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Der Orden Bne Briss · 1930-12-01 · Nr. 12 - Dezember · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1930
Issue
Nr. 12 - Dezember
Date
1930-12-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Schrifttums als Mitarbeitern — ich nenne: Helene Simon, Anita Augspuig, Aiele Schreiber, Martin Philippson, Karl Lampredit 1 ^dolf Hamadc, Arthur Drews, Helene Stödcer, Lidwig Geiger, Otto Neitzel, August Forel, Detlev von Liliencron — und damit nur ein weniges an Namen und Be- -deutung der unter SimchoWit^' Führung geleisteten Arbeit. Er selber hat füf diese beiden Halbjahrs« bände mehr als 25 große / oifsätze geliefert, die Beilage, unter dem Namein i Chronik«, mit Nachrichten aus dem Kulturleben der ganzen Welt, in einer Vielseitigkeit, die jeder Rubrizierung spottet, hat er fast ganz allein bestritten. Hier eröffnet sich ein Blidc in die Interessgns! phären und Schaffensgebiete von Sascha S i| m c: h o w i t z, der in der »Kultur« stets mit S. S.| ges eichnet hat. Da gibt er in Aufsätzen über Staat und Gesellschaft unter der Aufschrift »Vom Volk der Denker und Dichter« e ne Betrachtung über das Los des deutschen Dichters ckr Gegenwart, die in ihrer herben Kritik und Sarkastischen Art an Börne und Heine gemahnt. Oder e r schreibt im Anschluß an den von uns Aelteren nicht vergessenen Fall Hüssener in Essen einVn Artikel »Militärpsychologie«, dessen gegen den Militarismus jener Zeit und insbesondere gegen d|e AI macht des preußischen Feldwebels 'gerichtete Tendenz geradezu wie eine prophetische Vorahnung jkomnender Entwicklungen wirkt. Oder er wendet sic» in einem Aufsatz »Wie ist des Deutschen^ Vaterland?« mit scharfen und kernigen Worten gegen eine Erziehung der deutschen Jugend zu einer »Edelrasse«, im Sinne Paul de Lagardes und Champerlains. Der Löwenanteil deiner I großen Beiträge zur »Kultur« entfällt auf (Literatur, Kunst, Theater. Da ist sein übe r die Zeitschrift hinaus bekannt gewordener Aufsatz über Richard Dehmel erschienen, der hindlichen Resümees den Brief an Simchowitz | trot;: eines recht unver- Dichter in einem offenen zu den Geständnis veranlaßt: »In so gedrängter (Kürze konnte nicht gründlicher über den Geist meiner Dichtungen gesprochen werden.« Da linden sich aus, Simchowitz' Feder Beiträge über die deuts|cfae Roinanliteratur, deutsche Erzähler, den Nietzsche-Kreis, aber auch über die Franzosen Paul Bourget und Emile Zola, über Engländer, Russen unq Spanier, die er großenteils in Deutschland überhaupt zum ersten Male bekannt gemacht hat. — Da wird die i Altkölnische Malerei und ihre Cicerones« gewürdigt besonders der Anteil Schlegels und zumal Goet lies an ihrer richtigen Bewertung — »Goethe und zeitlebens Lieblingsthema se wesen. — In einem Aufsatz as Rheinland« ist ja ner Forschung ge- »Vor den Kulissen« <Prägnanz der Titel war auch eine seiner schriftstellerischen Stärken)j untersucht er den Boden, auf dem er mehr als (heimisch werden sollte, genau und sorgfältig, und Jcbmmt zu dem bitterernsten Schluß: »In seiner Wirkung ist das Theater der Gegenwart ein Vergriügungsinstitut — kein Kulturfaktor.« Mit psychologischem Spürsinn und moralischem Freimut geht (er dem Ehescheidungsproblem und seiner Verbessejrungsbedürftigkeit im B. G. B. zu Leibe, in einem i nach der Sardou'schen Posse betitelten Aufsatz jjDivorpons« und im Anschluß an ein Buch der B> Oder JMargueritte und die von ihm ausgelöste'Bewegung zu dieser Frage in Frankreich. Er nimmt Stellung zur romantischen Liebesaffäre der sächsisdieti Kronprinzessin Luise, in einer Abhandlung »Prinz^ssinnen-Liebe«, die eine aufschlußreiche Darstellung aus dem Leben der hannoverschen Kurprinzejssin Sophie Dorothea, der »schmerzensreichen« | Stammutter despreußischen und englischen Königshauses, bringt und der Literatur über ihre Beziehungen zum Grafen Königs- . marck. Er beschäftigt sich mit der Jesusgestält von der künstlerisch-dichierischen Seite in einem Essay »Jesus als dlramatipches Problem« und zeigt mit Hinweis auf Goethes »Faust«, daß der große Dichter seinen Helden sehr vohl einerseits rein^ menschlich, andererseits mythisch-symbolisch darzustellen vermag. —<• Da haben Sie wenigstens an Stichworten ein ungefähres, durchaus nicht vollkommenes Bild, einen Querschnitt gewissermaßen der geistigen Materien, d i e innerhalb eines einzigen Jahres Simchowitz angezogen haben, in die er sich vertieft, die er bald souverän beherrscht, und für die er dann ein unvergleichlicher Mittler geworden | ist. . - Und das alleis miteinander ist doch, wenn wir das eigentliche Lebenswerk und den wirklichen Beruf von Dr. Simchowitz in Betracht ziehen, nichts anderes als Bei- Und Rahmenwerk, das freie neben dem Pflichtschaffen eines in verantwortlichen Stellungen Tag aus Tag ein tätigen Mannes! In seinem Beruf war Simcnowitz Dramaturg der hiesigen Theater und Dozent an def hiesigen Universität. Tätigkeitsgebiete, j die der Geschichte der Kölner Bühnen und Hochjschulen angehören, für deren Darstellung unsere Qedäcfatnisrede den Raum unmöglich bietet, und gieren Würdigung den dazu berufenen Stellen Vorbehalten -bleibt. Wohl flössen diese Wirkungskreise aus seiner innersten Einstellung zu Welt; und Geist; wohl beanspruchten sie seine Kräfte auch für wichtige soziale Leistungen — ich erinnere an seine gewissenhafte und segensreiche Tätigkeit jals Vorsitzender der Bühnengenossenschaft. Aber das hinderte ihn nichtj dar« ii - I — 225

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