Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 10 - Oktober
- Date
- 1930-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 25)
- Language
- German
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brüche von Großhandelsunternehmungen sind auf diese überhohe Verschuldung, auf' dieses unproportionale Verhältnis zwischen Eigen« und Fremdkapital zurüdczuführen, namentlich auch deswegen, weil der Großhandel bei dem schnellen Wechsel der Konjunkturen in der Nachkriegszeit zu einem Spekulieren mit Waren geradezu gezwungen war, weil er aber keine Reserven finanzieller Art besaß, um entstehende Spekulationsverluste ausgleichen zu -können. Es gibt natürlich auch Gebiete und Firmen des Großhandels, die sich dieser ungünstigen Entwicklung entziehen konnten, die es gerade in der Inflation durch geschickte und großzügige Politik verstanden haben, ihre Substanz und ihren wirtschaftlichen Spielraum zu erweitern. Namentlich in der Schwerindustrie haben einige Großhandelsfirmen ihre Machtsphäre erheblich ausgedehnt, indem sie durch Ankauf von Kapitalbeteiligungen an Produktionsuntemehmungeri Einfluß auf diese Unternehmungen und die Kartellverbände, denen sie angehörten, zu erringen vermochten. Damit haben sie sich den Charakter sogenannter Werks» handeisfirmen zu sichern gewußt und sind zu sozusagen monopolisierten Händlern geworden. Bei anderen Großhandelsfirmen ist dieselbe Verbindung zwischen Industrie und Handel geschaffen worden, aber nicht in einer Form, die dem Händler eine überlegene öder auch nur gleichberechtigte Stellung im Verhältnis zur Industrie ermöglichte, sondern ifin zum beauftragten Verkäufer b?zw. Agenten oder Kommissionär der Industrie bezw. der industriellen Verbände machte. Diese Art des Groß- handeis ist zwar lukrativ geblieben, aber sie ist nicht mehr als wirtschaftlich selbständig zu betrach' ten / bei juristischer Selbständigkeit ähnelt sie mehr den Verkaüfsorganisationen, die sich Industriegesellschaften selbst geschaffen haben. Es ist aller Wahrscheinlichkeit hach kein Glück, kein volkswirtschaftlicher Vorteil, daß das Tätigkeits- Ludwig Max Goldberger. Wirlschaftsfflhrer, Geheimer Kommerzienrat, geboren 1848 in Tarnowitz (O.-Schl ), gestorben 1913 in Berlin. Sein auf Grund einer lüngeren Studienreise in Amerika »erfaßtes Werk „Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten" ist weltte- ■kannt, sein Titel sprich-, wörtlich geworden. — Aus dem 2. Bande des fünfbindigen Jüdischen Lexikons (Jüdischer Verlag, Berlin W. SJ). Nachdruck verboten. gebiet des Großhandels auf diese Weise in der deutschen Wirtschaft mehr und mehr . eingeengt wird. Die Endpreise des Konsums sind nur in seltenen Fällen durch diese Ausschaltung des Großhandels niedriger geworden, auf sehr vielen Gebieten sind die Kosten der Verkaufs- und Einkaufsapparate, die sich Industrie und Einzelhandel geschaffen haben, nicht geringer als dip Zwisdierfhandelsspanne, die der Großhandel für sich beansprucht -oder beanspruchte. Aus dem wirtschaftlichen Verteilungsprozeß ist." aber durch die zunehmende Ausschaltung des Großhandels ein it und der Ausgleichung , früher vielfach Stösse fgefangen oder doch gehat sich diese Ausschaltung keineswegs irr allen Branchen gleiditaässig vollzogen. Es gibt Branchen, in denen die Position des Großhandels und die Aufgaben, die ihm verblieben sind, durchaus noch die Möglichkeit für eine Renaissance gutgeleite ter Zwischenhandelsfirmen bieten, sofern die Venältnisse sich konsolidieren und eine reichlichere K; pitalbildung, das heißt eine Element der Elastizit entfernt worden, da^ konjunktureller Art an mildert hat. Allerdings Bildung genügenden E wird, im übriger genkapitals wieder möglich wird eine 'gegen früher allerdings stark eingeschränkte Zahl von Großsein handeisfirmen in sehr v Zukunft noch in eine eien Geschäftszweigen auch Existenzmöglichkeit' finden können. Eine Existenzt^iöglichkeit, die freilich nicht darauf basieren wird, daß der ganze Warenstrom oder sein größter Teil auf seinem Wege von ,der Produktion zum Konsum den Großhändel passiert, sondern daß die Gro 3handelsfirmenj 'sijh „darauf beschränken, die Bedarfs spitzen, die sim fast immer beim Einzelhandel infolge nicht ganz zutreffender Einkaufsdispositionen e geben, aus seinen. Reservelägern zu decken. Nicht die Lagerhaltung schlechthin, sondern die Unterhaltung von Reservelägern für den Aüsgleidisbedarf wird in Zukunft die eigentliche Funktion des Großhandels bilden. Gerson von Bleichroeder. 1822 bis 1893, Berater Bismarcks und Hofbankier Kaiser Wilhelms I. Geheimer Hommerzienrat, 1872 in den erblichen Adelsstand erhoben.!— Aua dem I. Band des fünfbündigen Jüdischen Lexikon* (Jüdischer Verlag, Berlin W. 50'. Nachdruck verboten. > - 185 -