Mannheim
Compact Memory

Der Orden Bne Briss · 1930-12-01 · Nr. 12 - Dezember · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1930
Issue
Nr. 12 - Dezember
Date
1930-12-01
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/6727475-6029149-6074839--2531-4869120
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

I gehört zu den wenigen Juden, die sich mit der Erforschung jüdischer Grabmalkunst befassen. Es ist .merkwürdig,, wie wenig Sympathie diese Materie bei den Juden findet, gleichsam als' hätten sie eine Abneigun.;, sich mit Friedhöfen zu befassen. Dies steht offensichtlid mit der sonstigen Einstellung der Juden den Gräbern gegei lüber . in Widerspruch. Cdhn liefert eine überaus lesenswi rte Geschichte der jüdischen Begräbnisstätten, von den ältesten Seiten bis zur Gegenwart und verrät in seinen Eff: uterungen der alten Begräbnisarten ein gutes talmudisches Wissen. Wenn er weiter eingehend über die jüdischen Katakomben berichtet, so ist dies besonders verdienstvoll, denn die Kenntnis von diesen ist bei der breiten Masse der Juden noch wenig verbreitet. Aber gerade darum, weil sich aut diesen Katakomben ein Stüde nationaler Geschichte herauslirst, geeignet, das Selbstbewußtsein der Juden zu stärken, st das kleine'Werk sehr empfehlenswert, besonders auch für die jüdische-Jugend'. Auch könnte in den Logen anhand der Angaben des Büchleins ein interessantes Referat gehalten werden, was ich ebenso empfehlen möchte wie die Anschaffung für unsere Büchereien. Dr.! ing. Grotte. Marcus Ehrenpreis männer. Heinebund, Der Heinebund nimmt der Gegenwart bereits eine man kann gar nicht oft ist, ihn durch Beitritt zu hat in der Auswahl der Bl Ifropheten und Gottes« 1930. innerhalb des jüdischen Schaffens festumrissene Stellung ein, und genug betonen, wie notwendig, es jnterstützen. Der Herausgeber nde eine außerordentlich glückliche Hand. Marcus Ehrenpreis war erst vor zwei Jahren mit seinem Buche: Das Land zwischen Orient und Occident, der spanischen Reise eines Juden, vor die Mitglieder des Heinebundes getreten. Jetz: schildert er uns Propheten und Gottesmänner. ' Wenn es heute viele unter, den gegenwärtigen Juden geben wird, die sich nicht leicht dazu entschließen — dies bleibt für alle Fälle bedauei lieh — die Bibel in vollem Umfange zu lesen, hier werd :n ihnen in Visionen die großen Gestalten der jüdischen Vergangenheit nahegebracht. Wenn auch der Verfasser sjch eng an die Bibelstellen anschließt und deren Nachweis im ein :elnen gibt, so entstehen vielleicht gerade dadurch Bildet von 'ewaltiger Kraft. Mose-; Amos, Jesaja, Jeremia, Hesekiel, Deutero-Jesaja und Esra erleben wir hier. Wir schauen mit Ehrenpreis in Mose den Gründer Israels, sehen in Amos den Hirten als Propheten, erleben die ehrwürdigen Prophetengest tlten von Jesajas und Jeremias. Hesekiel, der Prophet als Seelsorger, Deutero-Jesaja, der leidende Gottesknecht, führen zu Esra, dem Gründer des Judentums. Vieles sagt E hrenpreis bewußt mit Beziehung auf unsere eigene Zeit, t nd es ist erstaunlich, in welchem Umfange die herrlichen Mi 'orte der Propheten modern sind und in den Sorgen und Nöten des Alltags Aufrichtung und Trost gewähren können. Dat Herausheben aus diesen gewiß den Einzelnen oft zermürbend en Kümmernissen in das Reich seelischer Besinnung ist die Frucht der Lektüre eines solchen Werkes. Es eignet sich sehr dazu, in feierlichen Stunden vor ieinem Kreise andächtig gestimmter Menschen gelesen zu werden. Dr Willy C o h n. Wi hi Herzberg, Dr. i w r i j i m, Jüdische Famil ei durch Jechiel Michel Pines Preis brosch. 1 $ 50, Lein Das Buch »Jüdische Fr bei seinem ersten Erschein! n Kitwe misch padia Hebräische übersetzt Binjamin-Jerusalem, elms npapiere ins A. und R. 1 I 75. milienpapiere« von .Herzberg, das vor etwa 60 Jahren großes Auf¬ :n sehen erregte und drei Auflagen erlebte,, liegt jetzt in hebräischer Uebertragung vorj Das verdanken wjr der Großloge! in Palästina und der JerUscholajim-Loge. In treu-brüderlicher Verbundenheit haben siS anläßlich des 100. Geburtstages von Wilhelm Herzberg, dem Begründer des UOBB. im Heiligen Lande, die Fortführung jund Vollendung dieser Uebersetzung angeregt I und sie mit erheblichen materiellen Opfern in-ge-' schmackvpller Ausstattung heraüsge'.eben. Dadurch haben die Herausgejber das hebräisdje Schrifttum um ein wertvolles Buch bereichert, f j Der Uebersetzer R. Binjamin hat seine Aufgabe trefflich gelöst. Indem, er die Vorarbeiten Smolenskis und Pines geschickt verwertete und der Uebersetzung. eine ausführliche Einleitung vorausschickte, die über «Herzberg, den Mann und sein Werk wertvolle Aufschlüsse . gibt. Die- Kürzung des 22. Briefes und die Zusammenfassung der Briefe von 24 bis 29 durch eine entsprechende Inhaltsangabe erhöhen den Wert dieser Ausgabe, die sich durch eine gut gepflegte, an das klassische Hebräisch erinnernde Sprache auTzeichnct-, so daß manche Stellen, insbesondere die Fainilienpapiere am Schlüsse, wie prophetische Visionen klingen. Eine eingehende Besprechung des Buches selbst erübrigt sich, da aus früheren Zeitep glänzende Urteile von Israel Abrahams, David Kaufmann, Pjcrez Smolensk) u. a. m. vorliegen. Es sei auch daijan erinnert, daß Nahida Ruth Lazarus noch vor ihrem-Uebertfitt zum Judentum Uerzberg den Autor ihres L i e b 1 i n.g s b uich e s' nannte, das jhr ein ganz neues ■ inneres Leben erschlossen habe. Die großartige Eigentümlichkeit dieses Buches besteht nach Kaufmann darin, »daß es Verstand und Gemüt sprechen lasse, daß es mit Gründer) niedersdtlage und mit Gefühlen erschüttere . » . . ., daß es erwärmend überzeugt und beweisend entflamme«. Das Buch von Hertberg im hebräischen Gewände wird — so hoffen und wünschen wir — viel dazu beitragen, die jüdische Bevölkerung in Palästina und in den Nachbarländern, die durch die erhöhte Missionstätigkeit in den letzten Jahren gefährdet isjt, im Väterglapben zu befestigen. Denn in keinem anderen Buche — so schreibt Kaufmann — ist die Sache des Judentums mit so außerordentliche^ Gewandtheit und sö glühender Begeisterung gegen das Christentum geführt worden wie hfer. Vielleicht »wird aber auch die hebräische Uebwsetzung aus dem Morgenlande das Original dem Abendlande in Erinnerung bringen und es trotzdes veränderten Geschmackes bei uns von neuem einführen. Denn es gehört nach Kaufmann zu jenen Büchern, die man in jedem Jahre einmal lesen kann, bei deren wiederholtem Lesea immer neue Seiten ihre Schönheit uns erschließen. Die Märtyrergeschichte der Esther von Tanger in dem 16. Briefe wäre noch jetzt als Lektüre für die Jugead sehr ‘ geeignet. j E. F. Thomas Mann:/'»Deutsehe Ansprache. Ein Appell an die V e r ft u n ft.*) 1930. F. Fischer Verlag, Berlin. Preis 0,50 M.j j . Wenn der Nobelpreisträger Thomas Mann — neben Gerhart Hauptmann i wohl der repräsentativste deutsche Schriftsteller r— sich aus Sorge um die Zukunft des States und der Wirtschaft veranlaßt steht,, einen staatspoiitiseben »Appell an die Vermjnft« zu richten, so darf auch unser Orden daran nicht achtes Vorübergehen. ' *> Diese Mitteilungen werden wiedergegeben, weil sie nicht Parteipolitik, sondjefn Staatspolitik enthalten. 237

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.