Mannheim
Compact Memory

Der Orden Bne Briss · 1931-03-01 · Nr. 3 - März · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1931
Issue
Nr. 3 - März
Date
1931-03-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/6727475-6029203-6074846--2583-4869170
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

)ie Rechtsgemeinschaft trat an die Steile des ndividuums, das nicht mehr eigenmächtig zutn Sihutze persönlichen Eigentums oder zur Wahrung gekränkter Ehre zum Schwerte greifen durfte ■nmer seltener wurde der Tod als Sühne verengt.3) Gewiß waren die einzelnen Stadien der löherwjsrtung menschlichen Lebens und menschlicher Würde im Zeitmaß allzu lang und im Umfang nur gering. Und doch bildeten sie die Voraus» ,etzung zu weiterer Höherentwicklung. Auch unsere heutigen Erkenntnisse und Bestrebungen zu einem uttlich» kulturellen, geistigen und wirtschaftlichen - Menschheitsaufstieg — also zur Wahrwerdung unserer Ideale — werden künftigen Generationen wahrscheinlich ebenso klein und nichtig, wenn nicht gar unverständlich erscheinen, wie uns die entsprechenden Maßnahmen vorangegangener Geschlechter.4) Menschenliebe, Gerechtigkeit und Duldsamkeit! Zeitgebunden und somit unvollkommen war die Auslegung, erst recht die Verwirklichung dieser sittlichen Postulate in der Vergangenheit.* Da es sich aber um Ideale handelt, wird auch der Zukunft keine restlose Lösung dieser Menschheitsfragen gelingen. Das Gebot der Gewissensfreiheit, die Anerkennung des Lebensrechtes für religiöse und volkliche Minderheiten, derTdleranzbegriff durfte einem früheren Geschlecht schon als in gewaltiger Menschheitsfortschritt erscheinen Wir aber können uns mit dieser nur negativen Duldsamkeit nicht mehr begnügen, sondern fordern eine positive Gleichberechtigung im Staats- und Kulturleben. Denn wir haben erlebt, daß Toleranz allzu leicht zu mitleidig-duldender Geringschätzung wird, anstatt berechtigte und notwendige Eigenheiten der Mitmenschen rückhaltlos-freudig anzuerkennen. Und unsere Enkel werden’ diesen Begriff vielleicht wiedef ganz anders auslegen, tim seinem idealen Inhalt näher zu kommen. Jede Generation und jeder Mensch muß sich somit dauernd mühen, den zeitlichen Sinn der Ideale zu 3) Der Kriegsgefangene wurde nicht mehr Unterschiedes getötet, sondern »nur« versklavt. Der Dieb nicht mehr gehenkt, sondern einer allerdings oft grausamen Leibesstrafe unterworfen. Anstatt des Feuertodes traf den Ketzer ein (praktisch immer milder wirkender) Kirchenbann. Audi dem kriegerischen Töten wurden ständig engere Grenzen gezogen. (Eis sei nur an die Genfer Konvention (Rotes Kreuz) erinnert). 4) Unverständlich erscheint es uns heute — und doch' war es goitesfürchiige Menschenliebe — den Ketzer dem Feuertode zu überantworten, um seine Seele zu retten. Gs entsprach dem jeweiligen Gerechtigkeitsbegriff, wegen geringfügiger Verbrechen zu töten, und es war nach damaligen Zeitbegriffen schon Duldsamkeit, den Schuldner nicht mehr zu versklaven, sondern in den Schuldtui'm zu werfen. Der Idee — wenn auch nicht der J^orm — nach, war es wiederum ein Fortschiitt, ein — heute natürlich abzulehnendes — Schutzjudentum zu schaffen, d. h. den Fürsten, Städten usw. die Pflicht der Gerechtigkeit gegenüber den sonst völlig vogelfreien Juden aufzuerlegen. erkennen und von ihrem zeitlosen! Ziel'zu trennen. Jeder von uns sollte wenigstens pl erfühlen suchen, welches Maximum an Leistung ef gelber vollbringen kann und will. j j So läge eine logishe Untersuchung nahe, welche der drei Forderungen ju|i. leichtesten erreichbar sein dürfte, Wohl wlajen diese Träger der menschlichen Gesellsd aft nicjht zu allen Zeiten und nicht bei allen Völkern imitier einander völlig gleich stark vorhanden. Selbst ift der engen Gemeinschaft räumlich uni zeiiliih bei einander wohnender Menschen gleicher Hshnat, Sprache und Sitte, gleicher Kultur und Weltanschauung zeigen •sich Unterschiede.5) Müllig also zu' untersuchen, welche Aufgabe am leidigsten zu erfüllen, falsch aber auch die Frage, ob samkeit oder Menschen Gerechtigkeit »oder Duldiebe |der Ziele höchstes sein dürfte. Es ist unmöglich, ein Ideal gegen das andere auszuspielen. Insbesondere bei unserer sich wechselseitig bedingenden und * ergänzenden Dreiforderung. B. Brückenbau znr Volksgemeinschaft. Jenseits eines treftn Stromes liegt das Sehnsuchtsland, in dessen p iradiesi: dren Gefilden unsere Ideale — wie wir hoffen — Wirklichkeit werden. Klippen und Riffe diesseits und jenseits, strudelnde Wirbel und orkanhalte*Stünne lassen jedoch den Uebergang zunächst ut möglich erscheinen. Unduldsam, ungerecht und nenschhejitsfiassend dünkt uns die Naturgewalt. Verzweifelt irrt der Einzdlmensch am Ufer einher. Endlich entdeckt er eine Stelle, an der die Fluten nur leise!Wellenj werfen. Ihnen vertraut er Sich nun an. Und wenn der kühne Schwimmer begnadet, so ^rrelcht er auch das jenseitige Ufer. Aber einsam wird er dann im Ideal-Land weilen. Niemand erfährt, ob er das Ziel auch wirklich erreicht, ob der Einsatz des Lebens lohnte, und dort drüben die Erfüllung alles Höffens winkt. Man wagt nicht, dem Vorbild zu folgen- Höchst uns eher erscheint es, sich den Fluten der Menschenliebe anzuvf ftrauen. — Nun bilden sich kleine Gemeinschaften einander ver- Sie jbauen den Steg der schwankenden Steg, stehjender Menschen Duldsamkeit. Einen der vielleicht einen kleinen Teil dieser gesinnungs- 6) Der Eine kommt und dann erst zur Erke ■ Mitmensch — vielleicht sog n Standes — umgekehrt aus zur Gerechtigkeit. Dulds i engen 'Starrheit formaler wiederum bedarf der Gewi, um' nicht fortschrittsfeind i zu zeitigen — 43 — durch Gerechtigkeit zur Duldsamkeit ntnis wahrer Menschenliebe. Sein r des gleichen Berufs- und Bildungs- Menschenliebe durch Duldsamkeit me Menschenliebe erlöst aus der Gerechtigkeit, Und Duldsamkeit ssensschärfung durch Gerechtigkeit, iche Gleichgültigkeit und Schwäche

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.