Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 10 - Oktober
- Date
- 1930-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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} I I I I ) I (; , i \ * Ij Glückei von Hameln. ' Photographische Wiedergabe eines* Oeigemaldes des M..ler» (Br ) L. Pitichowtky, London. Glückei von Hameln ist die Verfasserin der bekannten „Denkwürdigkeiten {der Glückei von Hameln", die Einblick in das GeschÄlts- und Familienleben der Juden des 17 Jahr* hunderts geben. Vorbild für den Künstler war Beriha Happenheim, Frankfurt a. M. :U .1 l , I" Aus „Unsere Großmütter“. f; t Von Rosalie Perle*. ' Jahrbuch für jüdische Geschichte , und Literatur. 1905. Wie damals in sehr vielen anderen Fällen war es die Aufgabe der Frau und nicht dps Mannes, für den Erwerb; für das Geschäft, mit einem Wort für die Existenz zu sorgen. Der Großvater, dessen Wissen und Gelehrsamkeit (auch in nicht jüdischen Fächern, was damals, noch eine Seltenheit war) ihn zum Aristokraten stempelten und seine Familie dadurch in eine höhere gesellschaftliche Sphäre rückten, war, seit er denken konnte, mit seinem Studium beschäftigt. So kam es' denn, daß die Frauenfrage, die uns Heutigen so viel Kopfzerbrechen verursacht, hier ganz von selbst sich löste. Die Erwerbstätigkeit der Frau, wurde nicht als Recht gefordert, sondern als Pflkht, oft als sehr schwere, ausgeführt. Wenn das heutige Motto in der Frauenfrage lautet: Die Frau ist zu allem berechtigt, wbzu sie befähigt ist, so kümmerte sie sich damals um gar kein Motto, hielt sich zu allem verpflichtet, und das geschärfte . Pflichtgefühl machte sie zu allem befähigt. Im Ertragen von Strapazen, von Kälte und Hitze, von Hunger und Durst konnte diese Frau i mit dem abgehärtetsten Kriegshelden es aufnehmen. Ob alles vor Frost erstarrte, ob glühender Sonnenbrand alles versengte, — immer war die Großmutter unten auf ihrem Posten, vam frühen Morgen i>is zum späten Abend. Ja, auch hre Mahlzeiten wurden im ungeheizten Geschäftslok; il (es war ein Engrcis* Geschäft) eingenommen, wenn sie nicht gar liehjer dem Kunden aus der Provinz angeboren wurden, während sie selber sich an Zusehen sättigte und erwärmte. Das Auspacken c er frisch angekommenen Waren wurde immer in de- Nadit besorgt, sonst wurde in der Nacht nach dem Zehnuhrladenschluß oben nur die Wirtschaft für den andern Tag bei sorgt, und der frühe Morgen sah sie schon wieder unten auf ihrem Posten. Der Kampf der Konkurrenz, der heute in anderen Formen Fortwütet, äußerte sich damals noch in handgreiflicher Gestalt. Jede,’ versäumte Minute räd te sich, jede versäumte Minute bedeutete einen Konkurrenten. Jeden Abend, bevor der Laden geschlossen wurde, wurde der Barerlös des Tages gezählt und jedesmal das Maaser (der den Armen reservierte zehnte Teil den berechnet und gewissenhaft bereitstehende Kassette getan. Verdienstes) sorgsam in die für diesen Zweck v 187 -