Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 12 - Dezember
- Date
- 1930-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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das Judentum untragbar seien / insbesondere wäre die Einführung des namenlosen Tages, des jour blanc, wie er genannt wird, indiskutabel, und die Juden wären gezwungen ihren Sabbat in jedem Jahr an einem anderen Wochentag zu feiern. Rabbiner M. Fürst deutete in seinem Expose an, daß diesem Dilemma nur durch Einführung der Sdialtwoche oder des Schaltmonates begegnet werden könnte. Nachdem noch einige, Mitglieder des Ausschusses Fragen gestellt hatten, wurden die Herren entlassen. Diese Herren bildeten, um die Entwicklung der Kalenderreform stets im Auge behalten und bekämpfen zu können, ein »Comite Israelite concernant la reforme du Calendrier«, dessen Sekretär Herr Dr, Lewenstein-Zürich ist. Von dort aus ging ein alarmierender Brief zunächst nur an sämtliche Rabbiner französisch sprechender Bevölkerung und heuer auch an die deutschen Rabbiner hinaus, der die gegenwärtige Situation und besonders die drphenden Gefahren eindringlich schildert. Seit dem Abschluß der Vorarbeiten dieses Ausschusses zum Studium der Kalenderreform haben sich in den einzelnen Staaten Studienkomitees gebildet. Besondeis in Amerika wird eine große Propaganda entfaltet, welche für jlas 13-Monat»Jahr wirbt. In Deutschland besteht schon seit Jahren ein Verein »Gesellschaft'zur Förderung der Blochmannsehen Kalenderreform« mit dem Sitz in Kiel, der eifrig tätig ist. Jetzt hat sich auch in Deutschland ein »Nationales Studienkomitee« gebildet/ dieser Ausschuß verbreitet durch seine Mitglieder, die Vertreter der verschiedensten Organisationen sind, bei den Beamten und Angestellten, bei der Wirtschaft und Technik mit Erfolg den Gedanken' einer Kalenderreform und zwar ziemlich unverhüllt zugunsten der Blochmannschen Ideen, welche dem Vorschlag »B« des Völkerbundes entsprechen. Im Haushaltausschuß des Preußischen Landtags ist' in diesem Frühjahr ein Antrag zur Vorlage der Blochmannschen Reform vor dem Reichstag angenommen worden. Der Reichstag hat am 18. Juni 1930 diesen Vorschlag befürwortet. Mittlerweile hat die Sowjetrepublik die 5»Tage»Woche <4 Arbeits¬ und ein Ruhetag) eingeführt. In Amerika bürgert sich immer mehr die Woche; mit 5 Arbeitstagen ein (Samstag und Sonntag sjnd Ruhetage), was für die Erhaltung des Sabbats! günstig wäre, wenn nicht noch“ dazu die Kalenderreformbestrebungen kämen. Denn die Propaganda macht alljährlich die öffentliche Meinung hierfür immer mehr bereit / immer geringer wird der Glaube an die Richtigkeit und Unantastbarkeit der bisherigen Ordnung. Dazu kommt, daß bei den christlichen Völkern die Festsetzung des Osterfestes bestimmte Formen annimmt. Es entspricht durchaus nicht den Tatsachen, wie es in der jüdisjefaen Presse zu lesen stand, daß der Vatikan gegen eine Fixierung des Osterfestes und gegen eine Kalenderrefoijn sei/ So hat sich der Direktor der Vatikanischen Bibliotheken, Kardinal D, Ehrle für die.BlochtnannscheKalenderrefonp sdion 1925 ausgesprochen. Der Vatikan hat dem Völkerbund gegenüber seine grundsätzliche Zustimmung zur Festsetzung des Osterfestes ajuf ein bestimmtes Datum gegeben, lediglich unter zwei Vorbehalten: a) Die Gründe, welche die Äenderungen veranlassen, müßten auf einem ökumenischen Konzil, (das demnächst nach sechzigjäriger Pause zusa^nmjentreten soll), geprüft werden / b) alle anderen Konfessioner müßten mit jder Festsetzung einverstanden,sein. *<1 Solange der Jahreskalender niht fest ist, könnte immerhin die Schwankung des O iterfestes aikf eine Woche reduziert werden/ sobald aber der-Kalender reformiert sein wird, soll das Osterfest auf den 8. April, also auf den zweiten Sonntag im April gelegt werden. ‘ - j Es ist ersichtlich, daß die. Rcformbestrebuijgen in die religiösen Belange des Judentums ^ufs schwerste eingreifen.J Es besteht vor allem 1 die Gefahr, daß wiederum eine fals che Taktik eingeschlagen wird, nämlich daß zu :pät. versucht 'rird ^3uf die öffentliche Meinung einzuwiricen. Wenn nämlich der Einfluß: auf die öffentliche Meinung erst dann versucht wird, wenn diese sich bereits für eine bestimmte Reform entschieden hat, werjden die heftigsten Versuche nichts jerreidien alüjdie Gegensätze zwischer uns und | den nichtjüdischen Mitbürgern zu verstärken. Es kommt hinzu, daß bei Einführung der namenlosen T(age von der gi-oßen Mehrheit des Judentums, die demi Liberalismus rfahe steht, diese Einführung anerkajnnt werden wird, weil sie zugleich die historisch bedeutungsvolle und für das religiöse Gewissen dieser Juden entlastende Möglichkeit bietet, dieSabbatfeierfmit demSonntag zu vereinigen. Wenn aber eir.e Kaien soll, muß heute schon energische Pr und Nichtjuden gegen die Vorsc bundes gemacht werden/ aber' nicht nur negjative Arbeit darf geleistet werden, sondern es muß ein jReformvorschlag gebracht werden, der für alle braut fibar ist, und dies ist der Vorschlag der (Schaltwoche, der den Zyklus der sieben Tagle nicht ändert .Wie erwähnt, ist dieser Vorschlag der Sdibltwothe vom Völkerbund nicht |empfohlen worden, weil er alle 5 bis 6 Jahre Schaltjahre bringt, diiejjum 7, Tage größer wären wie die normalen Jahre. Dieser Vorschlag beseitigt aber im übrigen auch! jalle Mängel wie die Vorschläge B und C des Völkerbundsausschusses. Er paßt sich besonders günstigem Jahr zu 13 Monaten, also dejn Vorschlag C pn. rtderreform kommen ropaganda bei Juden chläge des Völker« — 931 —