Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 10 - Oktober
- Date
- 1930-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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y< Die Frau im \ J der jüdischer Von Frieda Sichel w: sprodien wird, Linie an den großen der Frauen zu denke irtschaftsleben unter besonderer Berücksichtigung Frau. G o 11 h e I f r. enn von der F rau im Wirtschaftsleben geso ist man geneigt, in erster ständig zunehmenden Kreis En, die als produktiver Wirt* schaftsfaktor in Industrie, Handel und Gewerbe tätig sind. Bedeutungsvoller aber ist die Rolle der Frau, die sie als Verbraucher im Wirtschaftsleben spielt, denn in jeder Volksgemeinschaft stellt die Hauswirtschaft den weitaus größten aller Wirtschaftsbetriebe dar <in Deutschland.mit 12 Millionen Fiaus« haltungen und 19 Millionen darin Beschäftigten). Deshalb muß eine Bet achtung der Frau im heutigen Wirtschaftsleben begir nen mit der Hausfrau, die in der Einzelzelli! ihres Privathaushaltes jede für sich und alle zusammen durch Einkauf und Verbrauch verantwortlich : ind für den Ausgaben- und Einnahmeetat der Familie und damit des Staates. Der weitaus größteTei des Volksvermögens wandert durch die Hand der F (ausfrau alrwichtigster Konsumentin aller lebenswichtigen Bedarfsgegenstände für Ernährung, Kleidu lg, Wohnung, Hygiene, aber auch Bildung, Erholurg, Luxus. Und so hat die deutsche Hausfrau als Wirtschaftsfaktor einen entscheidenden Einfluß ai f Ein- und Ausfuhr, indem sie gleichwertige deutsche Ware bevorzugen kann und vor allem dafür :;prgt, daß die Ware in geeigneter Güte und Me nge auf den Markt kommt. Durch Ueberiegung, G :schmadc, Kerfatnis, Disziplin im Einkauf, durch piaktische Mitarbeit bei den Rationalisierungsbestrel »ungen für den Haushalt hat sie weitestgehenden E nfluß auf die gesamte Wirt* schaftsproduktion, unc so wird heute mit der wachsenden Erkenntnis von der Bedeutung der hausfraulichen Arbeit <iuf die fachliche Ausbildung der heranwachsenden ’ öditer in geeigneten Haushaltungsschulen oder lei vörgebildeten Lehrfrauen der größte Wert geleyt. Zu den Grunderfordernissen einer modernen planmäßigen Wirtschaftsführung muß man heute Kenntnis der Lebensmittellehre, der Warenkunde, - der Buchführung und Kostenberechnung zweks Aufstellung eines Haushaltsetats und Studium von »Ein- und Ausfuhr rechnen. - Was die jüdische rr^u im besonderen betrifft, so gilt für sie bei der heutigen Wirtschaftssituation d£r deutschen Juden da! Gesagte in erhöhtem Maße. Abgesehen von der zunehmenden Notwendigkeit rationeller Lebensführung weitester Kreise bietet sich außerdem bei der noch zu begründenden Notwendigkeit einer Beruf »Umschichtung des jüdischen Mädchens auf dem wichtigen Gebiete der Hauswirtschaft eine aussichtsreiche, neue Möglichkeit, nach gründlicher Ausbildung in öffentlid en Wirtschaftsbetrieben, Heimen, Privathaushaltt ngen eine in ideeller und materieller Hinsicht bei riedigende Arbeit, zu finden.*> Dem Versuch, die Geltung derFrau als produktiven Wirtschaftsfaktor einj ehend zu untersuchen, steht eine außerordentliche Schwierigkeit entgegen, die zu einer wesentlichen Einschränkung führen muß. Das Studium der letzten amtlichen Berufszählung von 1925 zeigt nämlich, daß die Ergebnisse nach Religionsbekenntnis, Geschlecht und Beruf für das Deutsche Reich (außer fir Sachsen,; Bayern und Hamburg) noch nicht veröffentlicht worden sind,**) DieLiteratur über berufliche Frauen«! arbeit ist zwar groß, wenngleich auch hi sr die amt« l'liche Statistik noch sehr ausbaubedürftig ist. Auf dieser Basis aber unter Zugrundelegung des Prozent« 1 satzes der jüdischen Bevölkerung etwa Analogieschlüsse "ziehen zu wollen, scheint allzu gewagt, um irgend einen Anspruch auf Wahrscheinlichkeit zu haben. Andererseits dürfte es nach c er völligen , Umschichtung der deutschen Juden nach dem Krieg irreführend sein, noch immer auf die Ergebnisse | der Berufszählung des Jahres 1907 zurückzugreifen. ( Die letzte Berufszählung von 1925!iat ergeben, |daß es in Deutschland 201/2 Millionen erwerbstätige Männer, etwa 11' „ Millionen erwerbstätige Frauen mnd 8,8 Millionen Hausfrauen gibt, qo daß man mit etwa 20*/- Millionen erwerbstätigen Männern gegenüber 20,3 Millionen erwerbstätigen Frauen I rechnen muß. Ein Vergleich mit den früheren amtj liehen Berufszählungen (von 1907, 1895, 1882) zeigt lein ununterbrochenes Anwachsen der weiblichen i Erwerbstätigen in Industrie und Handwerk, Handel iünd Verkehr, Verwaltung und freien Berufen/ ein *> Näheres s. in dem aufschlußreichen Artikel von Julie Meyer- Feilchenfeld in »Jüdische. Wohlfahrtspflege unc Sozialpolitik-. Januar-Februar 1930, S. 31. I **> Demnächst erscheint eine Veröffentlichung von Prof. De. Silbergleit über die Ergebnisse der Zählung von 1925 im’Ver» [lag' der Akademie für die Wissenschaft les Judentums. Die Enqaete des bevölkerungspolitischen A usschusses des preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden enthält It. Angabe von Dr. Felix A. Theilhaber keine Berufsstatistik. Als einzige Grundlage erweist sieh eine vo» dem offiziellen Erscheinen der statistischen Gesamtergebnisse veröffentlichte wertvolle Arbeit von I. Koralnik, Berlin: »Die beruflichen und sozialen Wandlungen im deutschen Judentumim Januar^ Februarheft 1930 der Zeitschrift »Jüdische Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik«. — 18€ —