Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 10 - Oktober
- Date
- 1930-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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wälzung eröffnet mit einem Schlage den Juden alle Stellen im Staate. Juden werden Minister, was sie niemals zuyor in Deutschland/werden konnten. Hugo Preuß, Ludwig Haas, Walther Rathenau, Paul Hirsch, Rudolf Hilferding usw. Aber Juden dringen auch auf dem normalen Wege der Bürokratie auf der Ochsentour des Beamten, wie es Bismarck zu bezeichnen pflegte, bis in die höchsten Stellen der Verwaltung. Jüdische Staatssekretäre <S«häffer>, jüdische Ministerialdirektoren <Badt) finden wir neben vielen anderen jüdischen Beamten in den Ministerien und in der sonstigen Verwaltung, auch in der der Städte <Stadtkämmerer Asch, Frankfurt a. M>. Aber dieser Erfolg wird paralysiert durch die verschärfte Ausschließung in der Wirtschaft. Nicht durch gesetzliche Bestimmungen, aber auf anderem Wege vollzieht sich erneut ein Heraus' drängen der Juden äus. einer großen Reihe von Wirtschaftszweigen. - ■. Hierfür gibt es die verschiedensten Gründe. Wie der Siegeszug der liberalen Gedankenwelt dem Juden die Freiheit zu allen möglichen wirtschaftlichen iBetätigungen gab, so kam er auch seiner Veranlagung entgegen. Im Zeitalter des Liberalismus konnte sich der jüdische Unternehmer, unbeschwert von gesetzlicher Bevormundung, auf eigene Füße stellen und seines eigenen Glückes Schmied sein. Der Drang na.chSelbständigkeit konnte erfüllt werden.' Der private Unternehmer triumphierte. Aber Rothschild wurde durch den Credit Mobilier entthront. An der Gründung von Gesellschaftsbanken waren Juden nicht beteiligt. Die Großbanken drängen den Privatbankier zurück. Dieselbe Erscheinung zeigt sich dann auf allen anderen Gebieten der Wirtschaft. Gewiß nehmen Juden auch an der Errichtung großer industrieller Aktiengesellschaften teil, aber sie verlieren hier sehr bald die Führung. Die Umwandlung eines Privatunternehmens in den Gesellsdiaftsbetrteb verdrängt den stark individualistisch gesinnten Juden. So vollzieht sich zunächst eine Umstellung in der Wirtschaft, die die Juden aus gewissen Wirtschaftszweigen unabsichtlich ausschließt. Ursprünglich liegt gar keine Tendenz vor, sie aus diesen Gebieten zu verdrängen. Der Rückzug vollzieht sich von selbst. Aber je schärfer sich . diese Umgestaltung der Wirtschaft durchsetzt, desto stärker wird die Ausschließung der Juden. Der Krieg und die Nachkriegszeit haben diese 'Wandlung der Wirtschaft beschleunigt. Im Zeichen der Kapitalarmut vollzieht sich eine Scharfe Rationalisierung. Sie bedingt die. Entstehung von Riesenc tganisationen. Dje starke Konzentrierung der wirtschaftlichen Macht in Wenigen Händen uid die Konzernierung hat aber pur Folge, daß der ijinfluß des Privatunternehmers schwindet. Von diesem Gesqhick wird stark de ■ Jüdische Unternehmer be' troffen. Die Tendenz uff Ausschaltung des Handels! setzt sich mit dieser | Konzernbildung fort. Sie trifft vor allen: den Großhandel, nachjdem die großen Werke und Konzerne mehr und j mehr dazu übergtgängen sind, ihre Erzeugnisse direkt abzusetzen' So vollzieht sich eine Verdrängung der Judtn auf den verschiedensten Gebieten. Wir stellen diese Erscheinung besonder* in den Zweigen, in denen die Juden einen großen Einfluß besessen haben,; fest, so im Textil» und im Metallh* nidel Alfred .Marcus hat in jseiner Studie über »Die Juden im deutschen Metallhandel« <io der Zeitschrift »Jüdische Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik« Heft 5/6, 1930) seh^ treffend darauf aufmerksam gemacht, daß, »nachdem die deutsche Industrie erkannt hatte, welche Werte durch das systematische Sammeln votj Altmetallen und Abfällen geschaffen werden können, sie sehr bal l den Versuch unternommen hat, den Handel d irch Bildung entsprechender Organisationen zurück sudrängen« Derselben Studie entnehtben wir die Feststellung, daß sich die Gesamtzahl der Mefallhandelsfirmen in Deutsch»’ land von 1913 bis 1930 um 6,5"Vergrößert, die Anzahl der jüdischen Firmen im gleichen Zeitraum aber um 13,3" ,, vert ainldert', die der 'nichtjüdischen dagegen um 52,9 "/„ «rhcjht hat. Dasselbe konstatiert er, wenn auch nicht im gleichen Umfang, für den Schrotthandel, ln einer weiteren Arbeit über »Die Juden im deutschen Bankweisen« <in dergleichen Zeitschrift, Heft 9/10) konstatiert Marcus denselben Vorgang in [noch stärkerem Maße für das Bankwesen : in dein letzten ziret Jahren hat Sich die Anzahl der jüdischen Privatbanken um fast 20 vermindert, dii Gesamtzahl der Banken aber nur um 9,3 °,0, die pe/ niditjüdischeh Privatbanken gar nur um 8,6 u/0. V^ir sehen also hier keine Ausschließung, jaber ei nie Z u r ü de - drängung der Jpdpn aps Wirtschaftszweigen, in denen sie von je jgrdßen Einfluß besessen haben. Denn jüdischer Initiative verdankt matt in Deutschland hauptsächlich die Vefsoirgung der Industrie mit den nötigen Metallen, vlo/allem die Verwertung von Altmetallen. Die Jjudhn waren esi auch, die die Wissenschaft der Metallurgie, durch die .Erfindung der verschiedensten Metallegierungen angeregt haben. Ueber ihre althergebrachte Rolle auf dem Geld- und Kapitalmarkt braucht nijehts weiter gesjagt zu werden. 197 i