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Der Orden Bne Briss · 1930-10-01 · Nr. 10 - Oktober · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1930
Issue
Nr. 10 - Oktober
Date
1930-10-01
Page
[Seite] (sequence 24)
Language
German
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Die Entwicklung war aber zu stark, uni sich durch solche Hemmungen auf die Dauer zurückhalten zu lassen. Es entstanden in gewissen Industrien, so z. B. ger< de in der Haushaltungsindustrie, neue Produktioi sbetriebe, die die direkte Beziehung zu den Wa enhäusern suchten und zum j erheblichen Teile von ihr lebten. Es fanden sich , auch genügend Gro: sisten, die die Zukunft des Großhandelshinter aie gegenwärtigen Vorteile, die 1 die Watenhausbelieferung ihnen bot, zurückstellten. Je größer die'Warenhäuser wurden, um so stärker i wurde ihre direkte Belieferung durch die Fabrikationsbetriebe, und während sich ursprünglich Großhandel und Industriej gemeinsam durch Boykott gegen den direkten Einkaul der Warenhäuser zu wehren1 “i 4 I gesucht hatten, zog sich die Industrie sehr schnell taus dieser Einheitsfront mit dem Großhandel zu-| rüde. Dort, wo diejlndüstrie groß war, wo sie sich eigene Verkaufsapparate geschaffen hatte, über» nahmen diese die bisherige Funktion des Zwischen* handeis und traten in unmittelbare Verbindung mit dem Einzelhandel. Dort aber, wo die Industrie klein war, konnte ^ie sich auf vielen Gebieten ersit recht nicht den Vorteilen entziehen, die ihnen di£ Warenhäuser und andere Großabnehmer des Einzelhandels boten, j Diese nähmen kleineren ui.k mittleren Fabriken joft ihre ganze Produktion oder doch erhebliche Teile davon für bestimmte Zeiträume fest ab, uncl zwar zum Teil so, daß manche Unternehmungen der Industrie geradezu in Lohn für große Warenhauskpnzeme nach deren geschmacklichen, qualitativen i nid preislichen Anweisungen und Bedürfnissen arbei:eten. Die direkte Zusammenarbeit auf dieser E asis war zwar vor dem Kriege noch keineswegs typisch, und sie ist es vielleicht auch heute noch n ehr, aber sie war doch stark genug, um die traditionelle Funktion des dazwischentretenden Großhandels zu beeinträchtigen. Dler Großhandel mußt« dadurch umsomehr Terrain verlieren, als die zus immengeballte Einkaufskraft der Warenhäuser ger ossenschaftliche Efnkaufsvereinigungen des kleine en und mittleren Spezial-Einzelhandels auf den. 5Ian rief, die auch ihrerseits die direkte Belieferung durch die Industrie erreichen konnten. Dazu k;im auf vielen Gebieten der Güterverteilung die Eitwicklung des Gepossensdiaftswesens in anderer noch strafferer Form. Genossenschaften zum Verl tauf von Agrarprodukten (Molkereigenossenschafte 1 usw.)entwidcelten sich,Einkaufsgenossenschaften lür Düngemittel, landwirtschaftliihe Maschinen und Geräte usw. machten dem Großhandel gleichfalls Konkurrenz. Auch die Konsumgenossenschaften, Konkurrenz für d:n Einzelhandel bildeten, gliederten die in der Hauptsache eine sich eigene- Großhandelsorganisationen (Großeinkaufsgesellschaft deutscher Konsumvere ne> an, die es ihnen ermöglichten, auf den Dienst des freien Zwischenhandels in zunehmendem Made zu verzichten. Noch eine andere Größorgar isation des Einzelhandels (wie Kettenläden und Hassenfilialbetriebe) erreichten auf ihren Brancher gebieten so große Umsatz-Dimensionen, daß sie für viele Waren nicht mehr auf den Bezug vom freier Zwischenhandel angewiesen blieben, t In der Kriegs- und Inflationszeit ist diese Entwicklung, die schon vorher da w«r, zunächst aufgehalten worden. Der Zwischenhandel erlebte noch einmal eine Periode, großer Blite, die in Wirklichkeit aber nur eine Scheinblüte war. Denn das Zwischenhardelsgesdiäft, das damals in der Zeit der Warenknappheit teilweise zum Ketten* handel entartete, konnte nur so lang» unter den besonderen Verhältnissen dieser Perioc e gedeihen, als es lukrativer schien, möglichst gre ße Warenvorräte möglichst lange zurückzuhaltei, ' statt sie möglichst schnell zu verkaufen. Lernten Endes hat diese Periode der unnatürlichen Warenaufhäufung und zwar der Aufhäufung vielfach qualitativ geringwertiger Waren die Pasiticn des Zwischenhandels verschlechtert, sfatt sie zu verbessern. Die Industrie, die über große stehende Anlagen verfügte, die Warenhäuser t nd ein Teil der Einzelhandelsgeschäfte, deren M obiliarbesitz gleichfalls bis zu einem gewissen Grade substanzerhaltend wirkte, haben die Inflationszeit weh besser überstanden als der Großhandel, zumal die Inflation auch für sie wie für alle Immo >iliarbesitzer eine Entschuldung durch Entwertung un i verhältnismässig geringe Wiederaufwertung der Hypotheken ermöglichte. Der Großhandel, der als Haupt» aktivutn seine Warenläger besaß, ha durch die Inflation viel Substanz verloren / insbet ondere sein mobiles Kapital, der wichtigste Bestai dteil seiner kapitalistischen Ausrüstung, war zum erheblichen Teile aufgezehrt worden. Dadutch ist dem Großhandel die Wiederaufnahme seiner vorher so besonders wertvollen Funktionen, mit Hille seines mobilen Kapitals seine Abnehmer auf den Wege der Kreditgewährung zu finanzieren, weitjehend verlorengegangen. Soweit er diesen Marge! ersetzen wollte, war er darauf angewiesen, mm Zwecke der Kreditgewährung an seine Abnehmer teuren Bankkredit in Anspruch zu nehmen. Das führte zu einer hohen Verschuldung, zu i ibermässigen Unkosten, zu einer ungesunden Zusammensetzung des Betriebskapitals, in dem die fremden Mittel im Gegensatz zu früher den Stamm am Eigenkapital etheblich überwucherten. Viele Zusammen« 134

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