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Der Orden Bne Briss · 1931-03-01 · Nr. 3 - März · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1931
Issue
Nr. 3 - März
Date
1931-03-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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staatsbürgerliche Berechtigung aller Stände zu fordern, allen Menschen Lebensraum und Lebensrecht, Entwiddungsfreiheit und Aufstiegsmöglichkeit zu geben, ln wirtschaft lich»sozialer und auch iri geistig-seelischer Hinsicht. — Wer wußte bei der erstmaligen Kündung, ob der Monotheismus und die Sittengesetze der Libel, die Heilslehren der einzelnen Religionen, ot die verschiedenen, philosophischen, naturwissenschaftlichen und sonstigen Erkenntnisse der Wis ienschaft, ob alle diese Wünsche, Hoffnungen ,uid Verheißungen heilsamwahre* Ideale oder trüge risch - schädliche Illusionen waren. Wer konnte im Mittelalter an die Durchführung eines <a!s Idea gewiß ersehnten) Landfriedens glauben? _ Se es auch nur innerhalb räumlich noch so geringer Grenzen. Selbst unser Geschlecht verneinte vc* noch nicht 2 Jahrzehnten jede Möglichkeit, auch n ir das rein äußerliche Gebilde eines Völkerbundes jemals errichten zu können. Und da sollten wir das Recht haben, an der Tatwerdung einer Volksgemeinschaft öder an einem ewigen Frieden innerhalt und außerhalb doch meist nur zufälliger Landesgren;:en zu zweifeln! —- Einmal wurden alle diese und andere Ideale einer ungläubigen Menschheit verkündet. Einmal wurden und werden sie zur Wirklichkeit, wenn auch in vielleicht äußerlich andete Gestalt, als ihre zunächst verspotteten und verfem en Propheten vermeinten. Denn .jedesmal stand e ie erhobene Forderung in Widerspruch zu Sitte und Gewohnheit, . zum geltenden Recht und zur^gültigen Wirtschaftsordnung. Menschen waren es — allerdings göttlich beseelte Irdische — die uns unsere Ideale kündeten. Menschen wie wir wäre en zu ihren Jüngern, die jene Verheißungen in X tten umsetzten. Wenn wir deshalb an Menschenliebe, Gerechtigkeit und Duldsamkeit mit aller Inbrunst der Seele glauben, dann werden diese heute leid er meist nur ideal-sittlichen Eostulate dereinst auch tatsächlich stützende Postamente der ganzen menst hlichen Gesellschaft werden. Ideale sind närclith durchaus nicht verschwommene Hirngesjfiuste weltfremder Träumer, sondern wirklich erreichb ire“ Möglichkeiten. Vorausgesetzt allerdings, daß es sich um wahre Ideale, nicht um Illusionen handelt. In dieser Hinsicht hat aber die Menschheit imiier und wieder geirrt. Oft genug in geradezu gr< uenhafter Weise. Es gilt" daher, die seltsame Eigenheit und wunderbare Kraft der Ideale klar zu ernennen: Ideale haben zwar.keine o b~Je k t i v - r e a I e Existenz,- >er doch in unserm gewinnen somit höchst reale Geltung für all unser Tun und Lassen. So kinn denn schließlich ein Ideal sie existieren Bewußtsein unc auch nur seelisch erfühlt werden. Das Gefühl ist aber ein sehr unsicherer Wertmesser und Wegweiser.1) Wenn man somit an die Wahrheit sittlicher Ideale nur glauben oder aber an ihr zweifeln kann, $o darf dies natürlich -nicht zur Ausschaltung der Vernunft führen. Allzu leicht würden sonst höchst gefährliche Illusionen entstehen. Und so sollte denn der Einzelmensch entweder jeden Ansatz zur Verwirklichung der von ihm als .wahr vermeinten Ideale mit aller Kraft fördern oder aber mit gleicher Kraft bekämpfen. Selbstverständlich nach kritischster Prüfung sowohl der eigenen, wie auch gegnerischen Meinung. Wissen wir doch, daß jedem Menschheitsfortschritt die stärkste Gefahr durch die breite .Masse der Lauen und Gleichgültigen droht.2) Es ist eine seelisch zweifellos außerordentlich belastende Erkenntnis, daß so viele biblische Idealforderungen zwar seit Jahrtausenden von allen Kulturvölkern anerkannt werden, trolzdep aber nie restlos verwirklicht werden konnten. So das dem Gebot »Du sollst nicht töten!« zugrunde liegende Ideal von der Heiligkeit eines jeden Menschenlebens. Auch heute gibt es nicht nur immer noch Mörder, sondern man glaubt ebenfalls, wie in grauer Vorzeit, vergossenes Blut nur mit Blut wieder sühnen zu können. Weiteste Kreise, unabhängig jvon Weltanschauung und Bildungsgrad, vermeinen, den organisierten Massenmord des Krieges nicht verhindern zu dürfen. Mit ethischen und logischen Erwägungen werden diese Ansichten begründet. Wohl kann man deren Richtigkeit bezweifeln und bekämpfen. Aber man gewinnt hierdurch nicht das Recht, die Anhänger der Todesstrafe und der kriegerischen Lösung von Völkerkonflikten sittlich zu ächten. Vorausgesetzt allerdings, daß diese Ansichten in gewissenhafter Nachprüfung der Gegenmeinung entstanden. Aber wenn auch selbst das so selbstverständliche Tötungsverbot bisher immer nur ein Ideal geblieben, so schränkte doch das Gesellschaftsgewissen dem Einzelmenschen immer mehr das Recht ein, selbstherrlich über Tod und Leben des Kriegsgefangenen, Sklaven, Rechtsverletzers oder gar von Frau und Kind zu entscheiden. ’) Selbst manche technische Erfindung, derin Realität doch an sich logisch beweisbar, kam der Menschheit erst verspätet zugute, wenn sie nicht gar verloren ging. Lediglich deshalb, weil die zeitgenössischen Fachleute ihre Richtigkeit nicht einsehen konnten, oder aber aus Eigennutz nicht anerkennen wollten. Die Richtigkeit von Idealen ist erst recht nicht beweisbar. Ihre Verwirklichung wird noch viel größere — tatsächliche oder vermeintliche — Nachteile für diese oder jene Kreise zeitigen als irgend eine den Wirtschaftsprozeß umgestaitende Erfindung öder geistige Neu-Erkenntnis. -) In politischer Hinsicht hat die »Partei der Nichtwähler«, , in kulturellen Fragen di£ Masse der Indifferenten oftmals viel entscheidender als der Widerstand der Gegner gewirkt. 42

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