Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1931
- Issue
- Nr. 3 - März
- Date
- 1931-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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wird als Legitimation über ihren Besitzer M e I d e s y s t e’m, ei den Mißbrauch der WV Als Ergänzung er| statten für vori — unabhängig vom lusgestellt, welche alle zur Information notwendigen Angaben enthält. Ein i te Kartothek ist eingerichtet, um mderfürsorge auszuschließen. ■j ibt sich die Notwendigkeit, A r b e i t sber gehende Beschäftigung Arbeitsmarkt — zu beschaffen. Die Berliner jüdische Gemeinde ist auf diesem Weg bereits vorangegangen. Das jüdische Elend, das früher^Erlösung auf einer großen Linie ins Weite suchte, ist in stärkere Enge zusammengepreßt. jüdische Aufmerksamkeit, jüdische Fürsorge muß im Interesse des großen Ganzen zur Regulierung bereit sein. A. Gdt. Bücherschau. Georg Fink: M Bruno Cässirer Verlag. Die sozial^Frage kampfes <wie ergreifend sierten Proletariers der ist das. Milieu worden, weil ii ch hungert. Roman, Berlin 1930, 368 S. Preis RM- 7.50. (Ganzleinen), ist in der Literatur heute gewiß nichts Neues oder Ungewöhnliches. Was aber mit Recht diesem Buch außerordentliche Beachtung verschafft hat, ist der Blick» punkt der Betrachtung. Nicht der zu den Höhen der Menschheit Strebende spricht hier rom unters'en Anfang seines Lebens» hat uns davon etwa der Däne N e x ö berichtet), hier wirdden 4. Stand des aufsteigenden, organi» 5. Stand des hoffnungslos verelendeten Lumpenproletariates gej enübcrgestellt. Aus dieser Perspektive des F ungers noch nicht zuvor geschildert i diesen Schichten der Einzelne selten die Fähigkeit, noch weniger aber die Möglichkeit künstlerischer Darstellung besitzt. Die ungewöhnlichen..Voraussetzungen für die Entstehung die: es Buches und dieses Schicksals interessieren in unserem Bruderkreise noch besonders, weil der nkers, der Bruder der Hure und des Diebes seine künsrfertsc ieii und charakterlichen Qualitäten nur aus dem jüdischen Erbt :il seiner verwachsenen Mutter besitzt, unüberwunden« r Krüppelpsychologie dem äußerlich schönen, aber völlig holden Kraftmenschen verfallen ist. Das jüdische Erbteil der vpn ihren Eltern verstoßenen Mutter kommt auch körperlich bei dem schmächtigen Knaben zum Ausdruck, so daß er ohne Erlebnis des Judentums antisemitischen Hänseleien des Vaters und der Mitschüler begegnet. Trotzdem bevahrt er das Klassenempfinden seiner Umgebung, die er ver aten würde, wenn er die leidgeprüfte Mutter, die immer an Waschtrog steht und die nach dem Vater geratenen Gesd iwister ■ verließe, um in der höheren Schure eine Freistelle t's Spielgefährte eines, reichen Bürgersohnes anzunehmen. So entwickelt er zwar wahrhaft künstlerische Fähigkeiten, etwa in der Auffassung musikalischer Werke, aber seine' fohe schauspielerische und literarische Begabung übt sich ausschließlich an seiner Welt des hoffnungslosesten Mietskasernen rlends, in dem die Kinder nie schuldig werden, weil von M itterbrust an niemand ihre Unschuld bewahrt. Hier erfah en wir wie sonst nirgend wo vom Fühlen und Denken derer, »denen nie geholfen werden kann«. Nur wenig Licht ver teißt der Ausblick: »Doch wenn nur Liebe für sie da wäi e in der Welt: sie atmeten vielleicht freier . . doch wie viel vermag diese schlichte Auffassung der Dinge, ohne Besehe nigung, zur Vertiefung unserer Logenarbeit beizutragen f ipt gleichen Verlage erschienene zweite »Hast Du Dich verlaufen?«, der nach vom Verlage zugesandten Erklärung nur Selbsterlebtes schildert, erweist Der inzwischen Roman des Verfassers einer dem Referenten des Autors gleichfalf zwar in zahlreichen Einzelbildern blutvoll die gleiche Welt des Künstlers, in die 1 inabzusteigen sich gewiß verlohnt, aber leider trifft auch seine B ffürchtung zu, daß gerade den Menschen, denen hier seine beso idere Liebe gilt, denen er aufs engste verbunden gewesen sei, picht das Blut des Lebens Angehaucht ist, daß ihr Schicksal ui is romanhaft anmutet. Aber auch hier ist es das In»den»Dingen»stehen, die innerste Beteiligung des Autors, der seine Welt nicht vcileugnet hat, was uns unvergleichliche Aufschlüsse dieser Welt vermittelt, an.>der wir sonst trotl nächster Nähe freml Vorbei gehen und die doch als ewige Wunde unserer Zeit an uns brennt. Heinz Gold Schmidt (Mendelssohn-Loge). Km? Sabatzky: Der Jude in der dramatischen Gestaltung.! Im Stile von Klabunds origineller »Literaturgeschitf te in einer Stunde« hat unser Königsberger Bruder eine von ihm richtig erkannte Lücke auszufüllen unternommen. Aber in der Kürze, wie sie unsere Zeit in gewissem Sinne verlangt, braucht nicht im.mer die Würze zu liegen, vielmehr hätte schon das allenthalben vorhandene Interesse am Theater es gerechtfertigt, etwas ausführlicher und — rein äußerlich — mit mehr Nachdruck als dies in einer kleinen Broschüre möglich ist, die Verweniung des Juden als Bühnenfigur durch die verschiedenen Zeitläufte zu verfolgen. Hiervon abgesehen, kann man sich mit Auswahl und Beurteilung der herangezogenen Stücke ebenso wie mit der Gliederung und dem aus. dem Ganzen gewonnenen Fazit im wesentlichen voll einverstanden erklären: ja, obgleich der Verfasser beruflich im Abwehrkampfe steht, hat er dcch seine wohl absichtlich populär gehaltene Studie, die in ihrer Art gut über das in Frage stehende Spezialgebiet orientiert, frei von jeder Abwehr-Tendenz gehalten. Natürlich ist die Arbeit, der sich Sabatzky mit liebevoller Eit fühlung in den reichen Stoff unterzog, nebenbei aus seiner Berufstätigkeit erwachsen/ denn wie im Leben, hat sich auch in der Kunst, seinem Abbild, eine gewisse Judengegnerschaft, die es durch Aufklärung zä bekämpfen gilt, zu allen Zeiten hin und wieder breit gemacht. Der jüdische Mensch im Verhältnis zu seine/ Umwelt? Das ist die Frage, die schon bei der Betrachtung der mittelalterlichen My-sterien» und Fastnachtsspiele in diesem Zusammenhänge eine wichtige Rolle für Uns spielt, die dann nach Shakespeare bei den Klassikern, vor allem im Zeitalter .der H u m a n i t ä t, zu einem schwerwiegenden dichterischen, ja tragischen Problem aufsteigt, und die auch in der ernst zu nehmenden modernen Literatur bis auf unsere Tage vorwiegend unter dem erfreulichen Gesichtswinkel des allgemein Menschlichen behandelt wird. Gerade das Theater der Gegenwart kommt ja ohne das Bühnenrequisit des Juden kaum mehr aus/ es ist das eine Modeströmung, die, von politischen und anderen Motiven gespeist, mit der Zeit wieder abebben wird und die nur in ihren Auswüchsen eine entschiedene Abwehr verdient, nämlich da, wo sich leider auch jüdische Autoren nicht enthalten, Juden — noch immer — als bloße Witz« bla t typen rein zu Amüsierzwecken auftreten zu lassen. Sie leisten damit meist unbewußt dem Antisemitismus Vorschub, den die besten Geister aller Epochen am wirksamsten eben durch das Medium der Bühne mit der ganzen Wucht 51