Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 11 - November
- Date
- 1930-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Persönlichkeit durch Lehre und Beispiel sollte Zweck und Ziel der von Heiligkeit durchglühten jüdischen Erziehung sein und dies Ziel hat die moderne Schule außer acht gelassen. Keinerlei neue »Methoden« schaffen n'erfür einen Ausgleich. Ihre Vorkämpfer möger von den besten Absichten geleitet sein, aber cen Kern treffen sie nicht. Prämien und Ausflüge sind -ganz gut/ sie können wohl Fleiß und Aufmerl samkeit werken, aber sie gehen der Sache nicht;iuf den Grund. Alle großen geistigem Bewegungen gingen nicht von der Schablone aus, sonden vom Heiden. Die jüdische Prophetie suchte r icht die Jugend durch religiöse Unterweisung zu g »winnen, oder sie durch Prämien zu fesseln oder Abschnitte ihres Lehrbuches abzufragen, sondern sie war eine machtvolle geistige Botschaft, die in der Seele brannte. Weder Schule noch Lehrer können das Problem der jüdischen Erziehung lösen. Wehn es für die Kinder der Vergangenheit eine Selbstverständlichkeit war, daß sie dem Glauben der Väter treu anhingen, so kam das daher, weil die Schule nicht dre einzige Quelle war, aus der sie ihre religiöse Begeisterung schöpften: das Lebens- und Wirkungsvolle floß ihnen aus einer anderen Quelle, und das war das jüdische Haus. Die jüdische, Atmosphäre zu Hause ergänzte das in der Schuje Gelernte. Die Schule versorgte die Jugend nur mit der gesd ichtlichen und geistigen Grundlage für ihre Kunjst jüdischer Lebensführung, die sie in ihrem Eltemhause ausgeübt sah. Das jüdische Kind von einst war viel weniger ein Produkt seiner Schulals seiner häuslichen Erziehung. Unsere Vorfahren waren große Psychologen, obwohl sie dies Wort gewiß .nicht kannten. Sie versorgten* nämlich ihre Kinder mit dem, worauf es bei -der Erziehung am meisten ankommt: mit Kindheitseindrücken Die jüdischen Eltern von heute müssen i dasselbe tun. Die Kunst, jüdisch zii leben, kann nirgends so erfolgreich gelehrt werden, als innerhalb der vier Wände des Familienlebens. Nur durch die Wiederbelebung des jüdischen Hauses wird jüdische Erziehung ermöglicht und gute Früchte 4 t - zeitigen. Neben diesem — hier nur auszugsweise wiedergegebenen — Aufsatz bringt das Ordensorgan zwei fesselnde Lebensbilder des großen Mediziners Sergei Voronoff, i der mit der Transplantation von Tierdrüsen sich! den Ruf eines »modernen Zauberers« erwarb, utjid des jungen Geigers yehudi Menuhim. In dem Bericht über »Jüdische Studentenbrüderschafijen« werden uns trübe Bilder vom Ausschluß jüdischer Studierender aus den studentischen Verbindungen im freien Amerika entrollt. Man sieht: diei Verwirklichung der in dem Ausschuß für »Besseres Verstehen« gesteckten Ziele liegt noch in weiter Ferhe. Br. Professor Dr. Eugen Wölbe, Montefiore-Loje zu Berlin. Zeitschriften anderer Distrikte. B’nai B’rith Mit eilungen für Oesterreich, Heft 7, September 1930, Jahrgang XXX. Br. Prof Dr. He zog, Graz, veröffentlicht eine interessante Pfandleihurkun ie Mardonaj. bezw. Frummet Meiseis. Seine Mitteilungen beziehen sieb auf das Steiermärkische Landesarchiv, Spezialarhiv Stubenberg und betreffen Prozeßakten der Stubenbergs ir i Es handelt sich it den Juden in den fahren 1501 —1612. •ine Pfandleihurkunde über eine von Freiherrn Hans Albrecit v. Sprinzertstein auf Schloß Neuhaus <Oberösterreich> um f 00 Tale» verpfändete goldene Kette. Seine Ausführungen sipd ein Beleg dafür, wie aus trockenen vergilbten Urkunden S hlüsse auf das Familienleben der Juden vergangener Seiten gezogen werdea können. Im vorliegenden Fall handelt es sich um das Familienleben eines frommen und freigebigen'Mannet und dessen Beziehungen zu seiner ersten bezw. späterhin teingr zweiten Frau. Einem Nachruf, de n Br. Expräsident Dr. Felix Kohn in einer Trauersitzung .der w. »Wien« gehalten hat, entnehmen wir, welch wertvolle ^rsönlichkeit die Loge in Dr. fulius Bermann verloren hat. Die Weltstatistik de» Juden gibt unterrichtende Zahlen über die Juden aller 5 Erdteile. Anläßlich des 60. Geburtstages von Prof.Jehudo Epstein hatten wir auch in unserem Organ sein* künstlerische Persönlichkeit würdigende Zeilen gebracht. Wir erfahren nunmehr, daß Prof. Epstein Bruder der w. »Wahrheit* ist. Heft 8. Oktober 1930. : Der von Br. Dr. Berthold Epstein-Pfag in den Monatsblättern der Großloge für den cechoSloyakischen Staat abgedruckte Vortrag über »Erziehungsprobleme* wird auch in der österreichischen Monatsschrift veröffentlicht. “In der felgenden Nummer sollen dann Aeußcfcingen über das Referat, die von mehreren österreichischen Brüdern erbeten worden sind, zum Abdruck gelangen. —j Br. Dr. Friedrich SteineT-Wien spricht über »Lebendiges Judentum*. Er charakterisiert die einzelnen Richtungen: im Ju^entunv die Leben und Bewegung ausstrahlen. Er führt als solche an: das nationale, das religiöse, und — wieer es nennt — das traditionelle Judentum, welch letzteres «ych seiner Definition auch ohne besondere nationale und religiöse Bindungen auf der Grundlage der aus der Vergangenheit geschöpften seelischen Werte des Judentums dem jüdischen Gedanken dient. Grade dieser letzten Gruppe ist! im wesentlichen die Schöpfung des Ordens Bne-Briss zu verdanken.' Jeder dieser 216