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Der Orden Bne Briss · 1931-01-01 · Nr. 1 - Januar · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1931
Issue
Nr. 1 - Januar
Date
1931-01-01
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
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Am 14. und 18. April 1928 wurde Südbulgarien von einem verheerenden Erdbeben heimgesucht. Ein Drittel der jüdischen Bevölkerung dulgariens wurde obdachlos und erwerbslos. Aus eigenen Mitteln und aus dem Ergebnis einer sofort eingeleiteten Sanmlung überwies der Hilfsverein rund Rm. 25.000. 1 Im gleichen Jahre brach in Mittel' und Südbes- ^arabcen infolge fortgese zter Mißernten seit 1924, die 1928 ihren Höhepunkt erreichten, eine schreckliche Hungersnot aus. Bessarabien ist ein ausgesprochen landwirtschaftliches Gebiet, in dem viele Juden Landwirtschaft .betreiben oder in ihrem Erwerbsleben von ier Ernte abhängig sind. Der 'Hilfsverein konnte 1929 Rn. 29.600 für Bessarabienhilfe zur Verfügung stellen. Lieber Aktionen des H il.fsvereins in Polen und Litauen auf dem Gebiete der Kinder ürsorge wird am Schluß berichtet. Im August 1930 erfo gte seitens des Präsidiums des Hilfsvereins, der zugunster 'der bedrückten und verfolgten Juden des Ostens seit sein :m Bestehen vielfach interveniert hat, aus Anlaß schwerer Exzesse' gegen die rumänischen Juden in Kimpolung, Boticha, Suczawa, Bacaleana und anderen Orten ein Praleststhreibenan den MJ nisterpräsidentei D r. Maniu. Auswanderung. Nad dem Kriege setzte in Einwan' derungsländern ein sich ständ g erweiternder und verschärfender Abwehrkampf gegen unerv ünschte Einwanderung ein, die jetzt in katastrophaler W‘ :ise für Angehörige bestimmter Staaten beschränkt ist. - Die Vereinigten Staate: i, die vor dem Kriege gewaltige Auswanderermassen aufnah nen, haben durch strenge Restrik- ■ tionsgesetze vom Jahre 19c 1 und 1924 die Einwanderung kontingentiert, und zwar du xh Quoten; aufgestellt auf Grund eines selektiven Prinzips, c as sich u. a. speziell gegen die Einwanderung aus Süd- Uri d Osteuropa richtet. Es liegt die Tendenz zugrunde, den Zustrom von Einwanderertypen zu verlangsamen, von denen a ngenommen wird, daß ,sie nicht gleich zu assimilieren sind and daß sie eine Gefahr für das soziale, politische und ökonomische Leben der Vereinigten Staaten bedeuten. Das E nwanderungseinsdiränkungsgesetz wirkt sich in verhängnisvoll r Weise gegen die Juden aus Ost* europa aus. Im Fiskaljahre 1921 konnten noch 119036 Juden einwandern. Nach dem C esetz von 1924 fielen die Zahlen auf: Fiskaljahr 1925: 10 2 >2, 192*;: 10 267, 1927: 11 483, 1.928: 11 639,. 1929: 12 47), 1930: 11 526. Kanada treibt eine, von gleichen Tendenz« n. beherrschte, wenn auch anders gestaltete — nicht auf Qi oten basierte — AbschließungS' politik. Australien besdir inkt seit 1928 die Einwanderung aus gewissen süd- und ost :uropäischen Ländern. Die Sü«L' afrikanische Union hat 1930, beunruhigt über den abnehmenden Strom nordischer Einwanderung und die zunehmende Einanderung aus Osteuiopa, ganz winzige Qciotenzahlen für die letztere festgesetzt. G tatemala und Peru schließen u. a. Angehörige einer. Anzahl süd- und osteuropäischer Länder von der Einwanderung gan : aus. England, das schon durch ein besonderes Gesetz vo n Jahre 1905 die Einwanderung erschwerfe, hat sie seit det i Kriege aufs stärkste beschränkt. Das Asylrecht für Flüchtlinge aus religiösen1 Gründen ist Joch nicht wieder hergestellt woi den. Fast alte kontinentalen und überseeischen Länder haben außer aus sanitären Gründen aus wirtschaftlichen oder politi sehen Mötiven die Einwanderung Die gegenwärtige, ökonomische Weltkrise hat eine radilu le Hemmung det Einwanderung seitens der größten Übersee ischen Staaten zur Folge. bedeutet in ihren letzten Auswirmit weitreichenden Folgen, für Auswandererfürsorge kungen Wiederaufbauarbei den Auswanderer wie auch gegebenenfalls für seine im Osten zurückbleibende Familie. Auf Grund der Beschlüsse der internationalen Konferenz der großen jüdischen Gesellschaften', die am 4. und 5. Dezember 1904 im Frankfurt a. M. auf Initiative des Hilfs- Vereins stattfand, wurde unter Mitwirkung der Großloge für Deutschland ein Zentralbüro für jüdische Auswanderungsangelegenheiten als Abteilung des Hilfsvereins der Deutschen Juden gegründet. Der Hilfsverein hat nach dem Kriege seine Organisation für die Auswanderung den veränderten Verhältnissen angepaßt. Außer der Zentrale in Berlin sind die Komitees in Hamburg und Bremen die Hauptberatungsstellen für einzelne Auswan' derer oder Familien. Vertrauensleute des Hilfsvereins fungieren in Eydtkuhnen, Königsberg-Pr., Ly de, Neu-Bentschen, Osnabrück, Bentheim, Aachen. Bahnhofsdienste, bei denen auch Nichtjuden Fürsorge erwiesen wird, werden in Berlin, Neu-Bentschen und Osnabrück unterhalten. In Berlin ist dem Hilfsverrinr von der Bahnbehörde ein großer Saal im Schlesischen Bahnhof zur Verfügung gestellt worden. Der Hilfsverein gewährt u. a. dem Hilfsausschuß für jüdische.Durchwanderer in Köln und der Jüdischen Zentralwohlfahrtsstelle im Gebiete der Freien Stadt Danzig finanzielle Unterstützung. Seit 1921 ist der Hilfsverein vom Reichswanderungsamt als gemeinnützige Auskunftsstelle für jüdische Durchwanderung und Auswanderung anerkannt. Der Durchwandererverkehr belief sich im Schlesischen Bahnhof Berlin von 1921 — 1930 auf 315000 Aus- und Rückwanderer/ in Stentsch-Neu Bentschen 19^2—1930 auf 104 000 Personen. Die Zahl der Jüdischen Auswanderer über Hamburg und Bremen betrug in den Jahren 1921-1930 rund 70000 Personen. Der Hilfsverein gibt seit 1922 wieder ein Korrespondenzblatt über Auswanderung!- und Siedlungswesen heraus. In dem Blatte, das an Behörden, Konsulate, Organisationen des In- und Auslandes gesandt und Emigrationswilligen zur Verfügung gestellt wir^, wird u. a. auch die Restriktionspolitik eingehend dargestellt und bekämpft. ‘ Ihre besondere Anerkennung bezüglich des Korrespondenzblattes haben das Internationale Arbeitsamt in Genf und das Deutsche Auswärtige Amt zum Ausdruck gebracht. Der Hilfsverein steht, wie bereits vor dem Kriege, in enger Verbindung mit der Jewish Colonization Association, die sein Emigrationswerk seit vielen jahren in hohem Maße fördert, mit Hicem (Hias-Ica- Emigdirect) und anderen großen Organisationen. Im Jahre 1927 ist der Hilfsverein der Permanenten Konferenz privater Organisationen für Wandererschutz in Genf beigetreten, ferner dem Beratungskomitee für Flüchtlingsangelegenheiten beim Völkerbund. Schulwerk und Kinderfürsorjre . Das Schulwerk des Hilfsvereins vor dem Kriege, war eine Schöpfung, in der der Geist des Orients und des Okzidents sich vereinigten. Innerhalb eines Jahrzehnts wurde vom Hilfsverein in der europäischen und asiatischen Türkei — Palästina — systematisch ein Schulwerk aufgebaut, das Kindergärten, Elementarschulen, Mittelschule, Handelsrealschule, Rabbinerkursus und Lehrerseminar umfaßte und eine wichtige Mission erfüllt hat. Auch das Technikum in Haifa verdankt dem Hilfsverein seine Begründung. In den letzten Jahren hat der Hilfsverein begonnen, sich auf kulturellem Gebiete, insbesondere auf dem Gebiete der Jugendfürsorge, wieder stärker zu betätigen — in Polen, Litauen und Rumänien. 1 20

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