Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1930
- Issue
- Nr. 10 - Oktober
- Date
- 1930-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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bietet die Lebensgeschichte des alten Mayer Amsdiel Rothschild. Die Anfänge des Rothsdiifdschen Vermögens gehen nicht, wie es bei den meisten amerikanischen Magnaten der Fall ist, auf irgend einen Zufalls* treffer oder auf zweifelhafte Manöver zurück, son-i dern auf eine vollkommen legale und einwandfreie Geschäftstätigkeit. Mayer Amsdiel bekam nach und nach die Vermögensverwaltung des damals reichsten Mannes in Deutschland, des Kurfürsten' von Hessen, weil er dem Fürsten, der auf jedes Viertelprozent bedacht war, mehr Zinsen zahlte, als die anderen Frankfurter Bankiers, sich selbst mit geringerem Gewinn be^ gnügte und den Kurfürsten auch während der schwersten Kriegsjahre nicht im Stich ließ. Da es die Juden infolge ihrer minderen sozialen Stellung schwerer hatten, in große Geschäfte hineinzukommen, so konnten sie das Mißtrauen, mit dem man ihnen begegnete, nur durch gesteigerte Leistungen und durch einen besonders pfleglichen »Dienst am Kunden« überwinden. Der Service-Gedanke, heute von den Amerikanern zum obersten Geschäftsprinzip erhoben, ist, das darf man ohne Uebertreibung sagen, von altersher ein Grundsatz des jüdischen Kaufmanns. Gewißjist er nicht immer in den angenehmsten Formen verwirklicht. Das demütige Auftreten des jüdischen Hausierers ist die schlechte Seite dieses Kunden-, dienstes- Aber dafür hat/en jüdische Kaufleute auch in vorbildlicher Weise dazu beigetragen, den Dienst am Kunden in den modernen Großbetrieb zu übertragen und dfe Organisationsformen des Warenhauses, des Versandhauses und des großen Spezialgeschäfts auszubilden. Auch hier zeigt sich das Wesen des jüdischen Wirtschaftsdenkens: das Denken an den Andern und für den Andern, die Sorge darum, was der Andere will, wie man es dem Andern recht machen, ihn als Kunden gewinnen und erhalten kann Der Jude betreibt sein Mayer Amschel Rothschild. Begründer der FJnanzdynastie Rothschild. Geboren 1743 in Frankfurt a. M., gestorben 1812 Aus dern 4. Band des fiinfbümligen Jüdischen Lexikons. (Jüdischer Verlag, Berlin W. 50). Nachdruck verboten. brauchen kann. Erst dcrch den Käufer, durch den Menschen wird die Ware auch für den Verkäufer zu einem gewinnbring 'nden Geschäft. Deshalb geht dem jüdischen Kaufmann und dem jüdischen Unternehmer nichts über die Kunst der Menschenbehandlung. Ein so stark auf dt s Reale gerichtetes Denken würde wahrscheinlich verkümmern und in ein unerträgliches. Banausentum ausarten', wenn nichi eine ungemeine Triebkraft dahinterstände. Es j trifft nicht ganz den Kern, wenn man diese antreibende Kraft nur im Gelderwerb sieht. Der ausgeprägte Erwerbssinn des Juden ist gepaart mit einem außerordentlich spekulativen Sinn. Es wäre zu Rillig, den Spieltrieb r der Jüder einfach rässenmässig zu erklären und auf die Vei spieltheit hinzudeuten*xlie allen Völkern des östlichen Xjittelmeeres eigen ist. Wir finden die- Neigung 2 um Spiel, Zur Wette/zu allen Forfren der Spekulation auch bei den westlichen Wirtschafts Völkern, Bei den Engländern und Amerikaner^. S fielen - und Spekulieren, Ablenkung und Anregung zugleich, scheint nun einmal das unvermeidliche Korrelat n ich fernen Wirtscjiaftsdenkens zu seit. In der Börsenspekulation hat der Jude eine ßtsohdere Form des Spiels gefunden, die. seinem Wirklichkeit ssinn liegt. Er wartet nicht auf das große Los,.er setztdarauf, daß die Wirtschaftskonjunktur herauf» oder heran tergeht," daß ' die Aktien der Finan::» oder Industrieunternehmen künftig höher oder niedriger bewertet . werden. Wie bei allen spekulativen Menschen ist auch beim Juden der Erwerbstrieb ^stärker aus« * gebildet, als der Besit: trieb. Das mag damit Zusammenhängen, daß die Juden während vieler Jahrhunderte keinen Gruid und Boden erwerben durften, daß sie, schon ans Sicherheitsgründen, gezwungen waren, ihr Vermögen in möglichst mobiler Form zu halten. Der fanatische Eigentumssinn des Bauern fehlt dem Juden meist.. Er klebt nicht an seinem Besitz. Erwerb, Eigentum ist wieder , Geschäft -nicht »l'art poejr l'art«, aus Freude am' der Einsatz für die nädiste Partie, die ihm neue Material, am Eisen, an Maschinen, an rauchenden Schornsteinen. Der jüdische Unternehmer verfängt sich selten in technische Spielereien, er ist keine Bastlernatur. Die Produktion ist für ihn nicht Selbstzweck, es geht ihm nicht um die Ware an sich, sondern um den Menschen, der diese Ware Gewinnchancen bietet. Iler Jude ist auch zu agil, um sich mit einem Ren nerdasein zU| begnügen. Von Renten leben, bedeutet, sich vom Wirtschaftsleben ausschließen, nicht mehr mittun, kapitulieren. Und zu dieser letzten Kapitulation ist immer noch Zeit. J7J -