Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1931
- Issue
- Nr. 3 - März
- Date
- 1931-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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n. sucht, wird si^ auch find :n, um die Richtigkeit der eigenen Ueberzeugung durch engere persönliche Fühlung mit den Gegrern nachzuprüfen. Und diese ständige Nachprüf mg ist notwendig. Kein ehrlich ringender Mensch kann und darfvon Zweifeln an „ der Rieht igkeit der eigenen Anschauung — erst rechi aber von der Stich» haltigkeit seines bisher gen Verdammungsurteils über den Gegner frei seit- — Aber unser Glaube nicht nur an die irdische Gerechtigkeit der Menschen, sondern auch an ein ül>erirdisch gerechtes Walten hat eine gewaltige Erst rütterung erfahren. Derartige Konflikte und Zweifel hat es zwar immer gegeben. Aber Grad und Umfang ist bedeutend stärker geworden. Audi hierfür ein Beispiel aus dem politisch-sozialen Al tagsleben: Jahrzehnte haben Re >ublikaner und Sozialisten um den demokratischen Volksstaat gerungen. Mit materiellen und ic eellen Opfern. Sie haben ihr Ziel äußerlich erre cht, fühlen sich aber um die Früchte ihrer Arb:it betrogen. Wenigstens glauben sie derart urtei len zu dürfen- — Und auf der Gegenseite ein gleiches Bild. Monarchistischkonservative Volkskraise haben ebenfalls Jahrzehnte hindurch dem ©brigkeitsstaat mit Hingabe und Treue gedient. /Auch ihre staatspolitischen und weltanschaulichen/ Ideale sind vernichtet. Hier wie dort scheint die Weltgeschichte ihren Sinn verloren zu haben , auf beiden Seiten zweifelt man an der Logik des (ieschehens oder an göttlicher Güte. Stets wird zun ichst nach persönlicher Schuld einzelner Menschen od y Menschengruppen gesucht. Die Zwangsläufigkeit wirtschaftlich-weltgeschichtlicher Entwicklungstendenzen oder die Unergründlichkeit göttlicher Allmacht bleibt verkannt. Hier wird die Notwendigkeit einer traditionell - konservativen Geisteshaltung, dort cas gleiche Erfordernis revolutionärer Neugestaltu ig nicht genügend gewürdigt. Wiederum ein Beispiel: Jahrzehntelang «urde um die Arbeitslosenversicherung gekäm >ft. Nicht nur von Arbeitnehmern, sondern < uch von sozialpolitisch - fortschrittlichen Arbeitj ebem. ' Nun die Erwerbs» Josenfürsorge Ges :tz geworden, sind beide Parteien unzufrieden und verbittert. Beide Gruppen genügend scharf, ob haft vorhandenen Grundidee zu suchet Setzung in die Praxis anderen sozialen Pro>l Wirkung resp. deren kannt und wiederum Fehle gesucht. So meiaerung, daß alle oder umgekehrt, daß unterscheiden nämlich nicht jnd inwieweit die unzweifei« Ijlnvollkommenheiten in der sind, oder in deren Um« Auch hier — wie bei vielen emen — wird Ursache und Wechselbeziehung oft vernach persönlicher Schuld und mtsteht dann die Verallge« Arbeitgeber unsozial seien, Arbeitsscheu, und allzu große Begehrlichkeit in den Reihen der Erwerbslosen wie auch' anderer Hilfsbedürftiger allgemein herrsche. Einander kennenlernen! Das ist die erste Voraussetzung um einander zu verstehen und auch im schärfsten Kampfe zu achten, den wir nicht verhindern können, ja des Fortschritts halber nicht missen wollen. Es mag eingewendet werden,' daß die weltanschaulichen, beruflichen, politischen und geisteswissenschaftlichen Führer in dieser Hinsicht versagt hätten, indem sie <hewußt oder ungewollt — vielleicht aber auch zwangsläufig) die trennenden und somit zu bekämpfenden Meinungen überspitzt hätten, anstatt die breite Masse zuriVolksgemeinschaft. zu führen. Zweifellos sind wir in dieser Hinsicht oft enttäuscht worden. Aber wir dürfen auch nicht ungerecht drteilen: Welcher pazifistische Führer z. B. könnte es heute wagen, seiner ihm vertrauenden Gefolgschaft die berechtigten Kernpunkte eines militaristischen Programms oder die Zweifelsfragen des eigenen Standpunkts in vollster Offenheit zu zeigen Px Dasist nur im engsten Kreise besonders vertrauter und verständiger Gesinnungsfreunde möglich. In öffentlicher Versammlung jedoch, insbesondere in politischen Kampfzeiten, kann ein derartiges Vorgehen kaum verlangt werden. Solche Führer würden hinweggejagt werden. Ihr auf Volksversöhnung gerichteter Sinn würde nur eine um so größere Radikalisierung zeitigen, weil die Massen sich von ihren Führern verraten wähnten. Wir eikennen an diesem <der klareren Erkenntnis halber bewußt verallgemeinerten) Beispiel die Abhängigkeit der Führer von dem — allerdings oft selber erweckten und übersteigerten — Massengeist.' Sowohl der irregehende Massenwahn, wie die Massensehnsucht nach irgend welchen Idealen >st auf Kampf, Sieg oder Unterliegen eingestellt. Das Ziel muß der Masse stets klar und deutlich, ohne jede Problematik, gezeigt werden. Also ohne oder doch ohne allzu große Hervorhebung gegnerischer Ideologien, die das eigene Ideal verdunkeln könnten. Die Masse verlangt zum mindesten die Hoffnung auf einen möglichst baldigen Teilerfolg. Die Forderung nach einer von Menschenliebe, Gerechtigkeit und Duldsamkeit getragenen Volksgemeinschaft bedingt jedoch zunächst ein Verzichten und Nachgeben zugunsten der Mitmenschen anderer Einstellung. Keine »Organisation« wird den Anfang machen wollen, sofern sie in absehbarer Zeit in den Besitz der Macht zu gelangen hofft, ihre wesentlichsten Grundforderungen durchsetzen zu. können. Stets werden ihre Führer befürchten, daß ein Versöhnungswerk voller Zugeständnisse von den Anhängern wie Gegnern als Eingeständnis der Schwäche bewertet werden könnte, also nur 46 — j