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Der Orden Bne Briss · 1930-11-01 · Nr. 11 - November · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1930
Issue
Nr. 11 - November
Date
1930-11-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Walther Rathenaus Stellung zur Religion und zum Judentum. Von Ewald Botin. Wenn Ich an dieser Stelle das Wert ergreife zur Stellungnahme um Walther Rathenau, so bin ich genötigt, auf zwei Beiträge einzugehen, die vor Jahren, der eine im Ajugust 1917, der andere im August 1924, in diesem Blatte gestanden haben Die zweite Arbeit, ein Auszug aus Emil Ludwigs Sammelschrift »Genie und Charakter« ist dabei mit wenigen Worten abzutun. Denn die von Emil Ludwig geäußerte Auffassung, Rathenau sei als Mensch eine kalte, rein verstande^mäßige. und berechnende Natur gewesen, der , sich vor Freunden zurückgezogen habe, ist gleichermaßen unmöglich und unwirklich. Emil Ludwig steht mit dieser merkwürdigen Anschauung wohl ziemlich allein da. Freilich hat Rathenau nicht allen Menschen, die ip seinem Hause aus- und eingingen, gleich nahe gestanden. Wirklich befreundet war er z. B. mit dem j(£tzt in Hamburg dozierenden Nationalökonomen Eduard Heimann und mit dem verstorbenen Kölner Philosophen Max Scheler. Rathenaus Mitarbeiter, der Generalkonsul Dr. H. F. Simon, konnte sicher mit Recht von ihm sagen": »Niemand pochte vergeblich mit der Bitte um Rat , und Hilfe an seine Tür, Nur die, die der Vornehmheit des Herzens entbehrten, allein von geschäftlichem Egoismus geleitete oder intrigante Naturen hielr er von sich fern.« Weit wesentlicher erscheint es mir, wenigstens mit ein paar kurzen Worten auf den Aufsatz einzugehen, den Rabbiner Dr. Lewkowitz in Nr. 7 des Jahres 1917 unter der Ueberschrift »Freiheit und Bindung im Judentum« über Rathenaus »Streit« sdirift vom Glauben« veröffentlicht har. Die Gerechtigkeit gebietet freilich, darauf hinzuweisen/daß Rathenaus Briefe, die uns so erheblichen Aufschluß Speziell über seine Stellung zum Judentum geben, ja damals noch nicht bekannt waren. Immerhin erscheint es uns auch für den damaligen Stand der Dinge nicht gerechtfertigt, von Rathenau zu behaupten, er »umkleidet die anarchistischen Zustände im religiösen Leben unserer Tage mit einem Schein des Rechts und mit dem Glanz des Ideals « Ebensowenig können wir zustimmen, wenn Dr. Lewkowitz meint, »die einzelnen- Lehren, in denen der Entzprecfeend unserem Grundsatz: audi bei umstrittenen Problemen oder Personen eine möglichst freimütige Aussprache herbeizuföhren, bringen wir die Ausführungen des Verfassers. Walther Rathenau Ist der Namenspatron einer unserer Logen. Seine Persönlichkeit ist vielseitig genug, um von den verschiedensten Seiten aus betrachtet zu werden. J’ ' Gedankengehalt „der jüdischen Religion sich ausprägr, gehören zu ihrj»m Wesen je Entscheidend ist hier wohl die Bedei^tunj; des \Xfortes »Wesen«. Wenn Wesen so viel be zeichnen soll wie die Grenze, ob jemand nqch J ide ist ' oder nicht," und wenn Dr Lewkowitz [mit seiner Behauptung in diesem Sinne Recht liätte, do~ wäre freilich Schreiber dieses längst (nicht mehr Jude. Und u. agar »die Lehre von def V eitschöpfung« »als"notwendigen Glaubenssatz« ^tinzustqllen, wie es Dr, Lewkowitz getan hat, j:rsd eint bedenklich. Sätze, wie dieser: »Ein Judentum, das_jsich im Glauben an den einen Gott qrsch äpft und sich nicht in lebensvollen religiösen jHat dlungen entlädt, besitzt nicht mehr die volle "'ungebrochene Kraft, ist nur noch ein matter Nadikljang der Vergangenheit« — treffen Walther Ratherjau nicht/ sie treffen nicht den großen religiösen Tatirenschep, der da schrieb: »Dieses Leben wird nipit geführt um unserer selbst willen, sondern um def Gottheit willen. Wir sind nicht mehr Besitzer, sondtrn Verwalter unseres Sein und Haben/ wir sind der erste Diener im Staat unseres geistigen unc leiblichen Ich,, berufen, um unser und der Welt'Seele zu hüten und sie unberührt und stark i$ die Hände der Allheit zu ithese von Freiheit und legen.« Ist das keine Bindung«, wie es Dr. ►Sy Levkowirz als das Wesen des Judentums bezeichnet? Man sieht, die Ausführungen des Herrn Dr. Lewkowitz gehen an den wahren Ideen Rathenäus vorbei, und Rathenaus Behauptung, »daß das iabsc lute Judentum an kein, wie immer geartetes Pogna und an keinen, wie immer gearteten- Ritus igebLnd|.n ist,« ist zwar, wie er selbst in einem Briefe an von Jagow vom 11. Juli 1917 noch feststellen konnte, besonders in jüdischen Organen viel besprochen wo'den, hat aber an keiner Stelle sonst einen Widerspruch erfahren. Meines Wissens wird übrigens die jleiche Behauptung auch von Rabbiner Dr. Vbgelste n vertreten. Ich habe mich zu dieser Auseinandersetzung mit den beiden erwähnter Autoren genötigt gesehen, um einerseits etwa noch vorhandene irreführende Erinnerungen! an ci iese Arbeiten im Leserkreis richtig zu stellen,! andererseits, um die eigene Stellungnahme zum Judentum von vornherein abzugrenzen. — In folgende :m kann die Stellung Walther Rathenaus zijm Problem der Religion und zum Judentum natürlichj nur in den gröbsten Grundrissen dargesrellt werden, und insbesondere die Sittenlehre Rathenausi so interessant sie an sich ist, muß in diesen Ausfüh-ungen im allgemeinen - 205 — i! u 1

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