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Der Orden Bne Briss · 1930-10-01 · Nr. 10 - Oktober · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1930
Issue
Nr. 10 - Oktober
Date
1930-10-01
Page
[Seite] (sequence 29)
Language
German
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Nachlassen nur in Land« und porstwirtschaft und häuslichen Diensten. Ein weiterer Einblick. lehrt, daß die Zahl der berufstätigen verheirateten Frauen seit 1907 durchweg schneller gewachsen ist, als die der unverheirateten. Die Daten der für die deutsch-jüdischen Verhältnisse typischen Hamburger Gemeinde zeigen eine stetig anwachsende Zahl der berufstätigen jüdischen Frauen, im besonderen in den Gruppen Handwerk und Industrie. Während die soziale Gliederung der männlichen und weibliehen erwerbstätigen jüdischen Bevölkerung des Staates Hamburg eine absolute Zunahme der männlichen Angestellten im Handel von 1907 bis 1925 um 37" ,, zeigt/ schnellt der Prozentsatz der weiblichen Angestellten in derselben Zeit um volle 136",,, hinauf. Von dem absoluten Zuwachs der Angestellten im Handel entfallen 43,3*7« auf den weiblichen Teil. Der Anteil ''der Frauen unter den Angestellten ist von 17,8 im Jahre 1907 auf 26,7" ,, im Jahre 1925 angewachsen *> Weiteres läßt sich aus den vorliegenden Zahlen über den Anteil der jüdischen Frau an der beruflichen Struktur der jüdischen Gesamtheit noch nicht feststellen, so daß man für die einzelnen Berufe in erster Linie auf Erfahrungstatsachen und Beobachtungen des täglichen Lebens angewiesen ist. Bei ällen soziologischen Betrachtungen unserer Zeit wird man scharf scheiden müssen zwischen den Menschen^ die unter geordneten relativ sorglosen Verhältnissen vor dem Krieg ihre Berufsausbildung pflegen konnten und der W^ltkatastrophe wenigstens beruflich gerüstet, wenn auch nicht gesichert gegenüberstanden, und deijen, die während des Krieges und nachher unter den ungünstigsten Bedingungen auf kürzestem Wege zu einer Erwerbstätigkeit kommen mußten. Von den jüdischen Frauen jener »Vorkriegsgeneration« haben sich verhältnismäßig viele den freien Berufen zugewendet, und die Kämpferinnen der Frauenbewegung zählen um die Jahrhundertwende unter ihren Führerinnen im Stimmrechtskampf, der internationalen Friedensbewegung usw. manchen bekannten jüdischen Namen. Da in den akademischen Berufen ebenso wie in den meisten anderen eine Begrenzung der Arbeits- und Anstellungsaussichten zu berücksichtigen war, haben die jüdischen Frauen in erster Linie die Berufe der Volkswirtschaftlerin, Juristin,, Aerztin, Zahnärztin, Apothekerin, Chemikerin^ Redakteurin, Journalistin u. a. gewählt, in denen heute eine beträchtliche Zahl z.T.. in führenden Stellungen zu finden ist. Während bei den andersgläubigen akademisch gebildeten Frauen derBeruf der *> Siehe Koralnik, a. a. O. März 1930, S. 84 ff. Oberlehrerin*) aus besonderer Eignung der .Frau zur Erzieherin und wegen dei günstigen Aussichten auf feste Anstellung und Pension vorzugsweise ge-; wählt wurde, scheint die jüdische Frau z. Zt. das; weite Gebiet der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege zu bevorzugen, wo sie als Sozialbeamtin in den großen Gebieten der Gesundheitsfürsorge, Jugendwohlfahrt und Wirtsc taftsfürsorge ein der weiblichen Veranlagung unc Neigung besonders geeignetes Tätigkeitsfeld findet **> Daß’der preußische Landesverband jüdischer Gemeinden für dieJ soziale Ausbildung derjenigen jüdischer! Sozialbeamten und -beamtinnen, die in der jüdischen Wohlfahrtspflege arbeiten wollen, Stipendien gswährt, läßt erkennen/ daß auch die jüdischen Verve altungskörper die gerade in unseren Tagen ständig zunehmende Wichtigkeit sozial gut geschulter Kräfte erkannt haben. Außerdem betätigt sich: seit 1918 die jüdische Frau als Politikerin in der Staats- und Kommuhalverwaltung in allen Deputationen und Ausschüssen, in denen Frauen überhaupt mitarbeiten, vor.allem in der Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik. 7 Ebenso finden sich unter den <1925:13) Weiblichen Professpren, Privatdozentinnen und den mit Vorlesungen und Uebungen beauftragten Assistentinnen unserer persönlichen Kenntnis nach mehrere jüdische Frauen,i Wenn auch die Studienjahr-[änge nach dem Krieg; noch eine beträchtliche Zahl jüdischer Studentinnen aufweisen, die ebenso wie il re männlichen Kollegen oft nur in den Abendstunden nach andersgearteter anstrengender Berufsarbeit »ich ihr Studium teuer erkaufen, muß doch bei aller §elbstentäußerung und Opferfreudigkeit jüdischer E ltern die wirtschaffliche Not jsich bald dahin auswirken, daß der Aufstieg in die freien Berufe nur ncch wdhigen möglich sein wird. Das gleiche gilt wa irscheinlich für die Betätigung der jüdischen darstellenden Frai auf allen Gebieten der ad bildenden Kunst, wo sie z. Zt. eh/ verhältnismäßig starkes Kontingent stellt. *> Die Reichsschulstatislik von 1921 berichtet über die Zahl der weiblichen Lehrkräfte int Verhältnis zu der dermännlicher\: Volksschulen: 25% weibliche Lehrer - 9 Mittelschulen: 50% Höhere Schule: 26,7% „ „ für Knaben Höhere Schule: 73,3% „ „ „ Mädchen Berufs- U. Fachschulen: 35,3' /„ weibliche Lehrer Allerdings ist seither durch die inseitig gehandhäbte Durchführung der Abbauverordnung ein allgemeiner Rückgang der weiblichen Lehrkräfte an allen Shulkategorien. eingetreten. i nd •*) Im einzelnen gehört hierhet Jugendamt, Gesundheitsamt 'der Fürsorge verbände, im Arbeits- Gerichtshilfe, in Erziehungsberatu heimen, in der sozialen Krankenji der Betriebswohlfahrtspflege Gewerbeaufsicht u. a. m. Auch Beryfe der jüdischen Krankensc i seien hier aufgeführt. die Arbeit im Wohlfahrtsamt, städtischen und ländlichen Berufsamt, in der sozialen igsstallen undiHeilerziehungslaus- und Gefängnisfürsorge, n lodustrieiinternehmungen, die , wichtigen pflegerischen wester und: Kindergärtnerin 189

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