Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1931
- Issue
- Nr. 4 - April
- Date
- 1931-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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eine Aufgabe, einen Stolz, eine Schönheit, ein , Glück, und nicht einen Zwang, so müssen wir konsequent auch unseren inneren Widerstand, und den tatwirklichen äußeren, gegen jüdisches Sondersein im großen Leben draußen aufgeben, müssen wir auch dort bejahen I Aller Vorbehalt und Zwiespalt werden sich lösen, sobald wir das eigentliche innerste Wesen unseres Ordens ergründen, das theoretisch bisher / nicht festgelegt ist, dem noch kein Philosoph sein ■ System unterbaut, noch kein Gesetzgeber seihe steinernen Tafeln gegeben, noch keine Kommentatoren allgemeingültige Erläuterungen geschrieben, noch keine ethischen Pädagogen seine praktischen Leitlinien und Pflichtübungen vorgezeichnet haben. Alles, was wir bisher darüber wissen, erschließen wir, ein jeder mehr oder weniger anders, aus unseren Ritualen, unseren Paßworten.und Symbolen oder aus den Tugenden unserer Devise, die manchmal wie zufällig oder willkürlich gewählt erscheinen, an deren Deutung wir uns seit Jahren mühen und deren Formulierungen unter den Händen unserer Besten andauernd. im Umbau begriffen sind. Auch übe/ dies Wesen unseres Ordens ist heut Gericht. Gelingt es uns, es so zu begreifen, daß wir es freudig bejahen, dann wohl uns vor dem Urteil! Wie für den großen Spinoza das Wesen des Alls, in Wurzel, Verzweigungen und letzten Daseinsformen, aus dem einen einzigen Begriff der Substanz erfloß, wie fast alle jüdischen Philosophien ' von nichts als dem einzigen Namen Gottes ausgingen — so erscheint auch uns das ganze Wesen unseres Ordens aus nichts anderem zu erfließen, als aus seinem Namen. Nichts kann im Wesen dieses Ordens sein, was nicht im Namen stände, und; er allein genügt, um das ganze,. ein großes und vollkommenes System aus ihm zu deduzjeren. Bne Br iss, Söhne des Bundes. Nicht irgend eines, sondern desjenigen Bundes, den unsere Lehren deutlich kennzeichnen: die . Söhne des Bundes Abraham, dem unser Gott beschwor, und der seinem Gotte schwur, daß er :n Segen sein solle. Das ist unser Bund. Vater Abraham schloß ihn dereinst/ seine Nachkommen, A in Volk übernahmen ihn/ wir, Söhne des Bundes on heute, errichteten ihm ein Gleichnis in neuer Form: über den einstmaligen Bund des Blutes maus einen freien Bund des Geistes, eiiien Bund on ethischen Verwirklichen) im Kleinen, innerhalb les größeren Stammesbundes, dem Verwirklichung les Göttlichen im Irdischen als Lebensgebot überfragen wurde. Hiermit sind unserem Bunde auch die steinernen Tafeln gegeben, die wir demnach von keinem neuen Sinai herunterzuholen haben, weder einem platonisdien noch kantis hen, weder einem freimaurerischen noch jesuitisc len, weder einem romantischen noch einem der* n< :uen Sachlichkeiten, wfcder von Rom noch von Mösl;au. Wir haben nur auf die tönend-leuditende Inschrift unserer alten mosaitischen Tafeln zu £chau:n und aus Ihnen zu erhorchen, was drei Jahrtausende jüdisch-menschlichen Denkens daraus gelesen und hineingelernt’ haben. Die Ideologie unseres Bi mdesordens ist die Ideologie des Judentums urd keine ändere! Seine Ethik die unsrige, unse sittliches Lehenssystem dasselbe, das dem Juden ewig Erbe und Aufgabe gewesen ist! .; 1. Nicht alle Elemente des alten Bundes sind in den unseren übernomme 1 worden. Unser Bund prätendiert nidit, Wiederholung oder gar verbesserte Auflage des Judentums sein zu wollen. Ausgeschieden blieb alles rein Religiöse> Des jüdischen Menschen »Zwiegespräch mit .Gott« blieb seiner innersten Herzenstiefe vorb ehalten undder Synagoge, in der diese Tjefe sich öffnet. Unser Tempel will kein Rivale sein und kein Ersatz für die Synagoge. Er ist Laientempel, der Tempel für" das »Zwiegespräch des Menschen mt dem Menschen«. Aus dem ungeheuren Umfang des Gebots,'ein heiliges. Volk zu sein dem Ewigen, unserem Gotte, übernahm unser Bund nur e en irdisch-sozialen Teil: ein Segen zu sein den Menschen. Und somit, o Elen Briss, ist dir gesa;;t, was gut ist und was dein Bund von dir forder Menschen, wie es dem j idischen Blut von altersher eingeträufelt und gelehrt ist — ein wahrer^ Bruder dem Bruder! Bruderschaft ist die des ganzen Seins unseres Merisdi zu sein dem sozialethische Grundlage Volkes. Der Jude neben dem Juden fand in der Schrift keine andere. Bezeichnung als »Bruder«, und die Gesamtheit der Brüder war so feste Ein leit, daß Gottes Du an die Menschen die Gemeinschaft genau so meinte wie ihre Glieder. Die Ganzheit des Bundes trug ethische Solidarhaftung fü ■ jeden einzelnen Bruder. Diese innige seelische Bruderschaft ist in keinem anderen Volk je aufgesta iden. Sie iät uns selber verloren gegangen, sdhot unter denj Nöten im Stammeslande und erst rec it seit unserejr historischen Zersplitterung.! Es war ein Versuch zur nachahmenden Verwirklichung dieses Brudergedankens, . was die nichtjüdischen Orc en verschiedener Prägung unternommen hatten. Ge iau wie es Versuche zur Symbolisierung und Verle >endigung jüdischer Weltgedanken waren, was aen Kep der Ideologien inmitten alles überwuchernden, mystischen Wustes dieser Bruderschaften bilc ete. So wgir denn recht J 59 — -