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Der Orden Bne Briss · 1931-04-01 · Nr. 4 - April · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1931
Issue
Nr. 4 - April
Date
1931-04-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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berechtigt in dem Sinn, Wesen unserer Zeit, Die Beantwortung daß er dem Geist und der lebendigen jüdischen Gegenwart, ihrem Will und Muß entspricht, oder steht er mit ihnen im Widerstreit? dieser Frage steht und. fällt mit der Beantwortung einer andern, einer Grundfrage jüdischen Lebens überhaupt. Einer Grundfrage, die unsere Zeitfrage ist, vor die wir, ob wir wollen oder nicht, in allen Ländern gestellt, in manchen gestoßen werden,- einer Frage, die viele von uns sichtbar beunruhi jt, die grundlegend gegensätzlich beantwortet wird so gegensätzlich, daß sich feindliche. Brüderheere u u sie bilden, und darum so leidenschaftlich’gegens ätzlich, weil tatsächlich von ihrer Entscheidung das Eukunft$schicksal jüdischer Einzelner und jüdischer Gesamtheiten abhängt. Diese Frage lautet: A>sonderut)g von Juden — oder jüdisch-nichtjüdische» Zusammensein. Wohl keiner ist hier, den diese Fragestellung nicht mit Unbehagen dut dirieselt, mil denidumpfen Empfinden, daß da etwa > peinlich, häßlich, unsittlich klingt in dieser Frage, theoretisch unsittlich. Natürlich keine Absonderung! ist der erste Schrei dieses Unbehagens wie unseres unmittelbaren humanitären Empfindens. Und: keine Absonderung! erwidert das Echo des unmittelbaren gesunden Menschenverstandes, der als ihre f ‘olge Entfremdung fürchtet, Aufriß und ^Verbreitung einer Kluft zwischen uns und der Mitwelt,- über die alle Brücken gegenseitigen Kennenlemens, Verstehens und der Verständigung, Zutrauen und friedliche Durchdringung unmöglich werden. Dann aber melden sich vor unserem kritischen Bewußtsein die schlimmen Wirklichkeiten. Ja — aber c ieser Begriff der Absonderung ist doch ein Jar uskopf, trägt doch zwei Gesichter! Es gibt doh aktive und passive Absonderung. Ich sondere mich ab — oderiüh werde abgesondert. Und wenn jch abgesondert werde, ohne und gegen meinen Willen und Wunsch — ist dann meine Isolier tng noch. sittlicher Kritik unterworfen? Und isi sie es — wer danh ist unsittlich und unvemünf ig: ich, der ich abgesondert werde, oder jene Welt, die mich von sich sondert? Nein! Werden Juden wirklich von der Umwelt abgesondert, obwohl sie Vereinigung wünschen, begegnen ihrem wiederholten und beharrlichen Versuch des Eingehens in die Lebensgemeinschaft, ihrem heißen Bemüh« um Identifizierung und Symbiose: Mißtrauen, Ablehnung, Widerstand, Gegenstoß, Intrige, Depossedierung und Entrechtung, hartnäckig und immer wieder — und das war leider in Deutschland der historische Verlauf — — dann, bleibt uns nichts übrig, dann verlangen Menschen« ipnd Judenwürde, daß wir uns auf uns zurückziehen, daß wir zusammenstehen, uns zu Abwehr und Selbsterhaltung aneinanderschließen, unseren Eigenwert fühlen und zu erkennen suchen und ihn um so entschiedener entwickeln, damit die Welt vielleicht ihren Irrtum und ihren Schaden begreife und am Ende einen Rückweg aus ihnen finde. Brüder! Bis zu diesem Punkt gibt es keine Differenzen zwischen uns. Nur: ob jenseits dieser Zwangssonderung und darüber hinaus eine Neigung, ein Streben zu Eigenem berechtigt ist, ein Instinkt engmenschlicher Anlehnung aneinander, zu jüdisch-innerfamiliärem Verkehr, zum Zusammenschluß für gemeinsame, auf,uns begrenzte soziale Ziele, zur kulturellen und politischen Organisation, zur Aufzucht und Entfaltung -unserer Gaben und Eigenarten — — an dieser Stelle gehen die Ansichten auseinander, lind an dieser Stelle, eben hier, haben wir. unsere Antwort zu geben, die zugleich über Bejahung und Verneinung unseres Ordensseins entscheidet. Der Akt der Begründung unseres Distrikts vor 48 Jahren hat die damalige Antwort gegeben. Jene Gründung geschah nicht unter Zwang. 'Die beginnende Absonderungstaktik der Freimaurerlogen und .die Anfänge des deutschen Antisemitismus waren nicht ausschlaggebend. Man konnte gemischte Logen anderer Gattung finden oder gründen, wie etwa die Odd Fellows, wenn man nur dem Zwang oder dem Gebot verletzter Selbstachtung gehorchte. Auch die Erziehungsmotive, die, ein Menschenalter zuvor, an der Wiege der Urentstehung des Ordens in Amerika gestanden hatten, hatten für die Generation unserer Gründer in Deutschland keine Geltung. Damals entschied im letzten Grund keine Verneinung gegen außen, sondern eine Bejahung nach innen. Der Drang, ein eigener Bund sein zu wollen von Brüdern gleichen Bluts, gleicher Art und gleicher Ideale, ein Bund zur Pflege des Menschlichen in jüdischen Formen und Werken — dies Gefüjil war stärker als Bedenken des1 Verstandes gegen mögliche Folgen einer Isolierung. Das war unserer Väter Antwort. Ob wir sie heute yiederholen, wiederholen können urtd wollen, da$ ‘ist unsere Entscheidung, der Urteilsspruch unseres inneren Gerichts, vor dem wir heute stehen. Wenn wir heute draußen, im Leben des Alltags, in Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur, Politijc, dieses Sondersein verneinen, so können wir, siijid wir aufrichtig, unser Sondersein im Orden, seinen Fortbestand und unsere Mitarbeit in ihm, seine Erweiterung und Vertiefung, nicht bejahen. Aber — bejahen wir unsern Orden, finden wir in ihm /• 58

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