Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 10 - Oktober
- Date
- 1930-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Einfluß des Ordens auf die Wirtschaftsgesinnung der Brüder. Von Gustav Löffler- Ueber die Beziehungen des Bne Briss-Ordens zu den brennenden Wirtschaftsfragen und seine, damit verbundene, Gesinnung bildende Macht ist weniges als Feststellung, manches' als Frage, vieles in der Form der Forderung, auszusagen. Man mag über die Fähigkeiten der einielnen Logen, Persönlichkeiten zu bilden oder zu entfalten noch so skeptisch denken: daß sie für die faire Haltung der Brüder im Berufeleben weithin mitbestimmend waren, wird man unbedenklich einräumen müssen. Makellosigkeit des Rufes unter den Berufsgenossen war stets erste Voraussetzung für die Würdigkeit eines Bewerbers um nie Aufnahme in den Bruder* kreis. Stillschweigend war demzufolge auch die liebereinkunft, als Ben Briss peinlich über der Untadeligkeit seines Namens zu wachen. Für eine durchaus nüchterne Beurteilung der Gesinnung bildenden Kraft des Ordens im Bereiche der Wirtschaft wäre es freilidi von Wichtigkeit, zu wissen, ob die mancherlei ,-usammenbrüche, von denen Angehörige des Ord rns in den letzten Jahren betroffen wurden, sich immer unter den korrektesten j Formen . vollzogen. Entgleisungen, menschlich in schweren Zeiten begr tiflich, müssen vor dem Forum einer Ordensgemeinschaft weit strenger beurteilt werden. — Wir dürfen also im allgemeinen ohne Phrase Wohlans ändigkeit des einzelnen Bruders auch und gerade in der wirtschaftlichen Sphäre als edle Fr icht des Ordens bezeichnen. Weit mehr Bescheidenheit über seinen formenden Einfluß ist aber da am Platze, wo die Wirtschaft* gesinnung im strengen Begriffe des Wortes als Objekt jener Formknift in Frage kommt»-Gewiß: wohl in jeder Loge wurde seit Jahren dann und wann ein Vortrag sozial-ethischen Gehaltes angesetzt, der von der Erkenntnis der sozialen und wirtschaftlichen Notlage weiter Kreise diktiert war. Meistens schritten diese Vorträge gar pathetisch in historisierend-lehrhaft j Gestalt daher, gemahnten an die soziale Gesetzgebung unsrer heiligen Bibel und endeten in einem Appell an das soziale jüdische Gewissen. Aber e« blieb eben vor dem fortbrausenden Lebensstrom und der durch ihn sich stetig wandelnden »Gesellschaft« unbefriedigend, daß man es in unsren Logen eben so peinlich vermied, zu den »politischere Deutungsversuchen der sozialen Not Siellung zu nehmen, wie man Einzelfragen der immer selbstherrlicher aufbegehrenden Wirtschaft aus dem Wege ging. Es scheint mir kennzeichnend fü ■ die Fragwürdigkeit der Beziehung des Ordens;:u dem'zentralen Problem der Volkswirtschaft wie für seitie Gesamtlage, daß noch vor eineinhalb Jahren unsre ersten Versuche, Kern fragen der Wirtschaft in unsren Bruierkreis zu tragen, auf die heftigsten Bedenken und stärksten Widerspruch namhafter Brüder trafen alles mit der Wirtschaft zusamd Den einen enhängende zu sehr mit dem Schweißdunst der Tagesfron be» war haftet; würdig. zu wenig »geistig« und Andere fürchteten von darum der nicht logen- Erörterung politischen Gebiets das Aufkeimen parteipolitischer aber hielten n der Loge Gegensätzlichkeiten. Wieder andere solche Auseinandersetzungen im Rahmi fürzwecklos, dadepBruderkreiszuwenig »IWirtschaftsköpfe« umfasse, und da es deshalb nid zu beachtlichen Entschliessungen oder gar Taten kommen könne. Nun, im Laufe des letzten Janres hat sich langsam aber doch merklich ein Stimmungsumschwung m Orden vollzogen. Nicht erst diese Festnummer ist dafür ein sprechender Beleg. > Nom aber sind wir in unserm U. O. B. B. eine gute!Strecke von dem Punkt entfernt, wo den meisten Brüdern bewußt wäre, daß die gesunde Wirtschalt der Völker der tragende Grundstein wahrer Menschheitskultur ist. Noch betrachten viele halbbewußt oder bewußt alles Wirtschaftliche als eine reine Angelegenheit der Selbsterhaltung, bestenfalls der individuellen Sittlichkeit und nicht vielmehr als die bjreite Grundlage echter, dem Orden aufgegebener sozialer Sittlichkeit. Die . Schaffung einer Qesinnung, die die Wirtschaft als tragendes Element der Weltkultur erkennt, ist für den Orden zugleich dir Weg von der individuellen zur sozialen und damit erst zur vollkommenen Sittlichkeit — und darum gebotener Weg. * Der nüchterne, psychologisch gesciulte Kenner »der gesellschaftlichen <spr. soziologischen) Struktur des Bne Briss-Ordens und aller ähnlihen Ordensgebilde, wird die großen Schwierigkeiten nicht verkennen, die sich einer solchen Gesinrung yon der Wirtschaft entgegenstellen. Sind doh alle nach dem Vorbild der Freimaurerlogen Bruderschaften Bildungen, die das hochgesteigerte Selbstbewußtsein des B ü r g e r t-'u rr Selbsterhöhung schuf. Und »bürgerl ist heute noch weithin in den Reiheln geschaffenen s zu seiner :ch« war und der Brüder das Denken über die Rolle der Wirtschaft innerhalb des Lebensganzen. Ihm aber jvirft sich mit wachsender Wucht die »materialistische* Auffassung entgegen, die in der Wirtschaft dei Motor der Geschichte sieht. Der Sozialismus, c er .Träger der materialistischen Geschichtsbetrachtung, bekämpft zugleich mit dem heutigen Stand der Wirtschaftsordnung das Bürgertum als derer Verteidiger. — 172 —