Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 10 - Oktober
- Date
- 1930-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
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frei von politischer Verharzung, die Schwierigkeiten und Sorgen der jüdische 1 Arbeitgeber durchaus an und bekennt überdies manche Schwächen von Angestellten infolge von Krieg und Inflation. Weil aber auf beiden Gruppei gleich drohend die Wirtschaftsnot und die jüdisch«:Sondernot lastet, so glaubt die Angestelltenschaft au: Bereitwilligkeit zu gemeinsamen Plänen rechnen zu dürfen. Fragen der Berufs* wähl, des Aufstiegs, der Selbständigkeit auch im AngestelIten-Verhältnis,4erTarifierung und derFreizeit, vor allem auch deij Einstellung jüdischer Angestellter in jüdischer! Finnen, Rollten daher künftighin die Vertreter 1er Logen und der organisierten jüdischen Jugend am grünen Tisch vereinen. Jung und Alt werden,'unter Führung oder willigem Mitschreiten der Brüder, auch im Kampfe gegen das fürchterliche Leid Her Arbeitslosigkeit große St -edcen Wegs gemeinsam marschieren können. E ei der allgemeinen Ratlosigkeit auch der »Bert fensten« diesem Weltübel gegenüber wäre es im übrigen unbillig, das Wirtschaftsgewissen der Brüder an diesem Punkte durch Wünsche oder Forderungen allzusehr zu belasten. Immerhin darf darauf verwiesen werden, daß dem starken Willen der Jugeni auch auf so schwierigem Gebiete durch Höchstle stung der Einzelverantwortlidikeir beachtliche waren. Dem Orden mil keiten sollte dies neuer j Vnsporn sein. Unser Wissen, daß die Wirtschaftsnot, daß die Arbeitslosigkeit mit jeden Tage mehr zur Weltnot wachse, muß der Span nung unsres Wirtschaftsgewissens Weltweite geb:n. daß der Orden nicht bei dies als Weltorganisation versuche anbahne. Au doch wohl allein die Wirtschaftsnot' bringen vieler Tausende von K Städten, wq. sie durch sjnd, und die Notwendig auf dünn bewohnten, Einzelerfolge beschieden seinen größeren Möglidiunsres In praxi bedeutet dies, den fragwürdigen örtlichen Lösungsversuchen es bew :nden lasse, sondern überübernationale Wandlungsdie Dauer dürften diese v ahre Ueberwindung der Die Frage der Aussiedlung enschen aus den großen Maschinen und die Maschinerie der Rationalisiei ung überflüssig geworden seit ihrer Ansiedlung rodi unersdilossenen Erdstrichen in dörflichen Geifteinsdiaften,1 wo män die Menschenkraft noch braucht, wird fraglos in allen zivilisierten Ländern als wesentliches Mittel zur Ueberwindung der Wirtschaftsnot bald eine große Rolle spielen. Erstaunlid genug, daß man sie aus engen Prestige « Gründen jüdischen Siedler, Wertvol der Umstand, daß mit der Nationen bisher zu wenig mit in Betracht zog. Hier.kann der Orden, zum mindesten für die Sch ar der dann aufbrechen'den e Vorarbeit leisten/ Schon edem Jahre mehr jüdische ^öhne und Töchter draußen in der Welt, weitab Von Heimat und Vaterland, ihre Existenz üeu begründen . müssen, weist das ^7irtsqiaftsgewissen unsrer'Ordensführer auf ihre Verantwortlichkeit als Träger einer Weltorganisation. Regelmäßiger Gedankenaustausch über wirtschaftliche Fragen mit den anderen europäischen und außereuropäischen Distrikten des Ordens wird darum anzubahnen sein. Von daher gesehen erscheint es auch an der Zeit, daß man sich bei den Beziehungen zu der amerikanischen Muttergroßloge von wirklichkeitsfremder Romantik und Sentimentalität frei macht. I^er Umschwung der wirtschaftlichen Verhältnisse jenseits des gfoßen Ozeans dürfte zudem inzwischen der Einsicht auch dort den Weg geebnet haben, djaß gemeinsame Not gemeinsames Erwägen und Handeln gebietet, und daß die; heute Gebenden morgen die Empfangenden sein können. » i Die Durchführung solcher Wandlung der Wirtschaftsgesinnung bei unseren Brüdern und der sich daraus' ergebenden Taten wird nach einer planvollen Methode jjn allen Logen »organisiert« werden müssen. Die schon vor Jahresfrist angeregte Schaffung von Arbeitsgemefn schäften für Wirtschaftsfragen wird in diesem Zusammenhang verwirklicht werden, müssen. Diese müßten danach streben, auf die Dauer alle Brüder in ihre Arbeit einzubeziehen. Jedenfalls müssen sie durch regelmäßige Berichte über den Stand ihres Wirkens in Gemeinschaft mit wirtschaftlichen Fachorganisatronen und Jugendbünden über die Lage auf dem nahen und fernen Arbeitsmarkt, insbesondere soweit JuderTin Frage kommen, das Ohr der Brüderschaft gewinnen. Ihnen liegt es auch ob, zusammen mit den geistigen Ausschüssen Vortrags-,, thepien zu stellen, die theoretisch den Wandel der Wirtschaffsgesinnung begründen sollen. Prägungen wie »Warum ich Sozialist bin«, »Warum ich Kapitalist bin«, »Ist die Börse in einer sozialistischen Gesellschaft nötig?«, »Wie der Bodenreformer die Lage sieht«, »Das Staatserbrecht als Mittel zur Ueberwindung des Klassenkampfes« und ähnliche werden anfangs manchem bange machen. Bald aber wird man sie als die wahren Erneuerer des Logenlebens und die von der Zeit gebotenen Verhandlungsgegen§tände begrüßen. Das Vorstehende, lediglich als Festbeitrag gewertet, bliebe besser uugedruckt. Die Zeit ist tatenträchtig, die Lage des Ordens wie der deutschen Judenheit verlangt Gestaltung, Not am größten ist -rim Bereiche Wer bessere, tatnähere Gedanken d^r Wirtschaftsnot zu äußern weiß, versage sie nicht dem, Ringe der Brüder. — 174 »akademischer« wo die der Wirtschaft, zur Linderung