Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 12 - Dezember
- Date
- 1930-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/6727475-6029149-6074839--2526-4869115- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Seesen 1× ep/1048106
OCR text
4 Die Zentral wohlfahrtsstelle der deutschen Juden/ Von Dr. Bella'Schlesinger, Berlin. Um über Wesen und Art der jüdischen Organi» sationen die zutreffendsten Gesichtspunkte unseren Lesern über mtteln zu können, naben wir an die Organisator en die Bitte gerichtet, uns einige Ausführungen i ber. ihre Grundlagen jbezw. die aktuellen Geschi hnisse zu übermitteln. In dankenswerter Wei < ist unseren Wünschen entsprochen worden. Wir veröffentlichen zunächst einige Aus» _ führungen iber die Zentral wohlfahrtsstelle der - deutschen Julen. Red. Die Zentr;iIwohl7ahrtsstelle der deutschen Juden jst die Spitzpnorganisation der gesamten jüdiscien Wohlfahrtspflege in Deutschland. Im Jahre 1917 wurde'sie von der Großloge für Deutschland U.O.B.B., dem Deutsm-Israelitischen Gemeindebund ut d dem Jüdischen! Frauenbund ins Leben gerufen Sie ist vom Reich und von. den Ländern als Reichsypitzcn verband anerkannt und steit als solcher neben der Inneren Mission, dem Deutschen Caritas-Verband, dem Deutschen Roten" Kreuz usw. Seit 1924 ist sie mit fünf anderen] Reichsspitzenverfciänden in der Deutschen Liga der freien Wohlfahrtspflege zusammengeschlossen Sie vertritt die G e - samtinteressctider jüdischen Wohl* fahtspflege g<rgeniiber den Behörden und den interkonfessioneller und jüdischen Organisationen. Im Beginn det Tätigkeit der ZWfST standen im Vordergrund die Arbeiten zur^iilderung der wirtschaftlichen Nötejd er Kriegs¬ und Inflationszeit. So wurpen durch Vermittlung der ZW 5T Reichsmittel gn notleidende jüdische Wohlfah tsanstalten und -einrichtungen weitergeleitet, ebe iso in den Jahren 1922—24 die Spenden des American Joint Distribution Committee. Gleichzeitig setztet -durch die ZWST Bestrebungen zur Belebung der S,e 1 b st h i!l f e ein. 1923 erfolgte die Begründung der Sammlung »Jüdische Not«, einer zentralisierten Sammlung von laufenden Privatbeiträgen zumonatlichen Ver eiktng an notleidende Berliner Hinrichtungen. Gemeinsam mit der Hauptstelle für jüdische Wanderfü rsorge und dem Deutsch-Uraelitisd en Gemeindebund hat die ZWST sodann im Jahre 1929 die »Aktion der deutschen Juden für Erzieht ng und Arbeit« b egründet, deren Aufgabe eine zentrale Sammlung fü‘ die Anstalten der jüdischen Füi sorgeerziehung und für die jüdische Arbeiterko onie ist. ’ JT Anmerkung Für weitere Umgaben, auch über die Literatur uncf Stati tik, vgl. hier den z.T. mitverwerteten Artikel über »Zent alwohlfahrtsstelle der deutschen Juden« Band V, ferner den Artikel »Jüdische ir > Handwörterbuch der Wohlfahrtspflege, in »Jüdisches Lexikon Wohlfahrtspflege dem Führer durch d e jüdische Wohlfahrtspflege in Deutsdiland, die Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege 1929, S. 106, sowie die Tä :igkeitsberichte der ZWST (zuletzt vom Jahre 1929). Zu den wichtigsten Aufgaben dkr ZWST gehörte seit ihrem Bestehen (der sachliche und methodische Ausbau der j ü - dischen WohTfahrtspfleg^ in Deutschland. Die Organisationsarbeit ist nunmehr fm wesentlichen durchgeführt: 19 (Landes- und Provinzialverbände der jüdischen Vv ohlfahrtspflege und 72 örtliche Wohlfahrtszentralen, die über ganz Deutschland verbreitet sind, sind der ZWST angegliedert. Im folgenden seien nun kurz die Hauptarbeitsgebiete der ZWST geschildert. Die ZWST tritt überall für den Ausbau der jüdischen Jugendwohlfahrtspflege im Sinne des Reichsjugendwohlfahrtsgesetzes ein (Vertretung in den Jugendämtern, Regelung des Vormundschafts» und Pflegestellenwesens usw.>. Besonders sind hier die — wesentlich auch n vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebund und von per Jüdischen Gemeinde zu Berlin getragenen und geförderten — Bestrebungen zur Reform der jüdischen Fürsorgeerziehung und die Gründung des neuen Jugend» und Lehrheimes für männliche Jugendliche in Wolzig zu erwähnen, sodann die Bestrebungen zur Entwicklung der Schwererziehbarepfürsorge (Mitwirkung, bei der Begründung des Heilerziehungsheims in Marburg a. L., Ausbau der Beratungsstellen für schwer erziehbare Kinder und Jugendliche), die Mitarbeit im »Reichszusammenschluß für soziale Gerichtshilfe, Gefangenen- und Entlassenenfürsorge«, sowie die Unterstützung aller Bestrebungen auf den —^ auch von den Logen U.O.B B( stets als besonders wesentlich angesehenen — Gebieten des Frauen», Mäddjen- und Kinderschutzes. Im Jahre 1927 wurde von der ZWST der ■Anstoß zur Begründung des Reichsausschusses der Jüdischen Jugend verbände als Träger der sozialen Aufgaben der in ihm zusammengeschlossenen gesamten jüdischen Jugendbewegung gegeben. Dem Reichsausschuß steht ein Erholungsheim in dem der ZWST gehörenden Jacobsonheim in Seesen zur Verfügung. Gemeinsam insbesondere mit dem Reichsausschuß, der Großloge und dem Frauenbund ist die ZWST in den letzten drei Jahren erfolgreich für die Gründung von Jugend- und Gemeindeheimen eingetreten.' Auf dem Gebiete det Gesundheitsfürsorge soll in erster Reihe die Arbeit der jüdischen Tuberkulosenfürsotge genannt werden, die durch den »Offenen Fjonds« Zuschüsse für Heilkuren gewährt, für die f Schaffung notwendiger — 232