Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 10 - Oktober
- Date
- 1930-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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Kein Wunder, daß eben dieses Bürgertum gegen eine Aenderung des Ranges, der bisher der Wirtschaft eingeräumt wurde, sich sträubt. . Noch schwieriger wird natürlich für die bürgerlichen Elemente in der Loge der Wandel der Wirtschaftsgesinnung, wo es nicht mehr um eine theoretische Wertung, sondern um Einzelheiten der Wirtschaftsordnung, um praktische Forderung und ihre Erfüllung geht. Gerade daß man in den Streit um die Wirtschaft die Parole des Klassen' kampfes' hineinwarf, erschwert es heute, zu wirtschaftlichen Einzelfragen ^laltung zu gewinnen, ohne politische Parteifragen damit zu verbinden. Und doch müssen wir Juden, die von Anfang an unter der Parole der Gerechtigkeit uns um die Formung der Gesellschaft bemühten, den Versuch wagen, ohne Ressentiment und ohne Furcht an die praktische Lösung der wirtschaftlichen Kern» und Teijfragen heranzutreten. Gilt es doch, der weit von links, wie weit von rechts immer lauter tönenden Drohung mit der revolutionären und dann blutigen Lösung der Wirtschaftsfragen allen Ernstes die evolutionäre und unblutige Lösung mittels folgerichtiger Gerechtigkeit entgegenzusetzen. . Unsre Logen können darum der Schaffung einer auf Ueberwindung der unerträglichen Spannungen des Besitzstandes abzielenden Wirtschaftsgesinnung nicht länger ausweichen. Dies aber sei den noch immer Bedenklichen unter den Brüdern gesagt: In den Bünden der noch leidenschaftlicheren Jugend hat man die Angst vor Sprengung der Organisation durch wirtschaftspolitische Erörterungen längst übeqvunden. Die Arbeit steht in den Bünden unsrer jüdischen Jugend, vor allem im überparteiischen Jugendverband, ganz im Zeichen dieser entscheidenden Zeitfragen, und die Bünde gewinnen dadurch nicht nur an Lebendigkeit, sondern auch an Zusammenhalt/ ohne die verbindende Kraft der Arbeit an dem Wirtschafts* Problem wären noch mehr wertvolle jüdische Menschen dem jüdischen Kreis entrückt, als wir ohnehin schon ziehen lassen müssen. Die soziale und persönliche Hilfsarbeit darf als nicht streng zum Thema gehörig außer acht bleiben. Die erweckte Wirtschaftsgesinnung der Brüder wird sich zuerst an der auffallendsten und zugleich schwierigsten Folgeerscheinung der notleidenden Wirtschaft versuchen müssen, — an der Verelendung breiter Schichten des jüdischen Bürger» tums, an deren P r o 1 e t a r,i s i e r u n g. Der größte Teil des jüdischen Mittelstandes ist niedergebrochen, ehemals selbständige Menschen mußten sich um eine Anstellung bemühen, viele Angestellte gingen in* die große Schar der Arbeitslosen ein / und alle diese sanken . in ihren Bezügen auf, ja unter die Stufe' des Industrie-Proletariats. Zahlreiche edel geartete Menschen der jung in jüdischen Generation ziehen aus dieser Tatsache die Folgerung, daß sie die Proletarisierung bejahet, in ihren Willen aufnehmen. Sie folgen damit S. Kracauers Vorschlag in seinem-Buch über ciie Angestelltenfrage. Durch die jüngste Tagung cies vorwiegend bürgerlichen V. J. J. D. klang es wie ein Leitmotiv, man müsse die »bürgerliche Lebenshai ung« mit der bewußt proletarischen vertauschen und könne so(wenigstens frei von Lüge leben/ mai müsse sich, zudem’in die Kämpffront des 4. Standes einreihen. Manche Ordensbrüder haben in den letzten Jahren mit ihren Einkommen einen stärkeren Niederstieg mitmachen müssen. Soll darum auch der Orden *Ja« sagen zur Proletarisierung c er jüdischen Gesellschaft, muß es nicht vielleicht der Orden «vton übermorgen, wenn er noch Menschen des jungen. Ge-* schlechtes erfassen will? Das ist eine schicksalsschwere Frage für den UI. O. B B., die für sein Sein oder Nichtsein entscheidend ist. Jtann er sie bejahen, ohne , die Axt an nie Wurzel seines Eigenstandes zu legen? Man kanh ehrlicherweise heute nur mit der Mahnung zu Hellhörigkeit und steter Wachsamkeit antworten. Aber man muß doch jetztschon für den Ordc n eine entschiedene Anpassung an die soziolc gische Umstellung auch unter den Brüdern fordern. Nicht wenige Brüder können den an sich hohen, für sie aber viel zu hohen Jahresbeitrag nich: empfinden seine Höhe nicht etwa zu dem Ver die | noch Wohlhabenden erhöhten Zahlungen zu erst recht die Scheidung bedrückenden Gefühl dei mehr zahlen / andere ^ls drückend. Will man egenheitsausweg greifen, unter den1 Brüdern zu verpflichten, und damit 2 Kategorien mit dem Zweitrangigkeit für die in Minderbemittelten herbeifi hren"), so wird-man rasch die Beiträge für alle Prüder beträchtlich "senken müssen. Demgemäß w rd sich aber auch die *»L ebenshaitun gc der Logen, jso bescheiden sie bereits sein mag, vereinfachen tjnüssen. Rauschende Feste werden der Geschichte angehören. * . f ’* 1 Die Neuregelung des Verhältnisses von jüdischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern bietet einetj weiteren Prüfstein für die die Brüder in ihrem beeinflussen.j Da ein guter Teil der jüdischen Arbei'tgeberschafij in den Logen organisiert ist, erwartet die Masse der jüdischen Angestellten, wie manche Aeußerung , auf . der erwähnten Münchener Tagung zefgfe, von der Ordensleitung einen Antrieb in dieser Richtung.’ Die Mehrzahl der jüdischen Angestellten erkennt, Fähigkeit des Ordern, Wirtsdiaftsgewissen zu *> Dieses Problem muß heute punkten betrachtet werden. Red. unter' anderen Gesichts- - 173 -