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Der Orden Bne Briss · 1930-12-01 · Nr. 12 - Dezember · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1930
Issue
Nr. 12 - Dezember
Date
1930-12-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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über hinaus zeitlebens magister liberarum artium -zu bleiben, Forscher und Lehlrer der freien Künste, Interpret "des Geistigen und Kulturellen überhaupt Aus diesem Umkreis haben w i r und auf dem Boden, auf dem wir uns in dieser Stunde befinden, den Blick noch zu richten auf die andere Kompontnte seiner Persönlichkeit, auf den Ausgangspunkt »einer geistigen Art, wie wir ein» gangs hervorgeh' >ben haben, auf das' j ü d i s ch e Eie» ment in ihm, ur d dessen Auswirkung im Ganzen seines geistigen Schaffens. Dieses jüdische Element hat niemals aufj ehört, ihn mitzubesjtimmen. Es hat keine Zeit seit es Lebens gegeben, in der er sich nicht auch um j idisch-geistige Angelegenheiten gekümmert, über üdische Dinge gearbeitet und vorgetragen hätte.| Aber es hat Zeiten gegeben, in denen diese Interessen vor anderen zurücktraten, wie sie andererseits im letzten Jahrzehnt seines Lebens wieder stärker hervorgetreten sind — ein Vorgang, der vpohl äußerem- Anstoß mitentspringen mag, in d^r Hauptsache aber auf innere Motive zurückgehr, auf den Kreislauf auch des Seelenlebens, in den» das. Ende wieder zum Anfang strebt und im beginnenden Alter die Eindrücke der Jugend sich regenerieren. Jedenfalls, daß er als Präsident der jüdischen Loge von uns^ ging, ist . der Abschluß einer Entwicklung, die als ebenso bedeutsam wie harmonisch von uns empfunden wird, und das Bild der jüdischen Persönlichkeit gradlinig vollendet, als die Simchowitz in unserer Erinnerung foitleben wird. — Schon im Jahre 1897 hat er als Berichterstatter der K- Z. über den Baseler ersten Zionistenkongreß einen ebenso sachlich klugen, w e von der Wärme jüdischen Gefühls durchströmten Bericht geschrieben ,• »der Ghettojude«, heißt es da unter anderem, »lebte in sittlicher Beziehung ein VoIIeben, er war eine harmonische Natur, nicht fragmentarisch, wie der jetzige Jude.« Er hat danrj im Laufe der Jahre, zumal in der Blütezeit d§r Vereine der jüdischen Geschichte und Literatur, üb er _ die mannigfachsten Gebiete aus Wesen; Entw icklung und Schrifttum des Judentums in seiner eb inso ‘leicht faßlichen und geschmackvollen, *wie aen Grund der Dinge aufhellenden Art hundertfach sich .verbreitet- Aber ganz nahe auf dem Boden dieser jüdischen Gemeinschaftsinteressen ist er uns poch erst in den letzten Jahren gekommen. Id c erinnere an seine Tätigkeit für die jüdische Sone erschau der Pressa; da hat er in einer Propagandasihrift das geistvolle Wort geprägt: »Die jüdische Pfesse ist innerhalb des Makrokosmus der Weltpresse rin Mikrokosmos, ein Aulom koton, eine in sich vollständige kleine Welt.« Wie er in diesem Satz an dem hebräischen Ausdruck »Aulom koton« für Mikrokosmos nicht vörl>eigeht, wie man die Freude herausspürt, die er ar diesem ebenso gedrungenen Begriff wie volltönenden Laut empfindet, so wächst oder erwacht wieder seine Neigung und Beschäftigung mit der hebräischen Sprache auf Grund seiner Kindheits- und Jugendliebe für ein Buch, für das Buch, für das Buch der Bücher, für die Bibel,- einer Liebe, von der er mit dem Propheten bekennen durfte, daß sie, aus -Elternhaus und Schulbank, mit ihm »hinausge;:ogen war in die Wüste de» Lebens, in unbesätes, dürres, fruchtkarges Ackerland«. Da haben wir hier in der Loge seine begeisterten Ausführungen über die hebräische Sprache gehört, ihre Schönheit, ihre Ordnung, ihr inneres Leben / da hat er sich, als ich die Buber-Rosenzweig'sdie Bibelübersetzung besprach und mancherlei Bedenken äußerte, mit wuchtigen Argumenten an meine Seite gestellt — meiner Empfindung nach aus der un> beiden gleichen Einstellung zur Lebendigkeit des biblischen Worts, dem man im Bestreben, sein letztes Geheimnis’zu enthüllen, die Urkraft seines Geheimnisses entzieht. Da hat er bei der Mendelssohn-Gedächtnisfeier das Bild des großen jüdischen Philosophen und seine Zeit und Bedeutung in klassischen Zügen aufgerollt, im letzten Winter über die jüdischen Mystiker tiefschürfende Vorträge gehalten, die in ihm selber eine bis dahin verborgene Seite seines Innenlebens aufrührten, und für den laufenden Winter im Lehrhaus eine Vorlesung üb:r die jiddische Literatur angesag? — wo'rin wohl erst recht der Eindruck seiner frühen Jugend, die damalige Nähe zum unverfälschten ostjüdischen Element vibriert und mitgeklungen hätte, um aus den Tiefen des inzwischen Schrifttum' gewordenen Jargons zu schöpfen, seine Kraft und' Würde und historische Berechtigung den Zuhörernnahezubringen. Mit ganz besonderen Empfindungen a>er erinnern wir uns seines letzten Auftretens in d :r letzten Logensitzung, zwischen'der und heute d ie große Wandlung sich mit ihm vollzogen hat. lieber den jüdischen Humor sprach er da, in der vom strengen Ritual gelösten Nachsitzung / nicht nur aus der Fülle seines Wissens hat er gesprochen, sondern mehr noch aus der Fülle seines Erlebens, mit dem der einzelne selber in den Humor, in die stilllächelnde, abgeklärte Entsagung nineinwächst. In jener Stunde ging das »heilige Lachen«, das innere Vesstehen des Seins und der Dinge von ihm aus und über in unsere Runde, weckte Echo und Einklang und hinterließ, als letzte geistige Berührung mit ihm, in die Weite und in die Zukunft fortschwingenden Nachhall und Rhythmus. — Als Rabbi Elieser auf dem Krankenbette lag. - 226

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