Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 11 - November
- Date
- 1930-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Bei dieser Gelegenheit sei die i. J. 1928 in demselben/ Verlage erschienene Schrift »Das Tier im iAIren Testament« Von Tierarzt William Waldemar Petersen in Erinnerung gebracht. ~ [ P. Constantin Brunner. Von den pflichten der Juden und von den Pflichten des Staates. Gustav Kiepenheuer Verlag, Berlin 1930.; Constantin Brunner ist kein bequemer Zeitgenosse Wo. er zupadit, geht ej hart auf hart, und wo er hobelt, fliegen die Späne nach allen Seiten. Er kenntkein Wenn und Aber, und wenn er sich mit den Dingen der Welt auseinandersetzt, möchte er ihnen Formen geben., die nur da zu finden .sind, wo die Gedanken leicht beieinander wohnen. Das gilt auch wieder von seinem neuesten Buche. Was der »Exjudäus und Atheista« Ober das Wesen der Religion und der jüdischen insbesondere zu sagen hat, soll nicht zum Gegenstand einer Auseinandersetzung gemacht; werden, die völlig fruchtlos verlaufen würde. Der eigentliche Gegenstand der Betrachtungen ist die politische Judenfrage. Der Verfasser glaubt zu deren Grund und Wurzel vorzustoßen, wenn er den freiwilligen Separatismus des Judentums, hervorgerufen und erhalten durch seine Religion, als Ursache und Nährboden des Antisemitismus aufdeckt. »Der Jude wollte 'der gänzlich Ändere bleiben und blieb es. Darin besteht seine Schuld«. Also haben die Juden nur eine Scheinassimilation vollzogen, und so bleibt ihnen als Grundpflicht die wahrhafte; Sdbsteman-' zipation durch Aufgeben des eigentlich Jüdischen im Judentum seines rein nationalen Charaktets und Gehaltes wegen und die Zurückführung des Judesejnt auf das Menschliche im Judeptum, worunter der Prophetismus einschließlich der Gestalt und Lehre Jesu zu verstehen ist Denn »Anpassung ist das Gesetz des Lebens«. Daß Brunner das Haupthindernis der Selbstemanzipation im Zionismus sieht, ist bekannt, die besondere Schärfe seiner Polemik im vor- '; liegenden Werk richtet sich vornehmlich gegen Klatzkin / aber auch die »Konfusiomjuden« mitsamt dem Central verein' bekommen die Unzufriedenheit des Verfassers zu spüren. — So liegt die Aufgabe der endlichen und restlosen Emanzipation als Selbst emanzipation eigentlich nur bei den Juden. Der Staat hat den Juden gegenüber nur die Pflicht, »das Recht, diePflicht, die Macht zu befehlen, zu verbieten, zu strafen« den Lügen und Verleumdungen der Judenfeinde gegenüber zur Geltung zu bringen. Also stellt sich dem Philosophen Brunner die Judenfrage recht einfach dar : die Juden geben sich als Juden auf, und wenn dann die Antisemiten nicht aufhören, aus der Narretei der Juden eine Teufelei zu machen — denn das ist die wesentliche Schuld des Judenhasses — dann fährt eben der Staat mit seinem Knüppel — einem Strafgesetz ähnlich dem Republikschutzgesetz — dazwischen. — Hätte der Philosoph auch den Erfahrungstatsachen die gebührende Aufmerksamkeit gescheokt, so hätte ihn wohl das Schicksal Rathenaus vor der Ueberschätzung des Nationalreligiösen im Judentum als konstituierenden Faktors im Antisemitismus bewahrt. Und dasselbe läßt sich in bezug auf die Auffassung vom Staate und seiner Omnipotenz geistigen Strömungen gegenüber sagen. Seltsam, daß im 20. Jahrhundert ein Philosoph im Staate »das realisierte Ideal« erkennt und von diesem IJeal Polizeifunktionen erwartet — wo wir es Seit zehn Jahren tagtäglich erleben, daß der Staat — mit dem von Brunner so hochgeschätzten Republikschutzgesetz — sich nicht einmal selbst gegen Lüge und Verleumdung zu schützen vermag. Nicht der Staat ist heute der Träger und Schützer sondern c ler Gelcgedheitsman von lern Philosophen, einer urallen Gemeinschaft des Judenhasses, sondern ^die Gesellscht ft. 'An sie hätte sich darum der Appell Brunnen richten müss m — nachdem er ganz richtig im Wesrn des Menichei die Voraussetzungen für den Menschen- und damit für den Judenhaß aufgezeigt hat. Es ist also eine Inkc nsequenz, wenn Brunner vön den Sünden der .Men sehet , aber von den Pflichten des Staates den Juden gegenüt er. spricht. Und derlei Widersprüche finden sich mtjhrere in de n aufrührerischen Buche. Es geht nicht an, den Jodenhassert recht zu geben, »das zu hassen, was an den Jucjen sie has;cn, und $ie tun damit kein Unrecht, — die Julien schauet für sie so aus, daß sie ihnen recht tun« — und |m selben i itemzug zu versichern: »aber sie — die Juden |— sind nicht so«, und darum »sind sie nicht die Ursache, anlaß des Hasses«. Audi sollte der mit eisgekühltem Verstand die Selbstaufgabe anrät und mit den Diesdtflegeln seines Intellekts gegen die menschliche Gemeinheit loszieht, nicht erwarten, daß er Wehe über die Mensche n ruft,, »die ihre Bewußtheit, Ueberlegung und Wühl an die 1 teile des Instinkts setzen und die da, wo sie handc In sollen, ohne, za denken — erst denken, bevor sie handeln. . .«. / . Temperament, Geist, rücksichtsloser Wahrheitsmut, glänzende Dialektik kann man jauch dem neuesten Brunner nicht abspnedten / aber der Klärung "der udenfrage ist er nicht nähergekommen. Und die voraussichtliche Wirkung auf. diejenigen, für die das Buch in der. Hauptsache geschrieben ist, dürfte nur eine negative sein. Aupj wer der Grundtendenz des Werkes zustihtmen mag. muß sjdt doch durch die rücksichtslose, oft" ganz unbegründete Schärfe des Tones und der Argumentation in religiösen Fragen verletzt fühlin. Das mag einem Autor, der sich einen Druck von der Seele schreiben will, gleichgültig sein , dem Werber für neue Ideen jeder auch nur -für veränderte politische Methoden muß es deutlich gesagt werden, daß er sich auf diese Weise um den besten Teil seiner Erfolges gebracht hat, H. Stern, Berlin (TJL). Eine in Kupfer gesfochene Estl Universitätsbibliothek zu Rostock, Rostock und eingeleitet von Landesr^bbiner Br Dr stein. jierrolte aus der 30, herausgegeben Siegfried Silberi>: Ein seltener Fund ist dem Verfasser mit der Esther- Rolle — Megillah .— der Rostodcer Ut iversitätsbibh'othek geglückt/ denn hier handelt es sich aus einer sicher beschränkten Auflage um das einzige, bis jetzt bekannte Exemplar, in dem neben den Bildern und Oijnamenten auch der gesamte Text des Buches Esther in Kupfer; gestochen ist, gegen Brauch und bisherige Annahme! Die gut erhaltene Rolle, die um oder bald nach 1700 enistanden sein muß, befand sich im 18. Jahrhundert in der wertvollen Sammlung des Rostocker Universitäfsprofessors, Orientalisten und Kupferstechers Oluf G. Tychsen, dem di Herzog Friedrich von Mecklenburg einstmals sogar eine Kt pferdrudepressi geschenkt hat. In 11 Kopfbildem und 23 .Darstellungen am Sockel der etwa 1,20 m langen Rolle ist die Geschichte Esthers eindringlich geschilden, und dui th Beschriftung erläutert. D|e Lichtdruckwiedergibe ist nach Größe und Tönung originalgetreu ausgefallen. Ein ausfübrlid >(r und vornehm gedruckter Text gibt über Herkunft und Art dieses merk-’ würdigen Exempfares unter Verwertung der bisherigen Forschungsergebnisse Auskunft. Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Cechoslovakisjhen Republik. II. Jahrgang, i i I ■ I 219