Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1931
- Issue
- Nr. 1 - Januar
- Date
- 1931-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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*1 Logeiiprogramm und Logengedanke. Von Fritr Goldschmidt (Spinoza-Loge). In einem Vortrage, den Br. Expr. Sammy Gronemann im vorigen Jahre in der Spinoza-Loge hielt, streifte er die Frage der Programmgestaltung der Logen. Er verglich die Vortragsthemen mit denen der Literaturvereine und wies darauf hin, daß vor dem Kriege das Thema « . .N. und die Juden« beliebt gewesen sei. Vorträge wie »Goethe und die Juden«, »Schiller und die Juden«, »Bismarch und die Juden« hätten sich gehäuft. Diese Vorträge, ' in denen die Stellung eines einzelnen zum Judentum und detiojuden behandelt worden seien, hätten mehr Aufschluß über die einzelne Persönlichkeit als über Wesen und Charakter des Judentums gegeben Nach dem Weltkriege habe man das Thema »Die Juden und . . .« bevorzugt: »Die Juden und die Literatur«, »Die Juden und die Kunst«, »Die Juden und die Politik« usw. Diese Themen 'hätten mehr Licht auf Juden und Judentum selbst geworfen. , Im Anschluß an diesen Vortrag wurde öfters die Frage aufgeworfen, ob für eine Großstadtloge solche und allgemein bildende Vorträge überhaupt zweckentsprechend seien. Manche Brüder machten geltetid, man habe in der Großstadt jederzeit Gelegenheit, ih Hochschulen, Akademien, philosophischen, geschichtlichen und literarischen Vereinen1 sich die Vorträge hervorragender Redner anzuhören. Es bestehe kein Bedürfnis, daß m den Logen die gleichen Vorträge — zum Teil vielleicht von weniger sachkundigen Referenten — gehalten würden. Die Tatsache, daß die Brüder einer Großstadtloge Gelegenheit haben, sich auf allen Gebieten der Kunst und, Wissenschaft fortzubilden, ist nicht zu bestreiten. Wenn wir Großstadtmenschen aber ath ' Ende eines Jahres mit uns selbst zu Rate gehen und uns Rechenschaft ablegen wollen, in welchem Umfange wir von den uns zur Verfügung stehenden Bildungsmöglichkeiten Gebrauch gemacht haben, so werden nur sehr wenige feststellen können, daß sie sich tatsächlich intensiver fnft Fragen beschäftigt haben, die außerhalb der Interessensphäre ihres Berufslebens liegen. Durch 1 das Hetztempo der Arbeit und des Lebens in d|er Großstadt sind die meisten Menschen des Abends so ermüdet, daß sie nicht mehr die Spannkraft jaufbringen, sich ohne einen gelinden gesellschaftlicjhen oder moralischen Zwang zu, berufsfremder geistiger Arbeit aüfzuraffen. Diesen gelinden Zwang abefüben die Logen aus. Sie verhindern es, daß uniere Brüder der fortschreitenden Technisierung und Spezialisierung zum Opfer fallen, daß sie den Zusammenhang mit dem allgemein geistigen Leben utjd Streben unserer Zeit verlieren. Es dürfte deshalb] verfehlt sein, wenn unsere Logen es aufgeben wqllten, durch Vorträge Und Aussprachen die Brüder über Fragen des, allgemeinen und jüdischen Geisteslebens zu unterrichten. i | . In der Spinoza-Loge haben wir uns aber die Frage vorgelegt, wie wir daneben bei\tler Programmgestaltung das rejin Logenmäßige stärker hervortreten lassen können-' Wir bemühen uns, schön bei der Auswahl der Vortragsthemen darauf Rücksicht zu nehmen, daß unsere Gemeinschaft" ein Bruderbund ist, daß bei uns,das Gefühl der brüderlichen Verbundenheit geweckt und gestärkt werden -1 soll. Dabei sind wir weise« eingegangen, Februarheft 1930 der der Großloge für den I. O. B. B.« gegeben l at. Br. Weltsch geht davon aus, Toten in würdiger Weise feiern. juf »Anregungen und Hindie Bri Felix Weltsch im »B'nai B'rith, Monatsblätter cechoslovakischen Staat X. , ( - : daß wir unsere Bei den Trauerreden über Verstürbe ne Brüder höre man von Charakterzügen, Eigc nheiten,. Eigenschaften, von denen man bisher n chts gewußt habe „ und die vielleicht geeignet gewesen wäten, uns^ dem Bruder näher zu bringen. Erst wenn die Brüder tot seien, erführen wir meist, was zu wissen notwendig gewesen wäre, wenn inan ihnen hätte näher.treten wollen. Jeder Mensdi'sei interessant,- man müsse nur den Punkt kennet^, wo er interessant werde. Br. Weltsch schlägt nun in paradoxer Ausdrucksweise »Nekrologe bei Lebzeiten« vor. Wenn ein Bruder seinen 50. Geburtstag oder sein zwanzigjähriges Logenjubiläum feiere), so sei es besser, anstatt ihm einige Lobsprüche und' Glückwünsche ins verlegene Gesicht zu sagen, ihn zu veranlassen, zu Hause zu bleiben, und ihn pann. in der~Weise zu feiern, daß ein Freund oder Kenner, seines Lebens in seiner Abwesenheit einen kleinen Vortrag über Leben und Wesen, Laufbahn und Erfolge, Glück ünd Unglück, Kenntnisse unc Liebhabereien, Vor* züge, Eigenschaften und Fehler dös Jubilars halte ( ~ Dem Ausgangspunkte < er Ausführungen des Bf. Weltsch stimmten wir in der Spinoza-Loge allgemein zu. Wir halt;n aber gegen die »Nekrologe bei Lebzeiten« anlä Mich festlicher Gelegenheiten Bedenken. Deshalb sind vir der Anregung in folgender Form nach jekomir en: In jedem Monat veranstalten wir ein :n Logenabend, an dem zwei Brüder uns eine k.trzgefafte Darstellung ihres’ eigenen Lebens geben. Zunächst haben wir diesen; Berichten das Thema: »Interessantes aus dem Berufsi 15