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Der Orden Bne Briss · 1930-10-01 · Nr. 10 - Oktober · p. [Seite]

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1930
Issue
Nr. 10 - Oktober
Date
1930-10-01
Page
[Seite] (sequence 23)
Language
German
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müssen. Das alte Handelshaus ist in wenig rühm» Ikher Weise von der Bildfläche verschwunden.: Sein Schicksal war in gewisser Hinsicht charakteristisch für die Wandlung, die sich in den Formen des Wirtschaftslebens und in der Stellung, die der Groß» handel darin einnahm, vollzogen hat. Die Wurzeln dieses Entwicklungsumschwunges, der in seiner vollen Schärfe erst nach den Kriegs» und Inflationsjahren in Erscheinung traf, reichen trotzdem bereits in das Jahrzehnt, vielleicht in die beiden Jahrzehnte vor dem Kriege zurück. In den letzten Dezennien vor dem Jahrhundertwechsel, als sowohl die Produktionsunternehmungen wie die Einzelverkaufsgeschäfte noch kleiner und weniger organisiert waren, als die unmittelbare Produktion wie der unmittelbare Verkauf von Waren sich noch zersplittert vollzogen, konnte und mußte der Schwerpunkt der Güterverteilung, des Ausgleichs zwischen Produktion und Konsum in starkem Maße beim Großhandel liegen. Produktion und Verkauf an den unmittelbaren Konsum waren fast nirgends direkt mit einander verbunden. Es bestand keine unmittelbare Beziehung zwischen ihnen. DieVermittlung besorgte der Großhandel, der nicht nur die Funktion der großen Lagerhaltung und der »gutassortierten« Lagerzusammenstellung (der reichen Warenauswahl und der ausreichenden Waren».' präsenz) erfüllte, sondern auch durch Gewährung von Krediten namentlich an deh von ihm beziehenden Einzelhandel, aber gelegentlich auch an die ihn beliefernde Industrie, an der Finanzierung desWaren- Umschlags iri starkem Maße beteiligt war. Für die Kreditgewährung des Großhandels an den Einzelhandel können und brauchen besondere Beispiele nicht angeführt zu werden. Beispiele für die Finan» zierung industrieller oder landwirtschaftlicher Produktions-Unternehmungen durch den Großhandel waren besonders in der Metallwirtschaft und in der Getreidewirtschaft zu finden. Die alte Metallhandelsfirma Aron Hirsch gründete z. B. das Produktionsunternehmen der Hirsch Kupfef- und Messingwerke, die Metallgesellschaft und die Handelsfirma Beer, Sondheimer 'S) Co. beteiligten sich gleichfalls an der Entwicklung industrieller Unternehmungen. Der Getreidehandel bevorschußte ebenso wie der Viehhandel den Landwjrten häufig die noch auf dem Halme stehende Ernte und das heranwachsende Jungvieh, er vermittelte den Gütern Hypotheken und er wirkte auch an der Finanzierung von Mühlenbetrieben mit. Die logische Folge der Tatsache, daß die Pro-' duktion sich namentlich um die Jahrhundertwende herum bei den einzelnen Erzeugungsbetrieben ins breite und tiefe zu organisieren, Konzerne und sonstige Formen der groliwjrtschaftlichen Konzentration zu bilden begann, mußte darin zum Ausdruck kommen, daß die FabriKationsuntemehmungen sich in dafür geeigneten Industrien für den direkten Verkauf an den letzten Konsumenten gleichfalls eiDzurichten begannen. Verkaufsabteilungen wurden geschaffen, die für einen Teil der Produktion den Zwischenhandel auszusd ialten suchten, und während von der Seife der Prodiktion her der Großbetrieb die direkte Verbindung zum Letztabnehmer suchte, unternahm es auch der in große Untemehmungsformen hineinwachsende Einzelhandel, das Zwischenglied des Großhandels < tujzuschalten und eine unmittelbare Verbindung zur Fabrikation anzuknüpfen. Diese Entwicklung wurc e insbesondere dadurch gefördert, daß das Warenhaus als großgeschäftliche Form des Einzelhandel! auf den Plan trat Der Industrie, die. in ihrer großen Unternehmungen »vieles zu machen« begr mj, trat diejenige Form des Einzelhandels an die S :itje, die »vieles' zu verkaufen« strebte. Dadurch wurde naturgemäß das wirtschaftliche Terrain des C rrcpßhandels von zwei Seiten her eingeengt. Allerdiigs wurde in den ersten Zeiten der Warenhäuser die unmittelbare Veitbindung zwischen ihnen und den.Fabrikanten noch nicht ohne weiteres hergistelit. Solange die Warenhäuser in ihrem Umsatz uhd ihrer Einkaufskapazität^ noch verhältnismäßig be schränkt wären, solange das Warenhaus1 in jeder devielen Warenarten, die es zum Verkauf brachte; nc ch wesentlich geringere Umsätze tätigte als die großen oder auch nur mittleren Großhandelsfirmen, sblange war für die meisten Fabrikanten die gute Verbindung zum Großhandel wichtiger als der direkt : Verkauf an die. Warenhäuser. Die damaliger ^Warenhäuser könnten als Kunden für die Industrie noch nicht allzuviel bedeuten. Der Großhandel und die von diesem versorgten Einzelgeschäfte bedeuteten jedenfalls für sie noch wesentlich mehr, und so kani es, daß,zunächst die Industrie jede direkte Belieferung der Warenhäuser ablehnte- Manche Fabrikantenverbände wie z. B. die Erzeuger von Ha ushaltsartikeln, stellten sogar rote Listen für die von ihnen anerkannten Bezieher auf, unter denen die Warenhäuser fehlten. Die Erzeuger von Marken iftikeln fürchteten, daß das »Schleuderprinzip«, mit dem man damals das Verkaufssystem-der Warelhäuser charakterisierte, die' Preisbildung der Markenartikel erschüttern könnte. Von der anderen Seite her suchte auch.der Großhandel die Entwicklung des Warenhauswesens zu hemmen, indem er sich tum erheblichen Teil — mit Rücksicht auf die Detailleure, vor allem aber. auth wegen der befürchteten Schwächung seiner eigenen Stellung —0 weigerte, che Warenhäuser zu beliefern. 183

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