor der Rassenkunde ernannt werden. Der Philo Verlag hat sich ein besonderes Verdienst dadurch erworben, daß er gerade jetzt die Schrift »Hans Günther als Rassenforscher« von UniversitätsprofessorJ Dr. Friedrich Hertz (Halle) in zweiter Auflage herausgegeben hat. Hertz, der durch seine Forschungen über »Rasse und Kultur« (3. Aufl., 1925) bekannt geworden ist, weist nach, daß Günthers Hypothese, alle Kultur sei ein Ausdruck der »Rassenseele«, jeder tatsächlichen Grundlage entbehrt. Während Günther auf der.] einen Seite mit] größtem Nachdruck betont, daß die Rassenseele allen Einflüssen der Umwelt trotze, daß alle Beeinflussung von außen nicht imstande sei,'sie aus den ererbten Bahnen zu lenken, jollen die Juden auf der anderen Seite dieses Wunder doch zustandegebracht habet^, indem sie den anderen Völkern den ihnen fremden »modernen Geist« beibrachten. — Franz Oppenheimer behandelt inj seiner -für Laien geschriebenen Broschü -e die »Rassenprobleme« auf der Grundlage seines letzten Werkes »Rom und die1 Germanen« (Bd. IV des »Systems der Soziologie«). Der Rassenfimmei sei eine spezifische Angelegenheit des Bürgertums, er könne als »Adelsdünkel der RotCrc« bezeichnet werden. Die erste Mißvorstellung der Pseudcwiss :nschaft der Rassenfanatiker sei die. Glcichsetzung von Sp rac tgruppe und Rassengiruppe. Die Sprache {beweise nicht das mindeste für den rassischen Zu-; sammenhang. Ebenso sinnlc s sei die Bemühung, j die Rasseneitelkeit auf gewisse anatomische Eigenschaften des Wusses und namentlich der Schädelform aufzustützen!. Mit dem rein subjektiven Kennzeichen desj »Gefühls der Rasse im eigenen Busen« sei der Bankrott dieser ganzen Gesdiiditkphilosophie offen erklärt. naturwissenschaftliche Rassentheorie sei dagegen, Di« solange sie inj ihren Grenzen schaft. Sie sei bisher zu folge tden Ergebnisse^ der bleibe, ein an laich und sogar sehr wichtiger zweig der biologischen Wissen berechtigter Auffassung von der Rasse gekommen: Die Nachkommen 'seien. ihren Elfern in der Regel sehr ähnlich, aber so gut ^rie niemals vollkommen gleich. Man unterscheide drei Arten von Variationen: Die sogenannt« Mischändcriingl'(Mixovariation) beruhe darauf, daß bei allen höheren Wesen 2 ^Iterp--vorhanden seien, deren Keimsubstanzen sich in deb verfchiei «nsten Weise mischen.'. Qie Erbänderung (Idiovariation) bestehe darin, daß bei den Nächlommen Eigenschaften (erbliche Mutationen oder Sports) anftreten, die inj der' Reihe der Aszendenten nicht nachgcwieten werden können. pie Nebenänderung (Paravariation) enc lieh beruhe auf den Einflüssen der Umgebung und sei nidt erblich. Durch günstige oder ungünstige Einflüsse der Um« eit (insbesondere der ^Ernährung) könnten Erbrassen vorgetäusnt werden, selbs weejn sie nicht bestehen. Durch das Schicksal der Juden seljeinejMenschen-■ Spielart gezüchtet worden, cie ausschaue, :1s sei sie) eine Erbrasse, die es aber wahr:dicinlich nicht sei, sondern nur eine Scheinrasse, deren Elemente durch lanpe Zeit hindurch immer den gleichen Einflüssen der Umwelt"unterworfen gewesen seien: Paravariation, aicht Idiovariatic n. i Die beiden Schriften von Hertz und Oppenheimer sind vorzüglich geeignet, die Sdiemargumente derj Rassenfanatiker zu widerlegen. ,Zur Zelt der Karolinger, als das deutsche "Volk noch viel »rassenreir.ef* als heute war, kannte man keinen Rassenhaß, und die;Kirdie mußte Sich £eg«n den freundschaftlichen Verkehr vp i Juden und Christen wenden. Der wirkliche Grund des Judenhasses trägt 4» nach Heine — die schlaffen, aufgeklärten' Züge eines Krapiers, der sich ängstigt, in; Handel und Wand el von dem jüdischen {Geschäfts-, zweig überflügelt zu werden .. »Man zwang sfej reich zu werden, und haßte sie dann wegen ihres Reichtums, und obgleich jetzt die Christenhe it ihre Vorurteile gegen die ndustrie aufgegeben hat, uid die Christen j in Handel und Gewerbe ebenso große Spitzbuben und ebenso rejeh wie die Juden geworden sind: so ist dennoch an diesien letzteren der traditionelle Volkshaß haften geblieben, daS* Volk sieht in ihnen noch immer die Repräsentanten dps yeldbesitzes und haßt sie. Sehen Sie, in der Weltgeschichte 'hat .jeder recht, sowohl der Hammer als der Amboß«.! Fritz Golc Schmidt (Spinoza-Loge). — 67 —

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