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Der Orden Bne Briss · 1931-03-01 · Nr. 3 - März · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1931
Issue
Nr. 3 - März
Date
1931-03-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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c. Führer and Gefolge. „ Sehnsuchtsvoll schauen wir nach derartigen Führern aus, die uns aus den Nöten der Zeit herausheben und somit unsem Idealen näher bringen. Gleichviel, ob in politischer, wirtschaftlicher, geistiger oder seelischer Hinsicht. Die kulturelle Wirrnis unserer Zeit. hat bisher keinen rettenden Führer erstehen lassen.7) In unserer Gegenwartsnot können wir aber gar nicht erkennen, ob diese oder jene aus Menschenmund gekündete Idee nicht doch viel stärker schon tinser Denken und Handeln — in größerem oder geringerem Ausmaß — bereits bestimmt hat, als wir anzunehmen bereit sind. Noch viel weniger werden wir anerkennen, "daß wir in unserm Wollen, Denken und Fühlen auch von Menschen anderer Geisteshaltung und Weltanschauung oftmals entscheidend beeinflußt werden. Fs ist dies aber eine höchst beglückende Tatsache, die von der inneren Verbundenheit selbst der im Tageskampf gegnerisch eingestellten Menschen zeugt. Keineswegs aber, erfolgt diese Beeinflussung immer nur durch die neuschöpferisdie Ideenkraft sittlich ganz besonders starker und geistig höchst überragender Persönlichkeiten. Kraftnaturen mit —angeborener oder angeeigneter — legaler oder mindest zunächst unlegaler — Machtbefugnis führen nämlich nicht immer auch wirklich empor, sondern sie v e r - iühren nicht selten zu einer gedankenlosen Befolgung, zu einem uniformierten Denken — oder vielmehr: Nichtdenken. Nutzlos und gefährlich deshalb die Klage über das Fehlen genialer Führerpersönlichkeiten, deren Wort ausschlaggebend und deren Macht entscheidend wirkt. Zweifellos zeigt uns die Weltgeschichte und auch die Gegenwart genügend Vorbilder dieser Art. Ihr Genius sollte uns aber viel zu hoch sein, um eine: rein äußerliche Nachahmung zu erstreben. Andere Zeiten und^ andere Länder erfordern andere Führer und erst recht andere Führungsmethoden.8) In allen Lagern wuchs die seelische Bereitschaft zur Anerkennung berufenen Führungskönnens bereits derart stark an, daß schon schwächender Pessimismus entstand, weil sich die Hoffnung bisher nicht erfüllte. Pseudo-Führern wurde deshalb allzu bereitwillig zu einer unverdienten und höchst gefährlichen Macht verhölfen/ andererseits durchaus befähigten, wenn auch vielleicht nicht, genialen Führern keine ausreichende Zeit gewährt, ihr ') Rechts ruft man nach einem Bismarck oder Mussolini, links nach Bebel oder Lenin. *) Ein Cäsar oder Napoleon, ein Friedrich der Große oder Bismarck dürfte heute nicht nur äußerlich andere Maßnahmen treffen, sondern auch andere Idleengänge verfolgen. Ein Mussolini würde heute kaum in Rußland, ein Lenin nicht in Italien zur weltgeschichtlichen Bedeutung kommen. ' — 45 r Leistungsvermögen zu s eigem. Wenn der erhoffte Erfolg nicht sofort sicht! ar wurde, so erfolgte;allzu’ schnell Ablehnung, wern nicht gar Verdammung. Es gibt aber nicht nur aus äußerer oder innerer Macht“ herrschende, sondern au h dienend^ Führer. Sie witken nicht durch $ roße Taten, sondern durch •die schlichte Selbstverständlichkeit ihres Wesens. Dieses dienende Führe:;um darf von jedem von uns gefordert werden Es ist nachähml ar. Hierfür einige Beispiele: - Da lebt z. B. in unserm Hause ein schlichter Arbeiter aus einem uns politisch'cder weltanschaulich ganz entgegengesetzten L^ger, Trotz steten Daseinskampfes kommt er -4bei aller Wahrung seiner Ideale — seinen staatsbürgerlichen, beruflichen und familii menschlichen Pflichten gewissenhaft und vorbile lieh nach, j Er zwingt uns, auch in dem Gegnei den nadi alem Guten, Schönen und Edlen rin 'enden'Meosch :n zu achten, ihn in seiner Persönlichkeit und nicht als" Parteimann zu werten. Eng benachbart, wc hnen Christen und Juden, Gottesgläübige und F eidenker, Arbeitgeber und »nehmer, Pazifisten unc Militaristein. (Was hindert uns, einmal mit ihnen uns trennend^ Fragen zu besprechen, um somit auch in fremde Gedankengänge einzudringen. So, wie sie sind, und nicht derart, wie sie uns seitenp der Führer, Zeitungen usw. in ag tatorisch notwendiger Zuspitzung dargestellt w trden. , Der Freidenker wü de erleben, welche tiefen sittlichen Werte der Glaube für die wahrhaft Gläubigen in sich birgt. Er wird zwar nicht vom Atheisten zum Kirchenfrommen werden, aber die Gefühle rel giös gestimmter Menschen achten. j Der Arbeitslose w rd die Sörgein und Nöte des Mittelstandes wenigstens einigermaßen verstehen lernen, der Frstbesoldete d e materiellen und seelischen Schwie dgkeiten, un,t>r denen der Erwerbslose leidet. ■ , Vielfältig ließen sidi diese Beispie le erweitern; Aber leider leben wirtro z aller Zusammenpferdiung (insbesondere in der Großstadt) allzu auseinander, statt miteinander. Wir sind durch. B Idung, Beruf und Stand einander fremd geworden. Schon die alltägliche Umgangsspri die ist pfr eine andere. Aber die weltansdiauliche und politische Zerklüftung geht doch — man kann es “in dieser Hinsicht getrost als erfreulich jezeichnen —jdurch alle Lebenskreise. Wir haben doch heufe-Ptfeidenker und Gläubige, Angeh jrige aller Konfessionen, politisch rechts und links t adikal eingestellte Personen, > junge und alte Menschen mit konservativer, evolutionärer und revolutio lärer Gesinnung, Pazifisten und Militaristen, Republikaner und Monarchisten in allen Berufs- und Ges »llschaftsgruppen. Ja, sogar innerhalb unserer engsten Verwandtschaft und. Bekanntschaft.' Wer also ernstlich c|ie Gelegenheit

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