Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1931
- Issue
- Nr. 2 - Februar
- Date
- 1931-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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! Leben ohne genügend Luft, Licht und Sonne oder ein ungesandes Klima das' Aussehen seines Gesichtes »bis zur Unkenntlichkeit« entstellen können, so können die entsprechenden Einflüsse seiner geistig «seelischen Umwelt sein geistig «seelisches »Gesicht« — das körperlich bis zu einem gewissen Grade als »Gesichtsausdruck« eine unseren Sinnen wahrnehmbare Form gewinnt — den Menschen »bis zur Unkenntlichkeit« verändern. Und hier setzt die verantwortungsvolle Arbeit des Erziehers ein. So wenig es einem noch' so geschickten Fachmann der Kosmetik möglich ist, aus einem blauäugigen einen schwarzäugigen Menschen zu machen — wenn er auch sonst 'durch kunstvolle Methoden einen Blonden in einen Brünetten verhandeln kann — so wenig ein Gymnastiklehrer aus einem zierlichen, kleinen, schwächlichen Mann einen klobigen, großen, riesenstarken Athleten zu entwickeln vermag — so wenig vermag ein Erzieher aus einem auf Grund ererbter Anlagen rohen, egoistischen, gefühlsarmen Individuum einen feinfühligen, hochgradig identi« fizierungsfähigen, leidenschaftlichen Menschen heran« zubilden. So groß aber die Fülle der Entwicklungsmöglichkeiten auf körperlichem Gebiet, so groß ist sie auch bzgl. der geistig» seelischen Eigenschaften und damit des menschlichen Charakters. Und da die Gemeinschaft der Menschen sich zusammensetzt aus der Summe der einzelnen Individuen, ist der einzige Weg, der dem einzelnen zur-Beeinflussung der Menschheit gegeben ist, der Weg über die Formung und Beinflussung der Einzelindividuen- Dieser Weg aber ist am leichtesten zugänglich und am erfolgreichsten zu begehen in der frühesten Jugend, und so muß, wer Menschenliebe pflegen und entwickeln will, mit seiner Arbeit am Mitmenschen beginnen bei der allerersten Entfaltung der kindlichen Seele also zu dem Zeitpunkt, wo das Kleinkind .eben reif wird, sich als Individuum in einer Gemeinschaft selbständig zu bewegen. Aber nicht nur, wer — wie es vielleicht manchem scheinen mag — aus einer persönlichen Marotteheraus für die Pflege und Förderung der Menschenliebe sich einsetzen will, muß diesen Weg gehen, sondern, wer überhaupt mitarbeiten will an der Höherentwicklung der Menschheit, muß sich in dieser Richtung bewegen. Wir sahen ja, daßzweifellos die -große Linie naturgesetzlicher biologischer Entwicklung von der kleinsten zur größten Gemeinschaft von der Familie zur Menschheit führt, und aus dieser Entwicklung wächst ja alles das heraus, was uns als Zivilisation und Kultur das Leben lebenswert macht. $o ist also die Menschenliebe im Grunde1 der zentrale Seelentrieb des Menschen, der als eigentlicher Motor Endes bedingt. Pflege fühls, soweit es eben überhaupt heißt alle menschliche Höhei en twijc kl u ng letzten und Stärkung dieses Ge« einer*Entwicklung ohne weiteres an Genscher 11 u m s und der Wir werden also an jeden druck, drakonische Befolgung eines wie begründeten im Einzelwesen fähig isj, der Entwicklung des Mensch heit arbeiten, pädagogischen Reformator, der uns ein neues Erziehungssystem präsenti zrt, als erstes die iFräge stellen müssen: Welchen Platz nimmt in deinem System die Entfaltung ind Forderung des Identifizierungsgefühles, d. h. der Met schenliebe ein? Treten wir von diesem Gesichtspunkt ausgehend an unsere modernen Pädagogen heran, so müssen wir es zweifellos als ricstig und biologisch wie aus der Völkergeschichte j fut begründet anerkennen, wenn sie behaupten, es sei völlig irrig anzunehmen, daß man durch GewaltmaßnaBmen irgend welcher Art, Autoritäts Strenge, äußeren Zwang zui religiös-dogmatisch oder sonst Sittengesetzes das Kind am leichtesten und sichersten zur Selbstbeherrschung, zur Rücksichtnahme, zum »Altruismus« bringen, also all die Eigenschaften ihm einpflar zen könne, die es später1 zu einem harmonischen Leben __ brauche/ daß auch das gute Beispiel der Erwachsenen, so hoch man es erzieherisch in vieler Beziehung veranschlagen möge, durchaus ungenügend sei, das Kind zu einem hochwertigen Gemeirtschaftswesen zu erziehen, daß es vielnjehr nur guten und sicheren Weg gebe, führe, nämlich den, das. Kinld schon in seinem dritten Lebensjahre mittenhinein zu stellen in eine größere Gemeinschaft von seinesgleichen, “in der es ohne den Druck der Brwachsenenautorität, in einer kindgemäßet i, seinem Reifezustand angepaßten Umgebung sein selbständiges Leben mit zwar kindlichem aber in seineij Art durchaus vollwertigem, seinem Reif« :grad entsprechendem Ernst leben könne, wo es neben all dem, was zur Entfaltung und Entwicklung seiner individuellen Anlagen und Eigenschaften nötig ist, vor allem die Möglichkeit fände, in -erzieherische Wechselwirkung zu treten mit seinesgleichen!'und-so von den frühesten Anfängen seiner | Bewußtheit an in naturgemäßer Weise gezwungen sei, den Ausgleich zwischen Individualismus und Sozialismus zy suchen. Denn als freieis Individuum in der Gemeinschaft lebend, wird iss -sehr.bald die Erfahrung machen, daß die Freiheit seines kleinen Ich Schranken findet. Aber diese Schranken werden nicht in dem Kindganz j unverständlicherweise durch autoritative Erwachsenenbefehle gesetzt, nicht das r»du sollst, du mußt, du darfst« der elterlichen einen wirklich der zu diesem Ziele. 29